Selbsterkenntnis ist immer gut. Ein verkannter wie mordlustiger Kettensägen-Mann mit Teddybär am Gürtel ist eben eine Tätigkeit, die nicht jedem liegt. Zweimal habe ich mich in Folge in unterschiedlichen Spielrunden daran versucht und jedes Mal bin ich kläglich gescheitert. Was taugt ein Horrorspiel, bei dem die Überlebenden wirklich entkommen?

Terrorscape lebt vor allem von seiner packenden Atmosphäre, die durch das Szenario und dem Spielaufbau unterstützt wird. Vor mir thront ein mächtiger Sichtschirm in Form einer heruntergekommenen Villa und nimmt mir die Sicht auf das Geschehen, was sich auf der anderen Seite abspielt. Das soll es auch. Trotzdem fühle ich mich ein wenig einsam und verloren in meiner Rolle als mörderischer Schlächter, der eine einzige Aufgabe hat: Einen der so bezeichneten Überlebenden zu einem Nicht-Lebenden machen und dafür reichen schon zwei Verletzungen aus. Allerdings muss ich das auch erst einmal schaffen. Und nein, hier kommt leider kein Plot-Twist, ich habe nach einer etwas überlangen Spielzeit versagt.

Überlang deshalb, weil ich vorab großspurig angekündigt hatte, dass sich eine Partie Terrorscape inklusive Erklärung in einer Stunde spielen lässt. Ok, die Zeit für die Erklärung kam so ungefähr hin, auch weil ich diesmal nicht zu intensiv auf den Killer-Spielzug eingegangen bin. Die Details würden meine drei mir gegenübersitzenden Mitspieler schon früh genug erfahren, indem sie es selbst erleben. Da brauche ich nichts vorwegzunehmen. Wir sind hier ja nicht in einem Eurogame voller Optimierungsmöglichkeiten, sondern in einem waschechten Ami-Trash-Game mit eher seichten Spielmechanismen. Meine ersten beiden als Überlebender mitgespielten Partien gegen den Schlächter waren nach rund 15 und 40 Minuten vorbei und das mit einer eindeutigen und dann knappen Niederlage. Was also sollte da schon schiefgehen, wenn ich die Rolle des Schlächters übernehme?

Kurz gesagt: alles! In meiner ersten Schlächter-Partie konnten meine Mitspieler arg schnell ihre fünf Schlüssel einsammeln und dann auch erfolgreich entkommen. Ich selbst konnte zwar zwei Begegnungen erzwingen, die waren aber schlicht nicht erfolgreich, sodass die Überlebenden unverletzt blieben. Stattdessen stolperte ich recht unbeholfen durch die Villa, irrte von einem Raum zum nächsten Geräusch und nutzte viel zu wenig die Barrikaden. Denn die können die lieben Überlebenden aufhalten, festsetzen oder zumindest in ihren Bewegungsmöglichkeiten einschränken. Meine Kettensäge konnte auch keinen Schrecken verbreiten und irgendwann war ich nur noch alleine in der Villa, weil sich meine Gegenspieler im Eingangsbereich versammelt und zu Beginn ihres Spielzuges auch längst alle notwendigen Schlüssel gefunden hatten. Ich war hingegen auf dem Weg zum Hinterausgang, weil ich die dort vermutete.

Mit dieser Erfahrung im Rücken sollte es in meiner zweiten Schlächterpartie in anderer Spielrunde doch besser laufen. In der Theorie ja, in der gespielten Praxis nicht. Auch hier dauerte die Partie länger als von mir erwartet, weil ich mich erneut zu blöd angestellt hatte. Wer eine Barrikade errichtet, nur um danach zu merken, dass ich mir damit selbst den direkten Weg verbaut habe, ist schlicht ungeeignet für den Job. Als ich dann schließlich das Wohnzimmer mit dem defekten Funkgerät von allen Seiten verbarrikadiert hatte und schon längst auf der anderen Seite der Villa unterwegs war, gab es ein Geräusch im Wohnzimmer. Eine Ablenkung? Warum? Da dämmert es mir dann, dass die Überlebenden längst die Taschenlampe gefunden und sich durch den Geheimgang ihren Zugang zum Wohnzimmer verschafft hatten. Wenig später wurde dann die Polizei gerufen und da wurde mir klar, dass auch der Werkzeugkasten längst in Benutzung gewesen war.

Als die Überlebenden dann auch noch den letzten der fünf Schlüssel präsentierten, dämmerte mir, dass auch diese Partie nicht gut für mich ausgehen würde. Zwar konnte ich mehrere Begegnungen auslösen, aber nur zwei davon waren erfolgreich. Meine Opfer heilten sich aber schnell wieder und selbst mein finaler rasender Wutanfall, der mich durch diverse Barrieren brechen ließ, führte mich letztendlich nicht zum Sieg. So ging auch diese Spielpartie von Terrorscape zu Gunsten der Überlebenden aus.

Ich selbst werde derweil mal innehalten und reflektieren, wie ich zukünftig den Schlächter besser spielen könnte. Oder ich überlasse diese Rolle doch lieber einem meiner Mitspieler. Dass man in dieser Rolle auch einfach gewinnen kann, habe ich ja selbst erlebt. Nur eben nicht auf der Gewinnerseite. Alternativ bietet Terrorscape ansonsten noch zwei weitere Killer, die mir eventuell besser liegen könnten. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, einen Überlebenden nieder zu schnetzeln. Denn jede dieser Partien war ein Erlebnis für sich und absolut spielenswert, selbst wenn ich selbst nicht ganz so erfolgreich war. Gerne wieder und das spricht für Terorscape als empfehlenswertes Ami-Trash-Spiel.

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