Wer Oink Games mag, der wird die 2024-Neuheit von Pegasus Spiele lieben. Nicht zwingend aufgrund der Spiele an sich, sondern in der Schachtelgröße begründet. Die ist bei dem Kartenspiel Pixies so knapp bemessen, dass es zwar einfachst überall hin mitgenommen werden kann, allerdings müssen Freunde von Kartenhüllen hier ganz tapfer sein. Karten in Hüllen finden hier mal so gar keinen Platz in der Schachtel.
Zwar hatte ich Pixies vom Autor Johannes Goupy schon mal mitgespielt. Beim letzten Sommerfest des Hippodice Spieleclub e.V. muss das gewesen sein. In großer Runde mit der Maximalanzahl von fünf Spielern hatte ich meinen Spaß an dem kleinen Kartenspiel. Aber wie es mit so vielen nur einmal gespielten Neuheiten ist, habe ich Pixies bald wieder im Rausch der vielen anderen neuen Spiele vergessen. Eigentlich zu Unrecht, wie sich später noch zeigen sollte. Und zum verspäteten Spontankauf reichte nur mal wieder ein kleiner Impuls aus.
Eine Art Set-Kollektion in einem persönlichen 3×3-Raster, das sich vor uns erst noch bilden muss. Dazu werden Karten aus der gemeinsamen Auslage reihum genommen und in das eigene Raster einsortiert. Nur nicht beliebig, weil das wäre für das Familienspiel schon zu überfordernd, sondern genau an der Stelle, welche die Kartenzahl vorgibt. So wandert eine 1 nach ganz oben links und eine 5 bildet die Mitte. Bereits ausliegende Karten können überdeckt werden, um sich so zu verbessern, denn am Ende zählen Nummern, Symbole und Farbgruppen für Punkte. Dieses Überdecken ist allerdings ein Tempoverlust, denn wer eine vollständige Auslage vor sich liegen hat, beendet den Durchgang.
Das klingt nach meiner unvollständigen Spielbeschreibung nach einem selbstfahrenden Auto auf Autopilot. Zurücklehnen und die Fahrt durch die Spielpartie genießen. Mitnichten, denn was sich hier so trivial liest, das versteckt in seinem spielerischen Kern einen Sog, den ich selten in dieser Form erlebt habe. Liegen für mich passende Karten in der Auslage? Welche Karten schnappen mir meine Mitspieler vor mir am Zug weg? Habe ich noch Zeit, um Kartenplätze mit Waldboden zu belegen oder sollte ich eher aufs Tempo drücken? Welche Farbgruppe sammele ich am besten, ohne dass ich von meinen Mitspielern ausgebremst werde? Kann ich diese Karte echt liegen lassen? Das und noch vieles mehr ging mir in Sekundenbruchteilen durch den Kopf. Allerdings ohne zu einem angestrengten oder gar stockenden Spielablauf zu führen. Pixies bietet viele Belohnungsmomente und das fühlte sich gut an.
Meine Erinnerungen an Pixies hat das Video von Brettspielblog über potenzielle Spiel des Jahres 2025 Kandidaten aufgefrischt und zum Spontankauf geführt. Dort wurde es für die prognostizierte Empfehlungsliste eingeordnet und neben des Artworks auch die Interaktion sowie der einfache Spielablauf gelobt, der ein schön dynamisches und befriedigenden Spielerlebnis erzeugt. Udo Bartsch vergibt auf seinem Blog Rezensionen für Millionen hingegen nur seine „solide“ Standard-Wertung für ein Spiel, das in seinen Runden überdurchschnittlich gut ankam, er selbst es aber wohl nicht langfristig spielen werde. Alles eben Geschmackssache und persönliche Meinung, die Ihr Euch ebenso gönnen solltet.
Ein paar Worte zu den Illustrationen von Sylvain Trabut. Die sind herzallerliebst und durch ihre abfotografierten Diorahmen-Waldmännchen aus Naturmaterialien eine Augenweide und ein Hingucker für sich. Einfach selbst anschauen und sich ein wenig darin verlieren. Selten sah ein Kartenspiel so außergewöhnlich und thematisch gut aus. Der französische Künstler verkauft seine Werke übrigens auch im 30 x 40 Format für alle, die es etwas größer als das Kartenspielformat mögen. Und auch wenn es mich reizt, eine Kartenspiel-Bildcollage unter Glas werde ich daraus nicht machen. Mehr dazu irgendwann mal an anderer Stelle.
Wo Licht ist, da findet sich allerdings auch ein wenig Schatten und Pixies bildet für mich da keine Ausnahme. Die Spieleschachtel lässt wirklich keinen Platz, die 70 Karten in Kartenhüllen zu packen. Deshalb empfehle ich dringend, eine weiche Unterlage auf dem Spieltisch. Denn die einzelnen Karten werden ständig aufgenommen und das auch im eigenen Raster. Glatte Tischoberflächen stören da nur und sorgen in Kombination von Fingernägeln zu unschön vermackten Kartenrändern.
Dann ist die Anleitung zwar ausführlich, verschweigt aber die genaue Kartenverteilung. Denn eine 1 wie auch 9 kommt zwar ebenso fünfmal im Kartendeck vor, nur gibt es von den vier verschiedenen Farben dabei zweimal eine rote 1 und zweimal eine blaue 9. Wer fortgeschritten etwas strategischer spielt, dem empfehle ich die Kurzspielregel von Hall9000, bei der Roland Winner die Kartenverteilung aufgelistet hat. Und zu guter Letzt braucht Pixies eine Wertungstabelle, um die Punkte in jedem Durchgang festzuhalten. Zwar sind zwei davon Teil der Anleitung, aber vor der ersten Partie solltet Ihr per QR-Code in der Anleitung Euch weitere Wertungstabellen ausdrucken und dem Spiel selbst beilegen.
Alles kein Beinbruch und auch kompensierbar, wenn man davon weiß. Aber eine etwas größere Spieleschachtel mitsamt Wertungsblock und Übersichtskarten der Kartenwerte- und Farbverteilung wäre noch schöner gewesen. So seid Ihr selbst gefordert, um für Euch das Spielerlebnis mit Pixies zu verbessern. Unterm Strich bleibt es für mich allerdings eine klare Empfehlung, die Ihr teilweise für unter oder um 10 Euro im Handel finden könnt – sofern Ihr die aufgrund der Koboldgröße nicht überseht.












