Erlebt gemeinsam Euren eigenen Krimi. In Person eines Meisterdetektivs, der den Verdächtigen zielsicher ermitteln soll. Oder als Mordopfer, das mit seinen letzten Atemzügen noch eine ausgeklügelte wie kryptische Botschaft mit Hinweisen auf den Täter hinterlassen hat – mit dem eigenen Blut geschrieben. Und schon beginnt die Deduktion als Event-Spiel.
In der neuen Cinematrick-Spielereihe, von Oink Games veröffentlicht, ist so einiges anders. Beginnend mit der Spieleschachtel, denn die ist im Vergleich zu den typischen Spielen des Verlages fast dreimal so groß wie erwartet. Zudem ist das Spielprinzip von Dying Message durchaus bekannt, aber dennoch mit einigen Details angereichert, die eine Spielpartie zu einem Event mit vollem Körpereinsatz werden lassen. Und Ihr kauft mit Dying Message nicht nur ein Spiel, sondern gleich drei Varianten von kooperativ über kompetitiv ermittelt bis hin zum Wettstreit um die schnellste Todesbotschaft. Viel Spiel für den Verkaufspreis von rund 20 Euro.
Im spielerischen Kern ist Dying Message ein Deduktionsspiel, um über Hinweiskarten mitsamt kreativer Anordnung und Einbeziehung seiner selbst als Opfer, den Täter ermitteln zu lassen. Dazu stehen immer sechs zufällig gezogene Verdächtige zur Auswahl. Ein Würfel bestimmt geheim den Täter und 15 der 50 doppelseitigen Botschaftskarten bilden die Grundlage, um Hinweise auf den Täter zu geben. Das erledigt ein Mitspieler fernab der bis zu sieben weiteren Spieler, die am besten dazu den Raum und damit den Tatort verlassen sollten. Allerdings nicht für lange, denn das Spiel schlägt bei der Variante der kooperativen Ermittelungen einen Zeitrahmen von ein bis zwei Minuten vor, die ausreichen sollten, um den Tatort präparieren.
Der Opfer-Spieler legt dazu die Botschaftskarten so aus, um damit Hinweise zu arrangieren, die auf den einen Täter hinweisen. Dabei dürfen Kartenteile überdeckt werden und auch die Spieleschachtel als stumpfes Tatwerkzeug sowie der eigene Körper eingesetzt werden. Eine Filzmatte in Form einer Blutpfütze dient als Kopfunterlage, um die Szenerie perfekt zu machen. Wer mag, kann noch weitere Hinweise durch kreative Körperhaltung und Fingereinsatz geben. Klar ist hingegen, dass Ihr nicht direkt auf den Täter deuten dürft und Euch nur auf die Meta-Informationen der Täterkarte bezieht. Es geht um das gemeinsame Erlebnis, nicht darum, das Spielprinzip scheinbar clever auszuhebeln.
Mit einem finalen Todesschrei oder auch Stöhner ruft Ihr dann Eure zu Meisterdetektiven gewordenen Mitspieler zurück in den Raum, der nun zum Tatort geworden ist. Ihr selbst verharrt in Eurer Opfer-Position, solange bis jeder der Meisterdetektive die Gelegenheit hatte, Fotos vom Tatort zu machen. Richtig gelesen, die Spielanleitung ermuntert Euch dazu, den Ort der Tat per Smartphone zu fotografieren. Weil danach darf sich der Opfer-Spieler bewegen und den Tatort verlassen, weil spielmechanisch dessen Seele den Körper verlässt und es zudem arg unbequem wäre, allzu lange in der Opferrolle ausharren zu müssen. Aber auch hier können sich die versammelten Meisterdetektive nicht unendlich Zeit lassen, ihre Beweisfotos zu betrachten, die Profile der Tatverdächtigen zu lesen und Rückschlüsse aus den ausliegenden und zur Seite gelegten Botschaftskarten zu ziehen. (Die unbenutzten Karten hatten wir in unserer Erstpartie gar nicht beachtet, weil ich dieses Regeldetail übersehen hatte.)
Nach rund drei Minuten sollten sich die Meisterdetektive auf einen Tatverdächtigen einigen, gemeinsam darauf zeigen und laut „Sie war es“ ausrufen. Wurde der Täter überführt, zeigt der Opfer-Spieler das mit seiner Urteilskarte an – Frieden für die richtige Lösung und Groll für den falschen Verdächtigen. Im Anschluss schlüpft der nächste Spieler in die Opferrolle und Dying Message startet in die nächste Runde. War jeder mal das Opfer, so schließt die Spielpartie mit dem Epilog. Jeder verteilt einen 2-Punkte-Chip an den Mitspieler, dessen Todesbotschaft am besten war. Einen weiteren 1-Punkte-Chip für eine persönlich favorisierte Todesbotschaft, sodass Ihr am Ende den Punktebesten abfeiern könnt. Wir selbst haben diese Punktewertung weggelassen und uns am gemeinsamen Spielerlebnis für rund 20 Minuten erfreut.
Zu den zwei weiteren Spielvarianten kann ich nur theoretisierend berichten, denn die haben wir nicht mehr ausprobiert. In der kompetitiven Ermittlung läuft alles wie gewohnt, nur deduziert jeder Meisterdetektiv für sich alleine, sodass abschließend zeitgleich jeder auf einen Tatverdächtigen deutet. Lagen alle richtig oder falsch, so werden keine Punkte ausgeschüttet. Somit hat der Opfer-Spieler die zusätzliche Herausforderung, seine Todesbotschaft nicht zu eindeutig oder zu kryptisch zu gestalten. Ansonsten bekommt das Opfer einen Punkt für jeden Meisterdetektiv, der richtig lag. Und jeder Meisterdetektiv bekommt einen Punkt für jeden seiner Kollegen, der falsch ermittelt hat. Wer sich an Dixit erinnert, kennt das Prinzip der Punktemaximierung.
Der Wettstreit im vorzeitigen Ableben kann hingegen nur zu zweit oder dritt gespielt werden. Alle Mitspieler bekommen 15 Botschaftskarten und legen Hinweise zu einem der gemeinsamen sechs Verdächtigen aus. Wer der eigene Täter war, das bestimmt jeder selbst für sich. Und nur, wer als Erster meint, dass seine Todesbotschaft fertig ist, greift sich die Filzunterlage und inszeniert seinen Mord. Alle anderen Mitspieler werden zu Meisterdetektiven, machen Tatortfotos und versuchen gemeinsam, die Hinweise zu enträtseln und einigen sich auf einen Täter. Der Opfer-Spieler enthüllt den Täter und erklärt seine Todesbotschaft und das Spiel geht mit den anderen Spielern in eine weitere Tatphase. Ihr spielt so viele Runde Ihr wollt, schaut Euch anschließend die fotografierten Todesbotschaften an und wählt die Beste davon aus, um einen Spieler als Meisteropfer zu feiern.
Bis auf die kompetitive Ermittlung scheint die Punktewertung eher nebensächlich zu sein und bildet nur den Abschluss einer Partie, bei der Ihr Euch an das Erlebnis nochmal erinnert, Eure Fotos vergleicht und einen Sieger wählt, den es eigentlich gar nicht braucht. Dying Message will stattdessen in meiner Wahrnehmung und nach der Erfahrung von nur einer Spielpartie in entspannter 4er-Runde eher ein Event-Spiel sein. Ein kurzweiliges wie kreatives Erlebnis für zwischendurch, weil flott in rund 20 Minuten gespielt. Dabei hilft Euch eine Webseiten-App, die als Timer für das Opfer und die Detektive funktioniert.
Rein spielerisch erinnerte mich Dying Message an „Was’n das?“ von Ravensburger, weil wir aus vorhandenen Gegenständen einen Hinweis bauen. Ebenso an „Die unüblichen Verdächtigen“ vom Heidelberger Spieleverlag, weil wir Zielpersonen anhand von Beschreibungen auswählen oder ausschließen. Bei Dying Message können wir unsere Todesbotschaft anhand des Profilbildes des Täters gestalten oder uns an dem Namen oder auch an der Personenbeschreibung auf der Verdächtigenkarte orientieren. Soweit bekannt, aber doch neu kombiniert zu einem neuen Spielerlebnis.
Ich als Opfer-Spieler hatte meinen Täter ausgewürfelt, der in einem Café arbeitet. Aus meinen 15 Botschaftskarten konnte ich grob die Buchstaben C-A-F-E bilden. Für den kooperativen Spielmodus und als allererste Todesbotschaft fand ich das ok, ansonsten wäre das allerdings eher zu eindeutig und wenig kreativ gewesen. Wurde in Folge auch schnell und erfolgreich gelöst. Bei den weiteren Todesbotschaften lagen wir allerdings falsch, weil wir ein Stern als Sonne und ein Gesicht als Schneemann deuteten, was auf Jahreszeiten hinzuweisen schien. Falsch. An einem anderen Tatort meinte ich einen Fisch an der Angel erkannt zu haben, nur konnten wir die naheliegende Verbindung zu Wilma Fischer nicht herstellen. Stattdessen waren wir überzeugt, eine 112 dort zu sehen, was auf die Feuerwehr und einen anderen Verdächtigen deutete.
Was bleibt als mein Fazit? Ich bin mir noch uneins, was ich von Dying Message halten soll. In den gespielten Momenten hat mir die Spielpartie Spaß gemacht. Einmal in der Rolle des Opfers, mit den gegebenen beschränkten Möglichkeiten, eine interessante und kreative Todesbotschaft zu inszenieren. Und auch, weil es schon fast bühnenartig inszeniert wirkt. In der Rolle eines der Meisterdetektive war das Betreten des Tatortes zudem ein spannender Moment, weil überraschend, wie sich der Opfer-Spieler dort inszeniert hat mit seiner Todesbotschaft.
Ein neues Spielelement ist, dass wir den Tatort fotografieren sollen,. Allerdings sehe ich den eher an der Grenze zum Gimmick. Zeitweise waren unsere Fotos durchaus hilfreich, um nachzuschauen, ob wir nicht doch Details übersehen haben. Aber eigentlich konnten wir uns das auch so merken. Zumal Dying Message bewusst flott gespielt werden will im Minutentakt.
Redaktioneller Hinweis an dieser Stelle: Die hier verwendeten Fotos habe ich bewusst verfremdet, um die Persönlichkeitsrechte meiner Mitspieler zu schützen. Ob Eure Mitspieler in Euren Spielrunden möchten und zustimmen, in diversen Verrenkungen und eventuell aus teils unvorteilhaften Perspektiven fotografiert und auf Social Media & Co öffentlich geteilt zu werden, solltet Ihr dringend untereinander vorab besprechen.
Wie lange das Spielprinzip von Dying Message trägt oder sich irgendwann doch wiederholt, ist eine offene Frage für mich. Ebenso, wie sich die beiden anderen Varianten so spielen werden. Antworten werden sich ergeben, wenn ich das Spiel erneut und auch in anderen Spielrunden auf den Tisch bringen werde. Bis dahin spreche ich eine vorsichtige Kaufempfehlung aus, sofern Ihr auf solche Event-Spiele steht, die einen Brettspieltag auflockern können und Eure Mitspieler dazu ebenso bereit sind.



























