Komplexe Spiele müssen nicht zwangsläufig lange dauern. Wie flott wir spielen, liegt vor allem an uns selbst und der Mitspielerrunde. Wie ich Civolution mit einer bewährten Taktik gewinnen konnte, obwohl ich doch ganz andere Pläne hatte und wie es mir dabei erging, davon erzähle ich Euch in meinem kleinen Spielbericht. Gerne nachmachen und selbst erleben.
Für Civolution plane ich in Vollbesetzung gerne mal so drei bis vier Stunden ein. Dazu noch eventuell eine Erklärung von 45 Minuten für Erstspieler dazugerechnet und ein Spieleabend ist damit schon voll ausgefüllt oder gar zeitlich gesprengt. Meine letzte Spielpartie hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass es auch anders geht. In entspannter Dreierrunde haben wir uns daran gemacht, Civolution erneut zu spielen. Da wir alle schon mehrere Partien auf dem Buckel hatten, fiel auch die Spielerklärung weg. Also routiniert aufgebaut und direkt losgespielt.
Diesmal mit komplett zufälliger Verteilung der Gebiete und Rohstoffe, da wir auch mit der Draft-Variante für Fortgeschrittene gespielt hatten. Somit waren wir auch nicht auf die vorgefertigten Einsteigerdecks und die feste Startaufstellung angewiesen, was Abwechslung versprach und auch eingelöst hat. Zwar mussten wir den genauen Draft-Ablauf nochmal nachschlagen, aber auch der ging erstaunlich schnell von der Hand. So eine freiere Wahl seiner Startkarten ist schon toll, auch wenn die zufällig so halbwegs zusammenpassen und eine interessante Richtung vorgeben, wohin sich damit die eigene Spielpartie entwickeln könnte.
Bei mir dominierte der Aufstieg auf der orangen Fortschrittsleiste der Erkenntnisse. Zudem gaben mir meine Karte viele Punkteboni auf ausgespielte Karten in meinen Konsolenspalten. Gut so, gab es doch doppelte Punktzahl in der Endwertung für die Erkenntnisleiste. Mein Plan reifte. Einfach mal viele Karten ausspielen, um die Bonuspunkte mitzunehmen und dafür bräuchte ich entsprechend viele Rohstoffe. Die Aufwertung des Modulplättchens Abbau lag dafür griffbereit im Drafting-Pool der Startplatinen-Karten. Das Ziel, mit zwei Stämmen in der Wüste zu sein, war zwar noch weit entfernt, weil die Wüsten bei unserem Spielaufbau nicht direkt benachbart lagen, aber es braucht ja auch nicht alles perfekt sein. Civolution ist für mich auch immer ein Spiel der Herausforderungen, das jeweils Beste aus der gegebenen Situation zu machen.
Eigentlich hatte ich mir im Vorfeld der Partie überlegt, dass ich Civolution mal komplett anders angehen wollte. Weil bisher hatte ich oftmals stark auf Vermehrung, Wanderung und damit die Ausbreitung in viele verschiedene Gebiete gesetzt. Wenn das schnell gelingt, kann ich dort neue Rohstoffe entdecken und mir gute Ausgangspositionen für Entdeckungen der Orte sichern. Damit kann man eine Menge Punkte machen, zumal die Anzahl der eigenen Stämme und die Ausbreitung in jeder Partie belohnt wird. Viele Stämme brauchen allerdings auch viel Nahrung und bei weit über die Gebiete verteilten Stämmen lohnt eine Farm auch eher weniger, zumal die sich mit potenziell aufgedeckten Vulkanen beißt. Also gehen schon einige Aktion für die Jagd drauf und damit das alles so möglich ist und ich mich nicht zu sehr von meinen Würfeln spielen lasse, sind Ideen immer gut. Da bleibt dann kaum Platz für viele andere Aktionen übrig.
Soweit die Theorie. In der gespielten Praxis kam es natürlich wie immer ganz anders. Der Zufall wollte es so, dass in den ersten drei Epochen zunächst Evolution, dann die Anzahl der Stämme und dann die Ausbreitung auf verschiedene Gebiete belohnt wurde. Somit war mein Plan dahin, meine Zivilisation diesmal doch eher kleinzuhalten. Klar hätte ich gegen die Wertungskategorien der Epochen spielen können, aber zumindest die ersten zwei dieser Wertungen versprechen mit ihrem 5er- und 4er-Multiplikator doch enorm viele Punkte. Also zunächst eine Karte ausgespielt, die mich direkt zwei Felder auf der orangen Fortschrittsleiste nach vorne brauchte und mich die Erkenntnis aufwerten ließ. So mal eben sechs Ideenmarker mit einer Aktion sind nicht zu verachten und nehme ich gerne mit. Danach noch mehrmals meine Eigenschaftsmodule mit einem Pasch gefüttert und so auf die Evolution-Epochenwertung gespielt. Für die restlichen Aktionen der Epoche konnte ich meine Kartenhand fast leer spielen, wobei bis auf Stirnnacken zum Schutz gegen Urwölfe und einen Schritt auf der Gunstleiste vor allem Schritte auf den Fortschrittsleisten meine Ausbeute war.
Nach der ersten Epochenwertung lag ich zwar nicht in Führung, aber war noch gut vorne mit dabei. Danach verfolgte ich den strikten Plan der Vermehrung und Wanderung in neue Gebiete. Da war ich allerdings nicht der Einzige und kam oftmals zu spät in angrenzende Gebiete an, um ein Gebiet zu erschließen und den Rohstoffbonus zu bekommen. Bis auf die stattliche Anzahl von 11 Stämmen hatte ich mich vermehrt und das gab dann einen ordentlichen Punkteschub in der Epochenwertung. Mal eben fast meine Punktzahl verdoppelt und einen gehörigen Abstand zu den Mitspielern erspielt. Das alles wiederholte sich in der dritten Epoche und auch wenn meine Partie bis dahin eher gleichförmig ohne große Herausforderungen verlief, war das durchaus entspannend, weil vieles schlicht passte und sich fügte.
Zu Beginn der vierten Epoche fühlte ich mich allerdings zu sicher. Dort wurde eine Fortschrittsleiste gewertet, auf der ich bisher kaum emporgeklettert war und für die ich auch keine Handkarten hatte. Bis dahin hatte ich sowieso fernab meiner längst ausgespielten Startkarten nur eine einzige neue Handkarte nachgezogen und ausgespielt. Also setzte ich mir neue Ziele und die kosteten arg viele Aktionen und brachten am Ende zu wenig Siegpunkte ein. Die eine Karte in der Auslage wollte ich haben. Das war mein finales selbstgestecktes Ziel der Partie. Die dazu nötigen zweifach doppelten Rohstoffe abbauen und nach Hause transportieren, um Schritte auf Fortschrittsleisten zu bekommen. Klang gut und machbar. Über Handel war das allerdings zu mühsam und da ich sowieso meine Abbau-Aktion viel zu wenig im bisherigen Spielverlauf genutzt hatte, war das mein bevorzugter Weg. Nur musste ich erstmal mit einem Stamm dorthin wandern und nebenbei wollten die anderen Stämme auch noch ernährt werden.
Am Ende fehlte mir eine einzige Aktion, um für ausreichend Nahrung zu sorgen. Zwar hatte ich den Plan verwirklicht, meine Wunschkarte auszuspielen, aber das hatte mich viel zu viele Aktionen für zu wenig Ertrag gekostet. Genauso spielt man ineffektiv. Meine Vorahnung war also richtig. In Folge wurde ich in der Schlusswertung fast noch eingeholt. Konnte aber trotzdem noch, knapper als vorab gedacht, meinen ersten Platz verteidigen. Bis dahin waren mal eben 150 Minuten Spielzeit vergangen. Eine wirklich flott gespielte Partie, die sowieso keine Minute langweilig war.
Damit waren wir sogar eher fertig als die Shackleton Base Partie am Nachbartisch. Die mussten ihr Spiel allerdings noch erklären und waren auch eine Person mehr am Tisch. Somit hinkt der Vergleich, aber zeigt trotzdem gut, dass Civolution mit ein wenig Spielerfahrung nicht überlang dauern muss. Allerdings ist mir am Ende eh wichtiger, ob alle am Tisch und auch ich eine gute Spielzeit gehabt haben – ganz egal, wie lange wir uns dafür Zeit genommen haben. Beweisfotos zu dieser Civolution-Partie kann ich Euch leider keine liefern, dazu war ich zu sehr in die Spielpartie vertieft und das spricht schon mal für Civolution.


