Diese entspannte Zweierpartie auf einem fremden Planeten, wird in die Geschichte meiner bisher längsten Erkundungssession eingehen. Wir konnten weit über 4 1/2 Stunden Nettospielzeit überleben und hatten sogar die Wahl, welches unserer Schicksale wir bevorzugt erfüllen wollten. Auch wenn unsere Mission noch arg weit außer Reichweite schien. Ein unvergessenes Erlebnis voller Überraschungen – spoilerfrei protokolliert.
Vantage ist und bleibt ein Ausnahmespiel. Eine Ausnahme der besonderen Art war auch die Spielzeit meiner letzten Session zu Zweit. Bisher hatten meine Partien immer so zwischen 30 Minuten und zwei Stunden gedauert, aber diesmal lief einfach vieles gut und kooperativ bestens zusammen. Wir konnten uns gegenseitig bei den Würfelproben mit Skill-Markern unterstützen und ebenso unbequeme Würfelresultate parken. Von dem vorzeitigen Spielende, weil einer unserer Statusmarker drohte auf null zu sinken, waren wir meilenweit entfernt und trotz teils harter Würfelproben konnten wir das alles erfolgreich wegstecken.
Ein Erfolgsrezept waren dabei die vielen Gegenstände und andere Helferlein, die wir in unserem Inventar angesammelt hatten. Zudem hatten wir unsere Charaktere verbessert, weil ansonsten hätten wir die Widrigkeiten von Vantage nicht so lange überlebt. Eine Spielpartie, die trotz ihrer Überlänge nie langweilig wurde. Es gab halt so viel zu sehen, zu erforschen und auszuprobieren. Nur unserer Missionserfüllung sollten wir einfach nicht näherkommen. Und das, obwohl wir uns schon fast alle Hilfestellungen auf dieser Karte geholt hatten. Zumindest weiß ich jetzt, dass eine Mission mit zwei gleichfarbigen Skill-Symbolen erwürfelt, wirklich herausfordernd und schwieriger ist als gewohnt. Das hat uns Vantage eindrucksvoll gezeigt.
Stattdessen konnten wir zwei verschiedene Schicksale fast zeitgleich erfüllen, haben uns dann aber für das Außergewöhnlichere der Beiden entschieden. Wenn ich Euch davon erzählen würde, Ihr würdet mit der Augenbraue zucken und es sowieso nicht glauben. Aber Vantage steckt voller Überraschungen, sodass ich selbst nach rund acht Partien in unterschiedlichen Mitspielerzahlen sagen kann, dass ich wohl gerade mal einen Bruchteil des Planeten gesehen habe.
In dieser Partie war mir bis auf zwei Begegnungen alles neu und endlich konnte ich deshalb mein Schweigen über den extremen Einfallsreichtum brechen, den hier Jamey Stegmaier an den Tag gelegt hat, weil ich dieses Erlebnis teilen konnte. Hat gut getan und auch unserer Partie. Weil wenn DAS in Vantage möglich ist, dann sehe ich keinerlei Grenzen, die nicht ebenso durchbrochen werden könnten. Genau das treibt meine Motivation in die Höhe, es so schnell wie möglich wieder aufm Tisch zu bringen und mich weiter faszinieren zu lassen, was Vantage sonst noch so alles bieten kann.
Weiterhin für mich ein Meilenstein der Brettspielgeschichte und ein ganz außergewöhnliches Spiel, das sich nicht so recht in typische Genre-Konventionen pressen lässt. Ein Open-World-Abenteuerspielplatz kommt dem Erlebnis wohl noch am nächsten. Ein Ort voller kleiner und großer Geschichten, die auf ihre Art einzigartig und ebenso fremd sind. Die Atmosphäre, auf einem fremden und deshalb unbekannten Planeten notgelandet zu sein, wird hier perfekt eingefangen. Wann bitte kommt der Kinofilm dazu? Weil die Bilder, die Vantage mir in den Kopf zaubert, erschaffen aus den Landschaftskarten, die ich aus meiner Perspektive sehe, den Kurzbeschreibungen der Orte und den vielfältigen Aktionsmöglichkeiten, die sind einfach erzählenswert.
Deshalb möchte ich Euch gerne von so vielen Details erzählen. Allerdings würde Euch das ein Stück der eigenen Entdeckerfaszination nehmen, weshalb ich Euch lieber die Vorfreude auf die lokalisierte Version von Feuerland Spiele im kommenden Jahr 2026 erhalten möchte. Und die Wartezeit auf die deutschsprachige Version von Vantage, die wohl unter dem Namen Exploria veröffentlicht wird, solltet Ihr in Kauf nehmen. Denn die aktuelle englische Version hat uns auch diesmal etliche ungewöhnliche Worte nachschlagen lassen. Wer für sich meint, das alles auf Anhieb und vollständig zu verstehen, der hat schon einen sehr speziellen Wortschatz aufgebaut.
Diesmal haben wir zudem erneut mit App-Unterstützung gespielt und das funktioniert bestens, weil erspart das umständliche Nachblättern in den farbig markierten Story-Heften und gibt jedem am Tisch die Möglichkeit, die aktuelle Storypassage selbst zeitgleich auf dem eigenen Smartphone mitzulesen. Das hat für uns den Spielablauf beschleunigt, sodass nicht das Handling mit den Story-Heften, sondern die Storys selbst im Mittelpunkt stehen konnten. Auch wenn der Autor weiterhin empfiehlt, Vantage erstmal ohne App zu spielen, kann ich dieser Empfehlungen nicht folgen.
Mit der webbasierten App, die Ihr auch installiert und damit offline nutzen könnt, spielt sich Vantage für mich wirklich rund. Zumal diverse Regeldetails direkt per App nachgeschlagen werden können und alle Errata ohne Zeitverzug eingepflegt sind. Schade nur, dass soviel Papier damit eigentlich unnötig wird. Ohne die 6 + 2 Story-Hefte könnte Vantage damit sogar preiswerter produziert werden und somit noch mehr Spieler erreichen können.
Aber das ist eine Kritik auf arg hohem Niveau, denn ansonsten empfinde ich wirklich alles an Vantage empfehlenswert und wüsste kaum, wie man es besser machen könnte. Was Jamey Stegmaier mit Vantage gelungen ist, verdient höchste Anerkennung. Und deshalb auch weiterhin meine absolute Kaufempfehlung für die Version Eurer Muttersprache. Denn die vielen und vielfältigen Storypassagen solltet Ihr schon flüssig und eindeutig verstehen können, um Vantage ohne Übersetzungspausen genießen zu können.
Redaktioneller Hinweis: Ein Klick auf die bewusst verschwommenen Bilder hier im Beitrag bringt Euch zunächst zu einer Spoilerwarnung und nach einem weiteren Klick zur Originalversion, so wie ich die letzte Spielesession erlebt habe – inklusive Orte, Objekte im Inventar, zugeteilter Mission und unsere Schicksalskarten. Durch diese Details werdet Ihr Euch in einigen Punkten spoilern, sodass die vollständige Überraschung nicht mehr gegeben ist. Deshalb Klick-Klick auf eigene Gefahr und Wunsch, Eure Neugier zu befriedigen.

















