Kann ein fast perfektes Spiel durch eine Erweiterung noch besser werden? Mehr Projektkarten, neue außerirdische Spezies, asymmetrische Organisationen mitsamt Schnellstart-Karten, Signalplättchen für effizienteres Scannen, Anpassungen für Zwei-Spieler-Partien und alles davon ist auch modular im Solo-Modus nutzbar. Ich wage eine erste Analyse, was uns erwarten wird.

Die Suche nach außerirdischem Leben geht weiter. HeidelBÄR Games und Czech Games Edition veröffentlichen zur SPIEL 2025 in Essen die erste SETI-Erweiterung unter dem Titel „SETI: Raumfahrtorganisationen„. Aktuell könnt Ihr Euch Euer Exemplar auf den Verlagsseiten für 29,95 Euro vorbestellen – wer mag auch direkt zur Abholung auf der Messe. Im Fachhandel wird die Erweiterung ab 25 Euro angeboten und soll angeblich schon Anfang bis Mitte Oktober lieferbar sein, was allerdings vor der SPIEL wäre. Deshalb betrachtet solche optimistischen Termine eher mit Vorsicht und lasst Euch mit überzogenen Versprechen nicht vorzeitig ködern.

Die Erweiterung ist kein Selbstzweck, sondern soll SETI sinnvoll erweitern. Autor Tomáš Holek meinte dazu in seinem Entwickler-Tagebuch auf Boardgamegeek, das leider nur einen einzigen Eintrag lang ist, dass der Fokus der Entwicklung neben mehr Vielfalt im Spielablauf besonders die asymmetrischen Organisationen waren. Spielt Ihr mit diesen neuen Organisationen, so wird SETI auf vier Runden verkürzt. Die allererste Runde wird durch die Vorgaben, der von Euch gewählten Organisation sowie von zwei Schnellstart-Karten ersetzt. Danach geht es direkt mit Runde 2 von 5 weiter.

Zu Spielbeginn habt Ihr dabei die Wahl aus zwei zufällig gezogenen Organisationen, zwei von drei Schnellstart-Karten und dazu Eure Kartenhand von vier Projektkarten. Während das Grundspiel direkt startet, müsst Ihr mit der Erweiterung erst einmal schauen, was Ihr davon behalten und sinnvoll kombinieren könnt. Das braucht Bedenkzeit und deshalb wird SETI mit Erweiterung auch kein kürzeres Spiel ermöglichen. Die offizielle Spielzeit pro Mitspieler ist weiterhin mit 40 Minuten angegeben, was ich für sehr optimistisch halte aus meiner eigenen Spielerfahrung. Denn meine Spielpartien in Vollbesetzung haben eher 240 statt 160 Minuten gedauert und wurden oftmals in der fünften Runde etwas schleppend, wenn einzelne Spieler auf maximale Siegpunkte optimieren wollten.

Wer sich also ein kürzeres und vor allem schnelleres Spiel erhofft hat, der könnte mit der SETI Erweiterung nicht wirklich glücklich werden. Stattdessen wird die eher langsamere Eröffnungsrunde überspringen und wir tauchen direkt in die Action ein. Oftmals hatte ich in meiner ersten Runde einen Orbiter um einen Planeten positioniert. Alternativ zweimal die nahen Sterne gescannt. Aber immer über sechs Bekanntheit eine neue Technologie erforscht und mindestens einmal mein Einkommen gesteigert. Oder eben das, was mir meine Handkarten sonst noch so ermöglichten. Größere Pläne waren da kaum möglich, denn die Startressourcen sind arg begrenzt.

Mit den 11 asymmetrischen Organisationen soll das nun alles anders werden. Zwar werden die mir meine Spielrichtung ein wenig vorgeben, aber immerhin habe ich die Auswahl und das in zusätzlicher Kombination mit den Schnellstart-Karten. Der neue Spielstart in SETI wird demnach vielfältiger werden. Beispiel gefällig: Mit der Organisation „Deep Sky Survey“ starte ich mit 3 Bekanntheit, 1 Datensatz, 3 Credits und 2 Energie ins Spiel. Dazu steigere ich mein Einkommen zweifach, muss mich also von 2 meiner 4 Projektkarten trennen, die ich zu Beginn auf der Hand habe. Allerdings bekomme ich im Gegenzug ja auch deren Belohnung in Form von einem Credit, Energie oder eine neue Handkarte. Zudem habe ich den dauerhaften Vorteil, dass die Aktion Datenanalyse keine Energie für mich kostet und ich darf als freie Aktion einmal pro Runde eine meiner Handkarten mit der offenen Auslage tauschen.

Das ist allerdings noch nicht alles. Zwei von drei Schnellstart-Karten wollen noch abgehandelt werden. Die sind zweigeteilt und lassen mich in deren oberen Kartenhälfte Spielobjekte wie Orbiter, Signale oder auch Spuren auf dem Spielbrett markieren, ohne dass ich deren direkten Bonus bekomme. Der untere Kartenteil gewährt mit stattdessen den dort aufgedruckten Vorteil, der laut Anleitung auch meist thematisch passen soll. Also wenn ich zum Beispiel einen Orbiter um den Neptun einsetze, bekomme ich direkt eine Einkommenssteigerung und einen Datensatz. Wird Euch spätestens jetzt klar, warum sich die Spielzeit mit der Erweiterung kaum verkürzen lässt? Die Kombinationsmöglichkeiten aus Organisationen, Schnellstart-Karten und Projektkarten bieten durchaus enormes Optimierungs- und damit Grübelpotential.

Ein Terraforming Mars Prelude ist das hier nicht und will es auch nicht sein, auch wenn man den Vergleich vorschnell ziehen könnte. Um die Einstiegshürde der Organisationen allerdings etwas abzumildern, schlägt die Anleitung die Variante vor, die vier einfacheren Organisation direkt zu verteilen und auch nur 2 statt 3 Schnellstart-Karten. So fällt die komplette Auswahl weg und Eure Spielpartie kann direkt beginnen. Ihr müsst dann allerdings damit leben und spielen, was Ihr bekommen habt.

Bleiben wir aber noch bei unserer Beispiel-Organisation „Deep Sky Survey“, denn die bringt uns mit ihrem aufgedruckten verbesserten Einkommen, das wir erstmalig zu Beginn der dritten Runde ausgezahlt bekommen, ein neues Spielelement: die Signalplättchen. Ein Plättchen, das wir als Einkommen oder auch über Projektkarten oder Spezies-Karten erhalten. Führen wir eine Scan-Aktion aus, dann können wir optional so ein Signalplättchen abwerfen, um damit eine zusätzliche Karte aus der offenen Kartenauslage abwerfen, um im dazu passenden Sektor ein Signal zu platzieren. Da die Kartenauslage erst nach der Scan-Aktion aufgefüllt wird, könnten wir somit bis zu zwei Signalplättchen in einer einzigen Scan-Aktion einsetzen und so zwei weitere Signale setzen und zwei weitere Datensätze erhalten und einfacher Mehrheiten erhalten oder brechen.

Die vermisste Effizienz des Scannens wird damit erhöht. Weil oftmals fehlte mir in meinen Spielpartien die Möglichkeit, noch ein weiteres Signal setzen zu können. Stattdessen habe ich dann auf die Scan-Aktion verzichtet, weil ich keine extremen Vorlagen geben, sondern lieber selbst einen Sektor abschließen wollte. Dieses kleine zusätzliche Spielelement könnte das Scannen enorm aufwerten, sofern man an diese Signalplättchen kommt. Davon liegen nur 10 der Erweiterung bei, auch wenn deren Vorrat unbegrenzt sein soll. Das deutet allerdings schon an, dass die Signalplättchen eher selten und damit besonders sind, sodass man in einer 4er-Partie davon kaum mehr als zwei zeitgleich im eigenen Besitz haben wird.

Und sonst? Da wären noch 42 neue Projektkarten, die mit ins Kartendeck gemischt werden und so die Vielfalt der Kartenaktionen erhöhen. Ob ich nach mehr als zwei Handvoll SETI-Spielpartien wirklich schon alle vorhandenen 138 Projektkarten des Grundspiels auf der Hand gehabt habe, kann ich gar nicht sagen. Wenn man nicht speziell auf neue Karten bei der Einkommenssteigerung spielt, habe ich den Kartendurchsatz eher als gering empfunden. Allerdings habe ich auch schon Spielpartien erlebt, bei der wir den Ablagestapel der Projektkarten neu mischen mussten.

Für das Solo-Spiel gibt es vier neue Rivalen-Aktionskarten und drei neue Plättchen mit langfristigen Zielen. Die neuen Spielelemente lassen sich auch alle damit nutzen, sodass es ein ideales Training für Mehrspieler-Partien sein könnte. Da ich allerdings das Grundspiel noch nie in diesem Modus gespielt habe, kann ich wenig bis gar nichts dazu sagen und schon gar nicht vorausschauend werten.

Wer bisher bevorzugt zu zweit SETI gespielt und sich dabei beklagt hat, dass das Scannen der nahen Sterne arg mühsam und für Aktionen benötigt und deshalb je nach Spielweise viel zu wenig Sektoren gewertet werden, der kann mit der Erweiterung aufatmen. Optional könnt Ihr zu Spielbeginn vier weitere Schnellstart-Karten ziehen und danach Orbiter, Signale und Spuren mit einer neutralen Spielerfarbe belegen. Sollte zudem diese Spielerfarbe bei der Sektorenwertung den zweiten Platz belegen, so verbleibt ein Marker dort, bevor Ihr mit neuen Datensätzen die leeren Plätze auffüllt.

Mit diesen kleinen Anpassungen ist auf dem Spielbrett auch mit niedriger Mitspielerzahl mehr los. Eine Anpassung, die dem Spielgeschehen nur guttun kann, weil durch die zufällig blockierten Positionen manche bisherigen Standard-Startzüge nicht mehr möglich sind und so mehr Varianz ins Spiel kommt, selbst wenn Ihr komplett ohne Organisationen und damit über die bekannten 5 Runden spielt.

Bleiben schließlich noch die drei neuen außerirdische Spezies. Jede soll ihre eigenen einzigartigen Eigenschaften mitbringen. Wie schon beim Grundspiel halte ich es so, dass ich mich da nicht selbst spoilern werden und diese Spezies erst in meinen Spielpartien entdecken und durchlesen werde. Die drei Namen ARKHOS, GLYPHIDS und AMOEBA sagen für sich gesehen zum Glück noch recht wenig, bringen aber wieder eigene Kartensätze und auch diverses andere Spielmaterial laut der vorliegenden englischsprachigen Anleitung mit.

Ich bin gespannt und wünsche mir gerne etwas fordernde und ebenso aggressiver auftretende Arten der Begegnung. Da sich SETI aber weiterhin auf wissenschaftlichen Grundlagen stützt, werden wir Horror-Massaker wie im Film Alien wohl eher nicht erwarten können. Mal sehen, was die SETI-Zukunft noch so alles bringt. Die Raumfahrtorganisationen sind für mich eh ein Pflichtkauf, und zwar direkt auf der SPIEL 2025 im Oktober.

Kleine Bonusinfo für alle Kartenhüllen-Freunde: Haltet schon mal 108 Sleeves für die Erweiterung bereit. Hoffentlich von einer Herstellermarke, die Ihr auch für Euer Grundspiel verwendet habt. Ich selbst bin weiterhin ein Fan der Arcane Tinmen Hüllen in matt mit 60 Mikron, weil die eine eigene Kartenbox zur Aufbewahrung mitbringen, nicht spiegeln und den Nachziehkartenstapel nicht so sehr aufblähen. Leider wurde die Produktion eingestellt und Restposten davon sind selten und teuer geworden. Im Zweifel reicht Euch davon aber auch ein einziges 50er-Päckchen im Farbcode grau Standard, weil nur die 42 neuen Projektkarten mit den vorhandenen Karten zusammengemischt werden.

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