Edelleute und Tagelöhner haben sich genauso wie Haudegen und Halunken versammelt, um dem Herold zu lauschen, was denn der König so alles zu verkünden hat. Ein wahres Spektakel soll es werden, wenn wir die Fähigsten und Aussichtsreichsten umwerben, sich zu unserem Charakter-Raster zu gesellen. Es geht um hoffnungsvolle Hofstaat-Kombinationen und um den Spielsieg in der Endwertung.
Der Name ist hier Programm. Wir versammeln in Castle Combo diverse Charaktere und versuchen dabei, punkteträchtige Kombinationen in unseren Hofstaat auszulegen. Während der Partie sammeln wir Gold und Schlüssel, während wir am Spielende vor allem Siegpunkte einfahren wollen. Ohne das nötige Gold in Form von Pappmarkern will aber niemand für uns arbeiten – kein Bürger und kein Adeliger.
Jeder verlangt seinen Lohn. Können wir das nicht aufbringen, bauen wir hingegen mit der Kartenrückseite und bekommen den Erlös von 6 Gold und 2 Schlüssel als Entschädigung. Aber eben keine bis kaum Aussicht auf Siegpunkte, es sei denn, dass wir eine weitere Karte einbauen, die uns Punkte für Kartenrückseiten gibt. Genau das ist der Combo-Anteil an Castle Combo – geschicktes Kombinieren und dabei dem Zufall der Kartenauslage trotzen und sich daran erfreuen, wie das alles wunderbar im eigenen 3×3-Raster zusammenpasst.
Auf der Empfehlungsliste 2025 zum Spiel des Jahres gelandet und von der Jury als „witziges und schnell gelerntes Optimierungsspiel“ gelobt. Vollste Zustimmung. Erdacht vom Autorenduo Grégory Grard und Mathieu Roussel, wobei Illustrator Stéphane Escapa für die besondere Optik und damit auch den Charme des kleinen Kartenspiels gesorgt hat. Die Charaktere aus Schloss und Dorf sind herzallerliebst und verbergen zeitgleich augenzwinkernde Details. Na klar will die Herzogin ganz oben residieren, um von dort dem niedrigen Volk mit einem süffisanten Lächeln per Fingerbewegung zuzuwinken. So erzählt jede Karte seine eigene kleine Geschichte, sofern Ihr denn zuhören wollt.
Auf der taktischen Ebene geht es hingegen um emotionslose Kosten-Nutzen-Abwägung in Einbeziehung von Wahrscheinlichkeiten. Die Karte dort kostet mich 6 Gold, vergünstigt mir allerdings alle folgenden Adligen und bietet mir die Chance auf einen ordentlichen Punkte-Multiplikator, sofern Karten mit passenden Wappen nachkommen. Oder doch lieber die Karte dort für preiswerte 2 Gold, die mir sichere aufgedruckte Siegpunkte einbringt, aber auch ihren festen Platz im Kartenraster beansprucht, der mich einschränkt?
Entscheidungsfreude oder spontane Bauchentscheidungen treffen auf Optimierer, die alles durchrechnen wollen. In meiner entspannt gespielten 2er-Partie war das kein Problem. Die Spielpartien liefen trotzdem ausreichend zügig. In Vollbesetzung von fünf Spielern möchte ich Castle Combo dann doch nicht wieder mitspielen. Schlicht, weil der eigene aktive Spielanteil mir viel zu gering ist und ich dabei auch nicht vorplanen kann. Zu viel ändert sich, bis ich wieder zum eigenen Zug komme.
Eine Partie soll seine 25 Minuten dauern, was ich für schöngerechnet halte. In Vollbesetzung bliebe da weniger als eine halbe Minute pro Spielzug Zeit, von Karten sichten, über Karte auswählen und ausführen und Karte nachlegen. Kann man schaffen, sofern man selbst und alle am Tisch so spielen wollen. Habe ich in meiner erlebten Spielpraxis nur noch nicht gesehen. Deshalb lieber in kleinerer und besser auch flotter Runde, um die Spannungskurve nicht langatmig abflachen zu lassen.
Obwohl wir in unserer Zweierrunde völlig unterschiedlich und direkt zwei Partie nacheinander gespielt haben, waren wir im Endergebnis nur die Hälfte einer Handvoll Punkte auseinander. Mal lief es für den einen und mal für den anderen besser. Ob eine überlegene Taktik oder doch nur passenden Kartenglück zuständig war, überlasse ich derweil den Geschichtsschreibern. Es war wohl eine spielenswerte Mischung aus beiden Faktoren.
Durch das Nachziehglück und das Mitspielerchaos ist Castle Combo nicht völlig berechenbar. Taktisch geplante Züge erlaubt das Spiel aber allemal und die lohnen sich dann auch. So konnte ich mit einer einzigen Karte satte 21 Punkte einfahren, aber nur, weil ich konsequent darauf gespielt habe. Wenn so etwas klappt und tolle Kombinationen bildet, dann fühlt sich das gut an. Und wenn nicht, dann lockt eine Revanche, es besser zu machen. Deshalb meine Empfehlung für eher kleinere Runden, damit man selbst auch mehr vom Spiel hat.
Ausverkauft und nicht lieferbar ist Castle Combo zurzeit und wir sprechen hier von August 2025 in der deutschsprachigen Kosmos-Version. Es soll aber wieder im Laufe des Septembers zurück in den Handel kommen. Wer hingegen nicht warten mag, der greift zu ebenso empfehlenswerten Alternativen. Ich lege Euch da Faraway, Harmonies sowie Knarr ans Spielerherz. Auch dort bilden wir Kombinationen nach Vorgaben – mal auf die eine oder andere Spielart.










