Ich weiß noch nicht so recht, ob ich meine Erkenntnisse überhaupt in passende Worte fassen kann. Ohne missverstanden zu werden. Aber eventuell gehört das einfach dazu. Der Versuch selbst zählt schon, egal ob ich Euch da draußen erreiche, verstanden werde und Leser finden, die das hier für sich selbst ebenso abnicken können.

Ich könnte Euch jetzt davon erzählen, wie schnelllebig der Brettspielmarkt geworden ist. Wie überflutet von Neuheiten. Wie überwältigend sich das alles anfühlt, nur einen winzigen kleinen Teil davon über mitzubekommen und schon gar nicht zu wissen, ob das, was ich da mitbekomme, überhaupt der relevante Teil davon ist. Relevant für wen und was überhaupt? Das aber fühlte sich falsch an, weil negativ aufgeladen, durch eine Grundstimmung getrübt, die schlicht nicht guttut.

Stattdessen möchte ich Euch von den positiven Seiten unseres gemeinsamen Hobbys erzählen. Aus einer Perspektive, die den Vorteil sieht. Nicht für uns selbst nur, sondern für alle, die an diesem Prozess beteiligt sind. Als Mitspieler, als Teilhaber eines entspannten Spieleabends, als jemand, der am Spieltisch Emotionen zeigt, weil Brettspielen diese Emotionen weckt, wachruft oder sogar selbst erzeugt.

Was macht einen guten Spieleabend aus? Umgeben zu sein von netten Menschen, die einem guttun und für die man selbst guttut. Alleine durch die Anwesenheit, dadurch, dass wir gemeinsam ein Erlebnis teilen. Zusammen lachen, uns aufregen und Spannung sowie Nervenkitzel verspüren. Ein wirklich gutes Spiel kann für mich dabei auch die als etwas nervig empfundenen Mitspielerseiten ausblenden und ebenso meine eigenen nervigen Seiten überdecken. Bis zu einem gewissen Maße. Eine Grundsympathie am Spieltisch sollte schon vorhanden sein. Wenn ich hingegen mit jemanden nicht spielen möchte, merke ich das gewöhnlich recht schnell. Dann möchte ich selbst mit dem auch keine Freizeit verbringen, nicht am selben Tisch sitzen und schon gar keine Erfahrungen teilen. Deshalb sehe ich eine passende Spielrunde als so wichtig an.

Das Brettspiel dient dann oftmals nur als Ankerpunkt, um innerhalb fester Regeln sich gegenseitig Freiräume zu geben, die im „echten Leben“ undenkbar wären. Möglichkeiten ausleben, ohne die Konsequenzen fernab der gespielten Partie tragen zu müssen. Sei es als Massenmörder, der zufällige Besucher durch eine staubige Villa jagt. Sei es als Fraktions-Kommandeur, deren Truppen nur den Zweck haben, die zu Gegner gewordenen Mitspieler-Fraktionen zu vernichten, um abstrakte Siegpunkte zu sammeln und sich als Sieger ausrufen zu können. Oder als Teil einer Ermittler-Crew, die einen heruntergekommenen Jahrmarkt besucht und sich gegenseitig verständigen muss, ob und wer was sieht und erspäht hat, um das gemeinsame Puzzle zu lösen. Ebenso wie abstrakte Zahlenboxen abzustreichen und sich über den Dopamin-Ausstoß zu freuen, wenn wir einen Bonus gewinnen und dem BINGO so näherkommen. Wenn die Spielpartie zu Ende ist, verlassen wir diese kurzweilige Bühne wieder. Der Vorhang wird zugezogen und alles, was im Spiel passiert ist, das bleibt auch im Spiel.

Somit ist für mich jede Spieleschachtel auch eine Chance und Hoffnung zugleich, dass sich damit eine solche gute Zeit erzielen, erschaffen und realisieren lässt. Etwas, was sich erst noch ergeben muss und bisher nur in Pappmarkern, Karten und Würfeln als Möglichkeit existiert. Ob daraus ein gemeinsames Erlebnis wird, das werden dann die kommenden Minuten oder auch Stunden zeigen. Spiele als Wegbereiter, dieser Gedanke gefällt mir. Personen, Freunde und Bekannte, die sich für einen überschaubaren Zeitraum darauf geeinigt haben, miteinander Spielspaß zu erleben – und das auf den vielfältigsten Ausprägungsebenen. Ob als kleiner Schmunzler oder einem hemmungslosen Lachkrampf ausgedrückt, aus der Situation entstanden und deshalb auch kaum beliebig reproduzierbar. Ob als inneres Schulterklopfen empfunden oder überraschender Schachzug mit all seiner Brillianz, Weitsicht oder einfach nur dem Zufall geschuldet.

Genau diese Überraschungen innerhalb eines sicheren Raumes mag ich. Als Spieler kann uns nichts passieren, als Mitspieler stehen uns hingegen Welten der Möglichkeiten offen. Gebaut auf Grundlage des Regelwerks und innerhalb dieser Grenzen scheinbar grenzenlos. Alles scheint möglich. Allerdings nur möglich, wenn ein gutes Spiel auf die passende Spielrunde stößt und plötzlich einfach alles in diesen Momenten passt. Momente, in denen Zeit keine Rolle mehr spielt, sich sogar aufzulösen scheint, weil wir bestens unterhalten sind – von dem Spiel, unseren Mitspielern und unserer Rolle, die wir temporär spielen dürfen.

Ein Spiel ist für mich deshalb weitaus mehr als nur die Summe und das Zusammenspiel der Komponenten. Fast schon Magie, die sich entfaltet und wunderbar ungreifbar ist. Momente, die ich deshalb auch nicht mehr missen möchte. Am liebsten und besten in entspannten Runden erlebt und mit dem richtigen Spiel in unserer Mitte. Genau deshalb freue ich mich auch auf meine nächste Spielrunde – immer und immer wieder.

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