Wir erleben selbst und erzählen unseren Mitspielern Geschichten. Auf diesem uns unbekannten Planeten gibt es eine Menge zu entdecken. Dabei verbindet uns die gemeinsame Mission und der Wille, eine tolle Zeit zu erleben. Dem standen allerdings ein paar Hindernisse im Weg, die meine Perspektive auf die Spieleneuheit von Stonemaier Games verschoben hat. Frust-Hürden, die Ihr in Eure Mehrspieler-Erstpartie vermeiden könnt.

Vantage soll laut dem Autor Jamey Stegmaier ein durchaus einfaches Spiel sein, das wenig Regelerklärung vorab braucht, um losspielen zu können. Das klang für mich in der Theorie gut, in der ausprobierten Praxis zeigten sich schnell Informationslücken, die das Spielgeschehen getrübt haben. Trübungen, die Ihr für Euch vermeiden könnt. Tappt deshalb nicht in die bequeme Falle, Euren Mitspieler vor Spielbeginn zu wenig erklären zu wollen. Vantage lebt neben dem Entdeckeraspekt vor allem vom Wohlfühlfaktor, gerne Spielzeit in dieser Welt verbringen zu wollen. Wenn diese Zeit allerdings droht, zu Frust zu werden, weil Eure Mitspieler spielmechanische Regellücken und damit eine völlig falsche Erwartungshaltung haben, dann solltet Ihr vorzeitig gegensteuern, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.

Vantage braucht seine Zeit. Die solltet Ihr Euch als Spielrunde auch nehmen wollen. Eine Einschätzung, wie lange so einer Mehrspielerpartie dauern wird, kann allzu schnell nach hinten losgehen und schlicht falsch sein. Im Grunde ist alles zwischen 45 Minuten und vier Stunden möglich. Denn in Vantage ist vieles dem Zufall überlassen. Zwar könnt Ihr durchaus aktiv gegen das vorzeitige Spielende steuern, wie zügig oder langwierig der Weg zur Erfüllung Eurer Mission sind, das kann Euch niemand vorab sagen.

Konkretes, wenn auch ausgedachtes Beispiel, um Euch nicht zu spoilern: Ihr habt die Mission ausgewürfelt, einen Gegenstand in Euren Besitz zu bringen, der mindestens 14 Geld wert ist. Da stellt sich natürlich direkt die Frage, wie viel 14 Geld überhaupt wert sind im Vergleich? Und genau diese Vergleichswerte habt Ihr noch gar nicht. Die müsst Ihr erst finden und dazu Wege, um an einen wertvolleren Gegenstand heranzukommen. Wo Ihr einen solchen Gegenstand finden könnt, das ist ebenso völlig offen. Finden, erbeuten, stehlen, produzieren – alles davon oder auch nichts könnte möglich sein. Und ganz am Anfang steht die Frage, wie Ihr mit Eurer Suche überhaupt anfangen sollt.

Vantage bietet Euch viele Wege, um von Eurer Absturzstelle (kein Spoiler, was das passiert immer direkt im ersten Spielzug) die Spielwelt zu erkunden. Da Ihr allerdings regeltechnisch nur maximal eine einzige Aktion an einem Ort machen könnt und dann weiterziehen müsst, könntet Ihr an potenziellen Gelegenheit vorbeilaufen, ohne die überhaupt als solche wahrzunehmen. Das würde Eure Spielzeit verlängern. Ebenso könntet Ihr in Euren ersten Aktionen eine fiktive Schatzkiste ausbuddeln, dort etwas von Wert finden und kurzer Zeit später einen Tauschhandel eingehen, der Euch die Mission vorzeitig erfüllen lässt. Ob und was davon zutrifft, das kann Euch vorab niemand sagen und deshalb ist es auch unmöglich, eine ungefähre Spielzeit anzugeben. Ungeduldig sollte Ihr allerdings in Vantage nie werden, denn die Mission ist nur ein Weg, um Vantage erfolgreich zu beenden.

Auf Eurem Weg könnt Ihr auch dem Schicksal Eurer Spielrunde begegnen. Eine Art alternative Mission, die Euch vor ganz anderen Herausforderungen stellen kann und Euch eventuell ebenso in ganz andere Richtungen führt. Ihr könnt eine Spielpartie mit einer absolvierten Mission oder mit einem erfüllten Schicksal beenden, oder Euch das Ziel setzen, beides davon zu erreichen. Allerdings kann es auch gut und gerne passieren, dass Ihr meilenweit davon entfernt seit, irgendeinem Ziel auch nur näherzukommen. Das ist völlig ok und sollte Euch auch nicht frustrieren. In Vantage geht es nicht um die Optimierung, sondern oftmals muss es Euch ausreichen, dass Euer erlebter Weg das eigentliche Abenteuer ist, mit all den wundersamen Erlebnissen, die sich dabei auftun. Ihr solltet Reichtum finden? Stattdessen habt Ihr, erneut fiktiv von mir spontan erfunden, eine Galeere entdeckt, werdet zunächst zum begnadeten Hochsee-Angler, um dann geläutert mit intelligenten Seewesen um die Wette zu tauchen. Eventuell findet Ihr dabei Eure Erfüllung oder auch nicht.

Diese Bandbreite in den Möglichkeiten und der Spielzeit von Vantage solltet Ihr Euren Mitspielern vorab klarmachen. Manche Spielpartien verlaufen eher gradlinig, manche hingegen auf krummen Bahnen oder lassen Euch im Kreis laufen. Was zählt, ist das Erlebnis und was Ihr daraus macht. Deshalb ist eine entspannte Grundstimmung, in der Ihr Euch voll und ganz auf Vantage einlassen könnt und wollt, für mich die Grundvoraussetzung für eine gelungene Spielpartie. Ungeduld, Zeitnot und Hetze stehen dem nur im Weg und im Zweifel spielt lieber etwas anderes.

Im selben Atemzug solltet Ihr Euren Mitspielern vermitteln und das schon vor der ersten Spielpartie, was Vantage überhaupt für ein Spiel ist. Denn Vantage ist nicht für jeden Spielertyp geeignet. Wer stets die volle Kontrolle über alle Situationen haben muss und nur aus einer klar definierten Wissensposition agieren kann, der ist in meiner Einschätzung bei Vantage falsch. Wer ein kalkulierbares Eurogame mit Siegpunkten sucht, wird mit Vantage auch nicht seine Erfüllung finden. Ganz im Gegenteil. Spielt lieber in einer kleineren als in der falschen Spielrunde, so deutlich muss ich das hier sagen. Ihr werdet ansonsten Euren Mitspielern und auch Euch keinen Gefallen erweisen. Vantage muss man spielen wollen, damit es allen Mitspielern Spaß machen kann. Ein Nöler oder Miesepeter oder durch die Storys hetzender Mitspieler kann Euch das komplette Spielerlebnis rauben. Genau deshalb ist die richtige Erwartungshaltung bei Vantage so wichtig und genau deshalb umschreibe ich hier so wortreich, was Euch bei Vantage erwarten wird, ohne Euch das Abenteuer zu nehmen.

Vantage hat allerdings auch einen spielmechanischen Kern und der sollte von Euren Mitspielern verstanden sein. Denn alle Entscheidungen in Vantage haben direkte Folgen und die sind seltenst korrigierbar. Wer da auf der regeltechnischen Ebene etwas nicht mitbekommen oder falsch verstanden hat und deshalb die Weichen seines Abenteuers in Richtungen stellt, die man so nie hätte gehen wollen, der kann frustriert werden. Und Frust des Einzelnen ist der größte Feind für eine entspannte Spielrunde, die Ihr kooperativ gemeinsam erleben wollt.

Erklärt deshalb dringendst vorab, dass es wirklich nur eine einzige Aktion pro Ort gibt und selbst wenn Ihr später nochmals dorthin zurückkommt, egal wann und aus welcher Richtung, Ihr könnt dort keine weitere Aktion machen. Das kann bedeuten, dass die (erneut fiktiv von mir ausgedachte) Schatztruhe für ewig dort halb vergraben im Sand liegen bleibt. Ok, es könnte so sein, dass ein Mitspieler dort aufkreuzt und für Euch diese Truhe ausgräbt, sofern es sich bis dahin nicht thematisch widersprechen sollte. Da Ihr allerdings spielbedingt an ganz unterschiedlichen Orten des Planeten abstürzt, ist dieses Szenario zwar möglich, aber extrem unwahrscheinlich. Ihr solltet nicht darauf setzen, sondern wirklich in dem Sinne agieren, dass ein Ort für Euch nur eine Aktion ermöglicht.

Im Zweifel könnt und solltet Ihr auch von der vom Autor Jamey Stegmaier aufgestellte universelle Grundregel für thematischen Spielspaß in der Welt von Vantage Gebrauch machen: Wenn Ihr jemals Zweifel an einer Regel, Karte, Fähigkeit oder irgendetwas anderem habet, wählt die für Euch unterhaltsamste Antwort, die thematisch Sinn ergibt. Für meine Spielpartien erweitere ich diese Regeln dahingehend, dass ich Missverständnisse so weit korrigiere, sofern die nicht die Story zerreißen oder bewusst ausgenutzt werden.

Denn bei Vantage geht es in meiner Wahrnehmung nicht darum, das Spielsystem auszutricksen oder zu besiegen. Das Spielsystem soll Euch hingegen maximalen Spielspaß ermöglichen und gibt Euch an gewissen Punkten durchaus gewisse Freiheiten. Wie weit Ihr diese ausreizt, liegt allerdings in Eurer eigenen Verantwortung und Entscheidung. Wenn ein Mitspieler das erste Mal etwas völlig falsch verstanden hat und damit absolut unglücklich ist, dann korrigiert die Situation so weit wie möglich. Das sollte dann allerdings auch eine Warnung sein, in Zukunft etwas bedachter zu agieren.

Verdeutlicht, wie wichtig die jeweilige Orts-Illustration ist, die Ihr und nur Ihr alleine vor Euch seht. Da sind oftmals etliche Details sichtbar, die Euch konkrete Rückschlüsse auf Eure aktuelle Situation geben und wie einfach oder schwierig die Aktionen und Wege sein könnten. Auch wenn da durchaus eine gewisse Unschärfe in der Deutung der Aktionen gegeben ist, die sechs verschiedenen Aktionsmöglichkeiten sind stets ihren Oberbegriffen von Move (in blau) bis Overpower (in rot) zugeordnet und beziehen sich meist auf die Beschreibungen im Kartentext oder auf das zentrale Element der Orts-Illustration.

Genau deshalb solltet Ihr Euch auch die nötige Zeit nehmen und Euren Mitspielern auch diese Zeit gewähren, um Entscheidungen zu treffen, die sich gut anfühlen und die Ihr gerne machen wollt. Das erfordert allerdings das nötige Sprachverständnis, um Verben in ihrer Bedeutung wirklich erfasst zu haben und nicht nur zu erahnen, was sich dahinter verbergen könnte. Die Aktion „mend“ solltet Ihr als heilen, flicken oder reparieren verstehen und nicht wie ich mit bend oder mind verwechseln und Euch dann wundern, was für ein merkwürdiges Ergebnis daraus folgt. Ein Ergebnis, das Euch die anderen Optionen an diesem Ort verbaut. Und schon lauert erneut die Frustfalle, die wir doch alle vermeiden wollen.

Wenn Ihr meinen kleinen Vantage-Sprachtest (folgt dem Link) nicht bestehen solltet, dann empfehle ich Euch, lieber auf die deutschsprachige Version von Feuerland zu warten, die für Mitte 2026 angekündigt ist. Oder erlebt Vantage als Solospiel, bei dem Ihr für Euch ganz alleine entscheiden könnt, wie viel Zeit Ihr in die nötige Übersetzungsarbeit investiert.

Aber und das ist mir persönlich ebenso wichtig zu betonen, Vantage ist weiterhin nur ein Spiel. Nicht mehr. Es soll Euch Spaß bringen. Wenn Ihr prima damit leben könnt, nicht alles ganz genau sprachlich verstehen zu müssen, dann spielt einfach so. Auch sollte Ihr nicht jede Eurer Entscheidungen auf die Goldwaage legen und zeitintensiv zu grübeln, was denn alles so schiefgehen könnte, während Ihr zum Showstopper Eurer Spielrunde werdet. Spontanität hilft und eine überraschende Story kann oftmals besser sein als eine zergrübelte, die so gar nicht vorankommen will und durch die Überlänge dann auch nicht mehr trägt und frustriert. Und hoppla, da ist es wieder, der Gemütszustand, denn wir doch alle in Vantage vermeiden wollen.

Um Euren Mitspielern den Spieleinstieg zu erleichtern, solltet Ihr der Startspieler sein. So könnt Ihr die vorab übersehenen Detailregeln in gespielter Praxis noch nachreichen, bevor Eure Mitspieler zum Zug kommen. Beachtet zudem, dass es zwei verschiedene blaue Storyhefte gibt. Einmal für die Move-Aktion auf der Ortskarte fernab der Bewegung und dann das Depart-Storyheft für Bewegungen von diesem Ort weg in zwar in eine Richtung, die mit einem Sternchen auf der Kompassrose angegeben ist. Hatte ich in meiner ersten Mehrspielerpartie verwechselt und für unnötige Verwirrung gesorgt.

Auch wenn Euch eine auf die Mitspieler verteilte Organisationslast selbst entlastet, schließlich seid Ihr ja schon Regelerklärer und Ansprechpartner für zu klärende Regeldetails, so übernehmt die Kartenverwaltung trotzdem selbst. Durch Eure Solopartien habt Ihr sowieso schon eine gewisse Routine, wie Ihr Karten schneller einsortiert und wiederfindet und Ihr gebt Euren Mitspielern zudem die Chance, sich voll aufs Spiel zu fokussieren, um die Storys erleben zu können.

Jeder sollte Google Lens auf seinem Smartphone bereit haben, um Karten- sowie Story-Texte direkt auf Textverständnis gegenchecken und übersetzen zu können. Inzwischen gibt es auch die webbasierte Vantage-App, mit der Ihr Euch das Herumreichen der Story-Hefte erspart und zudem jeder selbst seine Story-Abschnitte vorlesen kann, ohne sich selbst zu spoilern. Denn am Wichtigsten ist, dass Ihr den Fortgang Eurer Geschichte versteht und das könnte besser und reibungsloser klappen, wenn Ihr den Text direkt vor Euch seht anstatt den nur von einem Mitspieler in einer fremden Sprache und Aussprache vorgelesen zu bekommen. Die Vantage-App hat auch den Vorteil, dass alle Errata zeitnah eingearbeitet werden und Ihr so stets auf dem aktuellsten und fehlerfreien Stand seid.

Wenn Euch die erwürfelte Mission blöde oder für Eure Spielrunde unpassend vorkommt, dann scheut Euch nicht, nochmal neu zu würfeln und eine andere Mission zu nehmen. Das habe ich in meiner Mehrspieler-Erstpartie auch nicht beherzigt, weshalb wir uns in Folge mit einer Mission herumgeschlagen haben, die mit wir alle nicht so recht zufrieden waren, aber unsere komplette Partie überschattet hat.

Macht Euch Notizen oder zeichnet sogar eine kleine schematische Karte Eurer Wanderung. Das Regelwerk von Vantage ermutigt Euch sogar dazu. Denn besonders in einer Mehrspielerpartie folgt Ihr mehreren Geschichten, die Ihr zerstückelt erlebt. Da werden Orte beschrieben, Aktionen abgewogen, Begriffe übersetzt, Würfel verteilt und das alles kostet seine Zeit und oftmals gingen wichtige Details von Mitspielern unter, weil ich selbst noch zu sehr mit mir selbst beschäftigt war. Zudem bekam ich den Fortgang meiner Geschichte vorgelesen, ohne den Text selbst zu sehen, dabei bemüht, mir alle Details bis zu meinem nächsten Spielzug zu merken. Weil dazwischen sind ja die Mitspieler an der Reihe und denen möchte ich auch gerne zuhören. Nur was war da nochmal im Westen oder war es im Osten? Und kam der kalte Wind aus Norden oder zog der nach Norden? Als Kartenverwalter habt Ihr noch mehr zu tun, während das Geschehen schon längst weiterläuft. Kurze Notizen können Euch da enorm helfen, den Überblick zu bewahren.

Am Ende waren wir alle doch jeder für sich froh, dass unsere Vantage Spielpartie zu Ende war. Das war durchaus ein Erlebnis, aber eines, das uns zeitgleich klar unsere Auffassungs- und Sprachverständnis-Grenzen aufgezeigt hat, drei gestückelten Geschichten zu folgen und zu verstehen und nebenbei die Spielmechanik und die Karten und die Übersetzung zu managen. Über die Spielzeit von über drei Stunden war mir das phasenweise zu anstrengend und weit von einer erhofft-entspannten Spielpartie entfernt. Deshalb werde ich in Zukunft eher Solopartien bevorzugen, weil ich da selbst das Tempo bestimmen kann und mich zudem auf eine einzige und zwar auf meine Geschichte fokussieren kann. Für das spontane Mehrspieler-Erlebnis werde ich mir Vantage hingegen bis zur deutschsprachigen Version aufheben, weil damit die Sprachhürde schlicht nicht mehr vorhanden ist.

So ganz abschreiben werde ich Vantage in Mehrspieler-Partien nicht, denn zumindest ist mir jetzt klar, was ich optimieren kann und werde. Wenn eine Spielrunde mit ausreichend Englischkenntnissen wirklich Vantage vor der Veröffentlichung der Feuerland-Lokalisation kennenlernen möchte und ausreichend Zeit und Geduld für so eine Erstpartie mitbringt, dann werde ich sicherlich nicht Nein sagen. Auch aus eigener Neugier, wie viel besser so ein Mehrspieler-Erlebnis nun laufen kann und sollte.

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