Über acht Jahre hat Autor Jamey Stegmaier an seinem Meisterstück gewerkelt, um uns ein Brettspiel zu präsentieren, das für mich den bisherigen Höhepunkt eines Genres darstellt. Kommt mit auf meine letzte Reise und erlebt, was ich gesehen habe – wenn Ihr wollt auch völlig spoilerfrei.

Willkommen zurück in der Welt von Vantage. Eine Welt ohne Namen. Zumindest hat mir den in meinen bisherigen Spielpartien noch niemand verraten. Dabei habe ich schon eine Menge verschiedenartiger Bewohner getroffen, die es mir eventuell hätten sagen können. Stattdessen stolpere ich in der Spiellänge von ungefähr einer Kurzgeschichte durch diese Welt, auf die ich mich mit meiner Rettungskapsel geflüchtet habe. Dabei erlebe ich die unterschiedlichsten Abenteuer, allerdings immer nur in kurzen Ausschnitten, denn die Welt von Vantage kann überraschend und arg tödlich sein.

Dieses Mal möchte ich Euch gerne erzählen, wie sich eine einzelne Vantage-Session so anfühlt, was die Besonderheiten dabei sind und was mir weiterhin gut gefällt, aber auch mich auch ebenso stört. Keine Panik, in dieser Sektion werde ich keine Handlungsstränge spoilern und auch nichts verraten, was Ihr nicht ebenso in Euren ersten eigenen vier Spielminuten erfahrt. Wer dann tiefer in mein letztes Abenteuer eintauchen mag, der öffnet den Spoiler-Bereich und kann dort detailliert und bebildert erfahren, wie es mir ergangen ist. Aber selbst damit habt Ihr nur einen geringsten Bruchteil von Vantage gesehen, denn mit seinen 800 Schauplätzen und 900 Objekten in Kartenform bietet Vantage noch so viel mehr.

Meine letzte Vantage-Solopartie liegt nun eine Stunde zurück. Ich war so knapp zwei Stunden unterwegs und versuche gerade mich an alles zu erinnern, was ich so erlebt habe. Schwierig, weil wie zwei Stunden fühlte sich diese Session absolut nicht an. Zeitlos wäre die bessere Umschreibung, weil ich völlig in diese fantastische Welt ein- und abtauchen konnte.

Ich hatte mir diesmal vorgenommen, wirklich nur das zu machen, was für mich eine gute Spielerfahrung versprechen sollte. Deshalb habe ich mir auch die Freiheit genommen, meinen Charakter selbst auszuwählen und auch bei der ausgewürfelten Mission sowie bei der konkreten Absturzstelle Dopplungen zu vermeiden. Ganz im Sinne der universellen Grundregel für thematischen Spielspaß in der Welt von Vantage, die Autor Jamey Stegmaier aufgestellt hat. Deshalb wählte ich „Ira, the Medic“, einen Spezialisten, wenn es um die grüne Gruppe der Help-Aktionen ging. Die von mir zuerst gezogene Mission legte ich hingegen wieder ab, weil die hatte ich schon mal gespielt. Stattdessen wollte ich mich gerne auf etwas Neuartiges fokussieren und somit starte ich auf meinem Weg der Selbstoptimierung. Hätte ich mal vorher gewusst, wohin der mich führen würde.

Die ausgewürfelte Absturzstelle schien mich zu verfolgen, denn die hatte ich schon einmal in einer frühen Solopartie und ebenso bei einem Mitspieler in meiner bisher einzigen Mehrpersonen-Session gesehen. Also einfach neu gewürfelt und unbekannte Turbulenzen brachten mich an einen völlig neuen Ort. Eine Gegend, die in direkter Sichtweite eine Verlockung versprach, während die dazugehörige Bedrohung schon erkennbar war. Abgestürzt in einer Welt voller Entscheidungen, auf einem riesigen Abenteuerspielplatz der Möglichkeiten.

Bevor ich mich allerdings um meine Umgebung kümmerte, ging es erst einmal um mich selbst. In meinen bisherigen Partien hatte ich die Aktionsmöglichkeiten meiner Charakterkarte stets ignoriert. Diesmal nicht. Und so rüstete ich mich nach einer zu meinen Fähigkeiten passenden Aktion mit einem hilfreichen Gegenstand aus. Selbsthilfe sozusagen, schließlich war ich ja alleine hier, sofern ich nicht allzu weit in die Ferne blickte. Selbsthilfe ist auch toll, wenn man überleben möchte. Weil nur wer überlebt, kann auch was erleben. Binsenweisheit, aber in der Welt von Vantage der spielmechanische Kern. Sinkt einer unser drei Statuswerte auf null, weil wir in Würfelproben die Symbole nicht unterbringen können, kann so eine Spielpartie arg schnell vorbei sein. Besonders wenn man wie ich alleine unterwegs ist. Da können einem zwei unterschätze 6er-Würfelproben mal eben alle Moral rauben und bevor sich überhaupt eine Geschichte entwickeln kann, ist es schon wieder vorbei.

Alles schon erlebt und genau deshalb wollte ich es diesmal besser machen. Zwar nehmen wir von Spielpartie zu Spielpartie keinerlei Gegenstände mit oder schalten Session übergreifende Erfolge frei, sondern haben nur unsere eigene Spielerfahrung, von der wir zukünftig profitieren können. Nein, gelben Schnee sollte man halt nicht essen. Und ebenso nein, übergroße Kreaturen sollte man eventuell nicht einfach so streicheln wollen, wenn die in meinem fiktiven Beispiel nur aus Zähnen bestehen. Neben angesammelten Wissen rund um die Spielwelt von Vantage hilft es auch, zügig möglichst viele Gegenstände in seinem acht Slots großem Inventarraster zu sammeln. Dort können wir diese Probenwürfel ablegen, ohne dass diese uns schaden.

Also machte ich mich daran, solche Gegenstände zu finden. Die Spielwelt ist dabei unser Freund und die Schauplatzkarte unser Hilfsmittel. Denn etwas mithilfe von allerlei Tätigkeitswörtern zu bekommen, das uns bei dem Versuch nicht gleich umbringt, ist ein Schlüssel zum Erfolg. Dabei kann ich Euch nur empfehlen, mal ganz genau hinzuschauen, was Euch da aus Eurer Perspektive gezeigt wird. Es geht um Details und auch die Bildbeschreibungen helfen Euch einzuschätzen, wie schwierig und komplex eine Handlung sein könnte. Klar, eine gewisse Unsicherheit spielt da immer mit, weshalb Ihr auch Risiken eingehen müsst, um voranzukommen. Wer allerdings blindlings in sein Verderben rennt, hat meist das Offensichtliche übersehen oder schlicht zu hektisch gespielt.

Ja, Vantage lebt davon, dass Ihr Euch die nötige Zeit lässt, um eine Situation zu beurteilen. Genau deshalb spiele ich es auch bevorzugt im Solo-Modus. Weil ich dann ganz alleine für mich entscheiden kann, wie zügig oder entspannt ich eine Situation ausspielen möchte. In einer Mehrpersonen-Partie solltet Ihr hingegen Euren eigenen Gruppenrhythmus finden. Ansonsten könnte es anstrengend werden und wer will das schon? Mitspieler, die ich als eher ungeduldige Hektiker kenne, die mich durch Vantage hetzen würden, da winke ich dankend ab und bringe stattdessen lieber ein anderes Spiel auf den Tisch. Bei Vantage ist eben der Weg das eigentliche Ziel, denn allzu oft werdet Ihr Euer Ziel gar nicht in Reichweite sehen. Wer sich dann nicht auch an den Details am Wegesrand erfreuen kann, könnte schlicht die falsche Zielgruppe für diese Art von kooperativem Abenteuerspiel sein.

Weshalb ich abschweife und wegdrifte von meinen konkreten Spielerlebnissen? Weil ich immer mehr merke, dass ich Euch nur sehr allgemein und verklausuliert und damit entfernt über meine Vantage-Erfahrungen berichten kann, wenn ich nicht konkret werde und Details direkt anspreche. Bisher habe ich nur grob über meine ersten rund vier Minuten nach dem Spieleinstieg berichtet. Wer gerne mehr wissen möchte, der betritt ab hier den Spoiler-Bereich. Dazu einfach auf den Pfeil in der nächsten Zeile klicken und dort weiterlesen.


Nach zwei Stunden war meine Vantage Partie mit „Ira, the Medic“ vorbei. Ich habe erstaunlich viel erlebt und die ganzen Details könnt Ihr im Spoiler-Bereich über diesen Absatz nachlesen. Dabei habe ich in Summe gar nicht so viele Orte besucht und weder meine Mission erfolgreich abschließen, noch mein im Spielverlauf entdecktes Schicksal erfüllen können. Meinem Missionsziel war ich zwar schon gut nähergekommen, allerdings haben mir meine zügig sinkenden Statuswerte einen vorzeitigen Strich durch die Rechnung gemacht. Meinem Schicksal bin ich hingegen bewusst ausgewichen.

Vantage lässt Euch enorme Freiheiten, was Ihr machen wollt und was auch nicht. Ich werde bald wiederkommen, denn diese Welt zieht mich immer wieder neu in ihren Bann voller Abenteuer und überraschenden Erlebnissen. Eben genau das, was ich mir von einem Open-World-Abenteuerspielplatz erhoffe und deshalb weiterhin meine absolute Empfehlung – wegen der gegebenen Sprachhürde spätestens dann mit der lokalisierten Version von Feuerland Spiele.

Nur, und das ist derweil mein einziger Wermutstropfen an Vantage, sind mir die Abenteuer-Episoden fast schon zu kurz. Aber auch dafür hält das Spiel eine Option für Euch bereit, sofern Ihr diese nutzen wollt. Allerdings war das Erlebte so intensiv, dass es in diesen kleinen Häppchen genossen, dann doch weitaus entspannter bleibt. Vantage hat eben fast schon zu viel zu erzählen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert