Ein unabhängiger Schweizer Verlag macht sich auf, um die Brettspielwelt zu erobern. Wikinger sind dabei ideale Wegbereiter und auch erfolgreiche, denn Ihr kleines Kartenspiel wurde mit dem Jurypreis „As d’Or 2025“ in Kategorie Familien-Spiel des Jahres ausgezeichnet. Für mich ein Geheimtipp in der Tradition von Scout und Krass Kariert.
Nicht nur Oink Games kann Spiele in kleinen Schachteln produzieren. Das Kartenspiel Odin des Schweizer Verlages Helvetiq scheint unscheinbar, fällt aber spätestens aus dem bekannten Raster, wenn Ihr die Spieleschachtel das erste Mal öffnet. Karten in diesem verschlankten Hochkantformat sind mir persönlich bisher noch nicht untergekommen – 45 x 90 Millimeter und damit doppelt so hoch wie breit. Kartenhüllenfreunde werden dabei erschaudern, gibt es doch nur ganz wenige Hersteller, die dieses Ausnahmeformat bedienen. Aber muss man ein rund 10 Euro preiswertes Kartenspiel überhaupt in Kartenhüllen packen, die ein Drittel des eigentlichen Spiels kosten?
In bisher zwei unterschiedlichen Spielrunden konnte ich Odin bisher mitspielen und jedes Mal hat es mir gefallen. So gut, dass ich überlege, es mir selbst zuzulegen. Auch wenn Scout und Krass Kariert mir aus dem Brettspielschrank zurufen, keine weitere Konkurrenz zu brauchen. Mal sehen. Denn was die Autoren Gary Kim, Hope S. Hwang und Yohan Goh da für 2 bis 6 Spieler erdacht haben, braucht keinen Vergleich zu scheuen.
Übersichtliche 54 Karten gibt es. Sechs Farben mit den Kartenwerten von 1 bis 9 und damit ist jede Farb-Ziffer-Kombination genau einmal vertreten. Gut für alle zu wissen, die Karten mitzählen und sich merken können. Ich gehöre nicht dazu und zocke solche Spiele gerne ganz entspannt. Mit neun zufällig verteilten Karten starten wir und versuchen, so schnell wie eben möglich, unsere Kartenhand loszuwerden. Soweit so klar und einfach.
Bin ich am Zug, darf ich nur genauso so viele Karten oder eine mehr wie mein Vorgänger ausspielen. Dabei müssen alle meine Karten dieselbe Farbe oder Zahl aufweisen und zusätzlich als Zahl gelesen höher sein. Und genau da liegt der Kniff von Odin. Wir bauen uns unseren Kartenwert aus Kartenziffern zusammen. So ergibt eine 3-1-7 in rot den Wert 731 und übertrifft damit eine ausliegende 729 – knapp, aber ausreichend genug.
So schön und so gut, nur muss ich dann eine der Vorgängerkarten auf meine Hand nehmen. Das kann ich geschickt ausnutzen, um höhere Kartenkombinationen bilden zu können, oder es will alles nicht so recht zusammenpassen und ich habe nun noch eine unpassende Karte mehr auf der Hand. Genau deshalb kann ich auch taktisch passen und mal so sehen, was die lieben Mitspieler derweil machen. Eventuell hat sich die Kartenauslage ja verbessert, bis ich wieder zum Zug komme. Oder der Kartenwert ist so weit angewachsen, dass ich weiterhin passen muss, ob ich will oder nicht. Oder alle anderen haben ebenso gepasst und die Auslage eines Mitspielers ist durchgekommen. Da liegt der Spannungsbogen.
Kann ich allerdings meine Hand leer spielen, so entfällt das Nachziehen. Ansonsten würde Odin auch kein Ende nehmen. Eine kleine, aber entscheidende Regel, die Ihr nicht übersehen solltet. Die Restkarten der Mitspieler zählen dann für die als persönliche Minuspunkte. Wir spielen auf 15 oder 20 Minuspunkte und wer dann die wenigstens davon vorweisen kann, darf sich als neuer Wikinger-Fürst namens „Jarl“ ausrufen und hat sich seinen Platz in Valhalla gesichert.
Den letzten thematischen Teil habe ich mir selbst ausgedacht, dann das Kartenspiel des Schweizer Verlags Heletiq liefert uns nur wenig Hintergrundinformationen. Wir schicken halt unsere besten Wikinerinnen und Wikinger in den Kampf. Ein Thema, das laut Information aus der Anleitung perfekt zur Spielmechanik passt und zudem mit Blick auf eine Kultur fasziniert, die sich stark von der Schweizer Lebensweise unterscheidet. Ok, akzeptiert.
Hauptsache Odin macht Spaß und das hat es mir in meinen bisherigen Spielrunden. Schnell erklärt, flott gespielt und jederzeit überraschend, was man so aus seiner Kartenhand basteln kann. Deshalb meine Empfehlung als kleines Mitbringspiel. Es muss nicht immer Oink Games oder Amigo sein, gebt Helvetiq auch mal eine Chance. Immerhin ist Odin mit dem bedeutendsten Brettspielpreis aus Frankreich ausgezeichnet worden. Das spricht für sich und Odin.







