Rot steht für Begriffe, die sich an erwachsene Mitspieler richten. Die kann man vorab aussortieren oder lässt die wie wir einfach drin. Schließlich sind wir alle alt genug, um nicht in Scham zu versinken, wenn wir Verhütungsmittel erraten sollen und denken bei Eichel sicher alle zuerst an die Nussfrucht der Eiche, was auch sonst?
Wer den Vorgänger Krazy Wordz von Ravensburger kennt, der kann eigentlich bei Krazy Pix direkt loslegen. Das Grundprinzip ist gleich, allerdings bilden wir hier keine Kunstwörter nach Buchstabenvorgaben, sondern nutzen runde Symbolmarker, um daraus einen Begriff für unsere Mitspieler erratbar zu machen. Ohne Auswahlmöglichkeit wäre das arg schwierig, denn unsere Kunstwerke sind eher abstrakt bis minimalistisch gehalten. Denn wir haben nur drei plus sechs weitere dieser Pappplättchen zur Verfügung und die zeigen diverse Striche, Kreise, Kreuzlinien und manchmal auch einen Fisch, eine Tatze oder einen Pünktchennebel.
Was wir davon in unserem Besitz bekommen, das ist purer Zufall. Ebenso, welche Begriffskarte wir ziehen. Aus diesem doppelten Zufall versuchen wir unser Bestes herauszuholen, denn wir wollen, dass unsere Mitspieler unsere Collage erkennen und uns unseren richtigen Begriff per Zahlenkarte zuordnen. Die Zuordnung passiert verdeckt, die Begriffsauswahl ist allerdings offen und ein weiterer Begriff vom Nachziehstapel soll verwirren und passt manchmal sogar besser als die eigentliche Vorlage.
So geht das über sechs Spielrunden, während wir bei passenden Übereinstimmungen Punkte bekommen, ebenso wie unsere Mitspieler. Wer am Ende die meisten Punkte hat, der hat gewonnen. Hurra! Aber darum geht es eigentlich gar nicht. Auch hier ist der Weg das eigentliche Ziel. Gemeinsamen Spielspaß sollen wir haben und genau den hatten wir in unserer entspannten 6er-Runde zu fortgeschrittener Stunde. Dass unsere Endpunktzahlen alle arg nahe beieinander lagen? Geschenkt und egal zugleich.
Dabei gefällt mir Krazy Pix weitaus besser als Krazy Words, denn das fühlte sich für mich oftmals zu bemüht an, ein Kunstwort zu finden, dass nahe an einem assoziierten Original lag, aber ausreichend davon entfernt, um nicht eine zu fantasielose Abwandlung zu sein. Wirklich gute Worte waren in meinen Runden eher selten und Wiederholungen üblich. Ein Wort mit oxy im Namen ist halt irgend so ein Medikament oder so, weil hat ja was mit Chemie zu tun. Und irgendwas mit aki muss Griechisch sein, was sonst? Solche Stereotypen spielen bei Krazy Pix hingegen keinerlei Rolle.
Stattdessen gilt es, ein besonderes Merkmal unseres Begriffes bildlich darzustellen, sodass dieser auch erkannt wird. Manchmal fühlte ich mich dabei besonders raffiniert, nur um dann festzustellen, dass meine Plättchen-Collage doch zu unverständlich war, selbst wenn die für mich allzu offensichtlich ihren Begriff mir lautstark entgegenschrie. Leider nur mir und das war zu wenig. Zwischen Titanic und Wasserfall lag bei uns nur das Auge des Betrachters und das war unterschiedlich und deshalb in der Auflösung umso überraschender. Zwei Wasserwellen links und rechts und in der Mitte plätschert was danieder – klar ein Wasserfall, was sonst. War allerdings dann doch der versinkende Ozeandampfer – blubb, blubb und weg.
Genau diese Situationen machen für mich Krazy Pix witzig und spielenswert. Und genau deshalb ist es für mich eine späte Entdeckung und Empfehlung zugleich. Das Autorengespann Thomas Odenhoven, Dirk Baumann, Matthias Schmitt hat, initiiert von Hauptautorin Sophia Wagner, im Jahr 2020 beim Ravensburger Verlag ein ganz besonderes Spiel veröffentlicht und das vier Jahre nach dem Vorgänger Krazy Wordz. Damals noch ohne Sophia Wagner, die im selben Jahr mit einem von der Spiel des Jahres Jury geförderten Praktikumsplatz bei Ravensburger in ihrem Schaffen unterstützt wurde.
Im Handel ist Krazy Pix im Gegensatz zu Krazy Words leider nicht mehr verfügbar und auch nicht mehr beim Verlag gelistet. Bei Eurer Suche nach dem Spiel solltet Ihr Euch deshalb auf dem Gebrauchtmarkt fokussieren oder auf eine Neuauflage hoffen – einfach mal bei Ravensburger anfragen, kann sicher nicht schaden. Wohl dem, der sich damals ein Restexemplar für 12 Euro gesichert und schon damals die Qualität und das Potenzial von Krazy Pix erkannt hat. Ich selbst musste auf ein Leihexemplar aus dem Fundus des Hippodice Spieleclub e.V. in Bochum zurückgreifen. Selbst besitzen und somit stets spielbereit zu haben, wäre hingegen nochmals schöner.










