Ein super-mega-spaßiges und ebenso spektakuläres Spiel für 1 bis 6 Personen. Wir sollen clever kombinieren und damit punkten. Drei Kreuze führen uns zum Glück. Was sich Autor Phil Walker-Harding ausgedacht hat, ist ein schnelles Flip & Write Spiel voller Superlativen, sofern wir der Anleitung glauben wollen. Ich habe es hingegen als eher entspannt-seichte Beschäftigung für Wenigspieler erlebt.

Auch wenn Bingo mit keinem Wort von Ravensburger erwähnt wird, so drängt sich der Vergleich auf. Warum auch nicht. Unzählige Senioren können sich nicht irren. Irgendwas muss an diesem Spielphänomen dran sein, dass es seit Jahrzehnten vor allem die ältere Altersklasse begeistert. Oder steht doch die Geselligkeit und die Gewinne im Mittelpunkt und das eigentliche Spiel ist eher nur Mittel zum Zweck? Mir persönlich fehlen dazu aktuell noch die Praxiserfahrungen. Ich kenne Bingo nur aus diversen TV-Serien. Was ich aber weiß, dass zu einem echten Bingo-Nachmittag diese superdicken Markierstifte gehören – einmal gestempelt und die Zahl ist deutlich markiert.

Ravensburger hat diese Ausstattungschance leider verpasst und präsentiert Euch herkömmliche Folienstifte. Dazu noch die billige Sorte ohne Wischfunktion, sodass wir das Spielmaterial mit Taschentuch & Co selbst ergänzen müssen. Auch ist die Super Mega Lucky Box auf sechs Mitspieler begrenzt, denn nur genau so viele Wertungstafeln und Stifte liegen bei. Wer mit 7 bis 12 Personen spielen will, der soll einfach zwei Spiele kombinieren. Folgt für die Details dazu einfach dem Tipp aus der Anleitung, dann geht dabei nichts schief.

Vor uns liegen drei von vorab fünf so bezeichnete Lucky-Box-Karten aus. Wir selbst haben die Anzahl reduziert und das ist unsere erste taktische Entscheidung. Auf den Lucky-Box-Karten erspähen wir ein 3×3 Raster mit Zahlen von 1 bis 9, allerdings in zufälliger Verteilung – manche Zahlen sind doppelt, während andere gänzlich fehlen. Auch die Bonusfelder am Rand einer Zeile und Spalte sind unterschiedlich und zeigen entweder eine Bonuszahl, ein verlockendes Fragezeichen, einen Stern, Mond oder auch Blitz.

Das eröffnet Möglichkeiten und noch mehr taktische Spielweise, denn immer, wenn wir eine Zeile oder Spalte vollständig gefüllt haben, rufen wir (optional und nur wer mag) „Super Mega Lucky Box“ und dürfen uns den Bonus einstreichen. Mit Bonuszahlen streichen wir weitere Zahlen ab, während uns das Fragezeichen völlig freie Wahl lässt. Ein Stern gibt Bonuspunkte für die Endabrechnung, ebenso wie Monde, die wir im Wettstreit mit den Mitspielern sammeln. Blitze hingegen lassen uns die gezogene Zahlenkarte abändern.

Und damit sind wir schon beim Spielablauf angekommen. In vier aufeinander folgenden Runden ziehen wir jeweils neun Zahlenkarten. Da wir einen gemischten Vorrat aus den Zahlen 1 bis 9 haben, die jeweils dreifach vorkommen können, ist die Spannung groß, welche Zahl nun gezogen wird. Das ist der Flip-Aspekt des Spielprinzips und völlig dem Zufall überlassen, ob jemals unsere erhoffte und gewünschte Zahl kommt. Nach dem Flip folgt der Write-Aspekt, in dem wir genau diese Zahl auf einer unserer Rasterkarten ankreuzen. Wohl dem, der noch Blitze im Besitz hat, denn der kann pro eingesetzten Blitz die gezogene Zahl erhöhen oder verringern. Und schon fühlen wir uns wie bei den Burgen von Burgund oder Civolution. Super Mega Lucky Box ist der Wegbereiter dorthin.

Der Rest sind Details, die uns die vierseitige Anleitung in diversen Sprachen mitsamt Varianten näherbringt. Und nach rund 20 Minuten Spielzeit ist eine Partie Super Mega Lucky Box auch schon wieder vorbei. Ein Spiel vom Autor von Phil Walker-Harding aus dem Spielejahr 2022, das mit seiner 70er-Jahre-Aufmachung aus der Zeit gefallen wirkt. Gewollt flippig und bieder zugleich. Spielerisch durchaus entspannt spaßig, weil angenehm seicht.

Ein ideales Kaffee-und-Kuchen-Spiel, bei dem es mehr um die Geselligkeit geht. Wobei wir so richtig nicht zusammenspielen, nur dabei zusammensitzen und am Ende unsere Punkte vergleichen. Interaktion gibt es nur, wenn es in der Endwertung Straf- oder Bonuspunkte für die wenigsten oder meisten Monde im Vergleich mit unseren Mitspielern gibt. Ansonsten ist Super Mega Lucky Box ein eher solitäres Vergnügen, das sich ebenso auch im Solo-Modus spielen lässt. Dafür gibt es eine veränderte Monde-Wertung und eine Punktetabelle mit einem aufmunternden flapsigen Spruch.

Super Mega Lucky Box war für meine erste mitgespielte Partie völlig ok. Die sich ergebenden Kettenzüge durch Bonuszahlen, die eventuell die Zugkette fortgesetzt hat, haben unseren Spielablauf teilweise etwas stocken lassen. Ideale Gelegenheit für eine weitere Gabel vom Kuchen oder für den Griff zur Kaffeetasse.

Die angepeilte Zielgruppe wird sich wohl nicht daran stören und genau da kommen wir zum Bewertungsproblem: Ich selbst bin wohl nicht die primäre Zielgruppe, da Super Mega Lucky Box nichts wirklich Neues macht, was ich nicht schon in anderen Flip & Write Spielen gesehen hätte. Trotzdem hatte die Spielpartie durchaus ihren Reiz für mich, da ich der nächsten Zahl lautstark entgegengefiebert habe. Genützt hat es trotzdem nichts und Kaffee und Kuchen hatte ich auch nicht.

Es ist bei mir dann auch bei nur einer Partie geblieben. Eine Revanche hatte keiner gefordert. Wenn Ihr hingegen vor allem in Wenigspielerkreisen unterwegs seid, könnte Super Mega Lucky Box weitaus mehr zünden. Deshalb nur eine eingeschränkte Empfehlung von mir, weil ich mir mehr erhofft hatte.

Ein Gedanke zu „Nenn mich nicht Bingo: Super Mega Lucky Box“
  1. Anregung aus Leserkreisen: Wer mehr Herausforderung sucht, aber im Genre Flip & Write und sogar beim selben Autor bleiben will, der sollte sich mal „Silver & Gold“ bei NSV anschauen.

    https://www.nsv.de/produkt/130014450-4012426880957-silver-gold/

    Wurde zeitlich vor Super Mega Lucky Box veröffentlicht und stellt Tetris-Formen in den Mittelpunkt, die man auf Inselkarten unterbringen soll, um diese lückenlos zu füllen und damit zu erfüllen.

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