Wie wäre es jetzt mit einem entspannten Kaffee? Nicht so eine trübe Brühe, sondern eine richtig gute Sorte im gediegenen Kaffeehaus. Bis es so weit kommen kann, müssen wir als Kaffeeproduzent aber erstmal ordentlich schuften lassen. Alles fängt mit dem Anbau an und endet in Siegpunkte. Effektivität ist dabei der Schlüssel zu unserem Sieg. Leider werden dabei Intensivdenker belohnt, die eine Spielpartie in die Länge ziehen können.
Wir haben hier ein kartengesteuertes Legespiel vor uns. So könnte ich den Spielmechanismus umschreiben und zeitgleich für ein falsches Bild in Euren Köpfen sorgen. Weil ausgelegt werden hier großformatige Planungskarten, aus denen wir überlappend unser Kaffee-Imperium in überschaubaren acht Spielrunden bauen wollen. Diese Planungskarten liegen direkt dreifach in der Mitte aus und zeigen einen wilden Mix aus Kaffeebohnenplantagen, Trocknen-Feldern, Rösten-Feldern, Schiffen, Aktionspunkte in Form einer Kaffeetasse und zu beliefernde Kaffeehäuser. Das alles präsentiert sich in dem Spiel der Autoren Rola & Costa sehr reduziert und abstrahiert. Schließlich soll uns bitte nichts davon ablenken, möglichst effektive Spielzüge vorauszuplanen.
Erstmalig 2020 von PYTHAGORAS aus Portugal veröffentlicht und ein Jahr später in einer deutsch-französischen Version in Kooperation von HUCH! und Sylex großflächig verfügbar seit dem. Inzwischen allerdings wieder vergessen, denn der kleine Boom der Kaffee-Produktionsspiele ist längst wieder vorbei. Ich konnte es spontan in einer teilweise zu entspannten Dreierrunde mitspielen und diese Wissenslücke für mich schließen.
Dabei ist Café erstaunlich flott gespielt und folgt den klassischen Kaffee-Produktionsschritten Anbauen, Trocknen, Rösten und Liefern. Zu Spielbeginn haben wir allerdings nur eine Aktion pro Spielrunde, können diese aber ausbauen, sofern wir mehr Kaffeetassen in unserer ganz eigenen Auslage anlegen. Und genau beginnt die eigentliche Herausforderung. Welche der drei Planungskarten und wie gedreht und wo überlappend soll ich die anlegen, um möglichst große und zusammenhängende Felder zu erschaffen. Denn solche Cluster lassen sich später mit einer Aktion abhandeln. Wer zu zerstreut angelegt hat, der braucht hingegen mehr Aktionspunkte und die sind stets zu wenig.
Unsere Punkte machen wir nur am Spielende und bis dahin wollen wir möglichst viele Kaffeehäuser in unserer Auslage beliefert haben und den Rest an Kaffee auf unserer Firmenkarte im Lager verstaut haben. Da kommt dann der Herr Dr. Knizia zu Besuch und wertet uns von unserer Kaffeesorten mit der geringsten Anzahl die doppelte und von der zweitgeringsten Sorte die einfache Punktzahl. Gedankt wird ihm durch den aus „Euphrat & Tigris“ entliehenen Wertungsmechanismus in der Anleitung nicht. Somit wollen wir möglichst gleichmäßig unser Lager füllen, um am Ende ordentlich Punkte fernab der Kaffeehäuser einfahren zu können.
Eigentlich ist Café ein angenehm gradliniges Spiel, lädt allerdings dazu ein, seine Aktionen vorab durchzuplanen und das alles, bevor ich mich überhaupt für eine der drei ausliegenden Planungskarten entschieden habe. Das kann je nach Mitspieler dauern und jemanden beim Denken zuzuschauen, während man selbst nur darauf hoffen kann, dass die bevorzugte Planungskarte liegen bleibt oder durch eine noch besser passende ersetzt wird, kann sich langatmig anfühlen. So leider erlebt. Wer allerdings zu spontan spielt, nimmt sich selbst die Chancen auf eine optimierte Spielweise. Und genau an diesem Punkt fällt das Erlebnis Café in sich zusammen. Ebenso erlebt.
Café spielt sich für mich viel zu solitär. Der einzige gemeinsame Berührungspunkt ist die Auslage der Planungskarten und was dort liegt, das bestimmt der Zufall und was dort liegen bleibt, das bestimmen die Mitspieler. Ansonsten puzzelt und optimiert jeder für sich. Um den Spielablauf zu beschleunigen, empfiehlt die Anleitung, die Aktionsphase zeitgleich zu spielen. Wer was macht und was sich dabei wundersames ergibt, bekommen wir so nicht wirklich mit. Wir haben in unserer Partie mit zwei Erstspielern deshalb lieber reihum gespielt und die Wartezeiten hingenommen, zumal wir dabei auch diverse Regelrückfragen gemeinsam klären konnten und mussten.
Für mehr Interaktion sorgt die Variante, dass der Startspieler einer Runde versteigert wird. Geboten wird mit den Bohnen aus dem eigenen Lagerhaus, womit man prima seine wertlose Überproduktion abbauen kann. Der Aktionsgewinner darf zuerst eine der Planungskarten wählen und in Sitzreihenfolge geht es weiter. Wer also rechts vom Aktionsgewinner sitzt, hat schlicht doppelt Pech und nur noch die Wahl aus den letzten beiden Planungskarten. Zumal alle Gebote direkt abgegeben werden. Wer also schon viele Bohnen hat und auch abgeben kann, hat die besten Chancen seinen Reichtum durch eine passgenaue Planungskarte weiter zu mehren.
Da nur einmal gespielt und die Variante nur für fortgeschrittene Spieler empfohlen wird, die den Wert einer Planungskarte einschätzen können, sind wir beim Grundspiel geblieben. Der Erklärer hat gewonnen und ich mir punktgleich mit dem weiteren Erstspieler den zweiten Platz geteilt. Insgeheim fühlte ich mich allerdings als zweiter Sieger, da ich für meine Punkteausbeute nur ein Drittel der Bedenkzeit benötigt hatte. In Zukunft doch lieber mit Mehrspieler-Schachuhr spielen oder eher in Runden, die ein vergleichbares Spieltempo oder Anspruch an die eigene Optimierungstiefe hegen? Die Antworten dazu hätte ich auf spielmechanischer Weise von Café erwartet. Da die ausblieben, ist Café zwar ein durchaus interessantes Solitär-Puzzle, aber hat wenig mit dem zu tun, was ich mir persönlich vom einem modernen Gesellschaftsspiel erhoffe. Bitte mehr Interaktion und Spannung durch die Mitspieler-Entscheidungen, bei denen Intensivdenker nicht auch noch belohnt werden, eine Spielpartie in die Länge zu ziehen.
Würde ich persönlich Café nochmal mitspielen? Nur in einer Spielrunde, die sich vorab darauf verständigt, die eigene Denkzeit im Rahmen zu halten. Für die angestrebte Spielzeit von 20 bis 45 Minuten ist es für mich ok. Im Zweifel lieber in einer kleineren Runde statt in Vollbesetzung. Als locker gespieltes Optimierspiel mit ganz viel Überraschungen bei der Kartenauslage. Das sind allerdings eine Menge an Rahmenbedingungen, die passen sollten, weshalb es wohl nicht mehr dazu kommen wird. Wer sich jetzt hingegen von Café angesprochen fühlt und die passende Spielrunde dafür im Blick hat oder auch kleinen Spielen ganz viel Zeit zusprechen mag, der sollte durchaus eine Proberunde wagen. Wirklich schlecht ist Café nicht, nur nicht meine Tasse Tee.












