Welche Spiele haben im vergangenen Monat die Tische besucht, zu denen ich mich als Mitspieler dazugesellt habe? Ein aktueller Rückblick mit meiner willkommenen Chance, manches davon mit Abstand auch ganz anders bewerten zu können. Die bekannten Eurogame-Brecher fehlten diesmal fast völlig und waren nur eine Ausnahmeerscheinung.
Insgesamt neun Spieletreffs haben mich im vergangenen Monat nach Iserlohn, Bochum, Duisburg, Kaarst, Hemer und Wetter geführt. Ganz unterschiedliche Gelegenheiten, mal wieder ganz entspannt diverse eigene Brettspiele auf den Tisch zu bringen oder mitzuspielen. Dabei reichte die Spannweite von einfachen Kartenspielen über kooperative Erlebnisse bis hin zu knallhart konfrontativen Kloppern. Nicht mitgezählt sind meine Solopartien in der offenen Spielwelt von Vantage, das sich inzwischen zu meiner persönlich beliebtesten Neuheit entwickelt hat und weiterhin ein zahlreicher Gast auf meinem Spieletisch ist. Zudem ein Monat ohne eine einzige Partie SETI und Civolution, die ich aber weiterhin noch ungebrochen spielenswert finde. Stattdessen habe ich einige alte Bekannte wiederentdeckt.

Super Mega Lucky Box: In launiger Partyrunde und dann nochmal in fokussierter Zweierrunde gespielt. Da steckt so viel Zufall drin, dass ich es fast als Glücksspiel einordnen möchte. Allerdings lässt mir das Spiel auch an den entscheidenden Stellen die Wahl und das fühlt sich spielenswert an. Zumal es beim nächsten Mal sicher nochmals besser laufen wird. Inzwischen habe ich es mir selbst gekauft, um diese Faszination dauerhaft erleben zu können.

Krazy Pix: Leider ausverkauft und neuwertig nicht mehr zu bekommen oder nur mit ganz viel Glück. Dabei ist das Spiel nur eine Variation von bekannten Zeichen- und Ratespielen, das mit der Zuordnung von Zeichnungen zu ausliegenden Begriffen spielt. Durch die Reduktion auf Collagen aus abstrakten Symbolen, anstatt dass man selbst frei malen könnte, wird aus einer alten Idee ein spielenswertes Erlebnis. Ich hoffe derweil auf eine Neuauflage von Ravensburger.

Agent Avenue: Erstmalig mit der beiliegenden Schwarzmarkt-Erweiterung gespielt und damit wird das Spiel nochmals besser. In der Basisversion nur ein einfaches I-split-you-choose Spielprinzip mit ganz viel Blufffaktor, bringen die Eckfelder des Spielplans in Verbindung mit ausliegenden Effektkarten eine ungeahnte Tiefe, um heimtückische Zwickmühlen stellen zu können. Neue taktische Möglichkeiten lassen für mich den Widerspielwert enorm steigern.

Point of View Spooky Festival: Das zweite von vier in sich abgeschlossenen Kapiteln auf dem heruntergekommenen Jahrmarkt habe ich mit einer anderen Spielrunde kooperativ erkundet. Die nervigen Abzählrätsel aus dem Vorgängerspiel werden zum Glück vermieden und es gibt auch mehr Story zu erleben. Allerdings neigt das Spiel weiterhin dazu, es zu zeitintensiv zu spielen, womit es dann über das volle Kapitel von 40 Karten zu auslaugend wird. Deshalb mehr Mut zum Übersehen.

Schätz mal!: Ein Quizspiel, bei dem uns in Buchform eine Folge von skurrilen Schätzfragen gestellt wird. Wer der Lösung am nächsten kommt, der bekommt einen Punkt. Die Antwort ist allerdings nicht in einem Antwortteil vorgegeben, sondern wird per ChatGPT oder vergleichbaren KI-Apps ermittelt. Frage eingesprochen und der KI-Antwort lauschen. Habe ich als netten Zeitvertreib erlebt und mir offenbart, dass mein Allgemein- wie auch Spezialwissen erhebliche Lücken hat.

Vantage: Inzwischen mehrmals mit mehreren Spielern auf den Tisch gebracht, aber wesentlich öfters solo gespielt. Trotzdem habe ich weiterhin nur einen Bruchteil der möglichen Welt entdeckt, sodass jede Spielsession ein wieder neues Abenteuer ist, das in Länge und Erlebnisfaktor stark variieren kann. Ein Spiel der Möglichkeiten, das uns scheinbar unendlich viel zu erzählen hat. So langsam meine ich, Muster entdeckt zu haben. Deshalb direkt rein in die nächste Spielpartie.

Wroth: Wenn ein Spiel nur eine Handlungsoption vorgibt, dann könnte man es eindimensional nennen. Stattdessen bezieht Wroth seine Faszination aus den asymmetrischen Fraktionen, die hier mit voller Wucht aufeinandertreffen und aufeinander einprügeln. Dabei scheint jede Fraktion nochmals stärker als die Eigene zu sein, was die eigentliche Herausforderung darstellt, damit umgehen zu können. Sehr interaktiv und nochmals mehr konfrontativ und genau deshalb gut.

Castle Combo: Neun Bewohner rufen wir zu uns ans Schloss, um in möglichst perfekter Kombination daraus Punktekapital zu schlagen. Der Zufall und die Mitspieler haben etwas dagegen, dass uns das perfekt gelingen wird. Dabei geben viele verschiedene Karten mit Sofort-Effekten und Bedingungen für die Endwertung ein Geflecht von Abhängigkeiten, das wir lösen wollen. Besonders in kleiner Runde flott und ohne Wartezeiten gespielt. Deshalb gerne wieder mitgespielt.

Odin: Inzwischen weiß ich, dass ich dieses kleine Kartenspiel eigentlich längst schon besitze. In Form von Schotten Totten braucht es nur das Odin-Regelwerk übergestülpt zu bekommen, um spielbereit zu sein. Trotzdem habe ich es mir für kleines Geld gekauft, denn Autorenleistungen sollten auch honoriert werden. Selbst wenn sich die Schöpfungshöhe auf zwei kleine Regelkniffe beschränkt. Die aber machen Odin besonders, sofern man das ungewöhnliche Kartenformat ignoriert.

Andromedas Edge: Nach etlicher Zeit zum zweiten Mal mitgespielt und erneut gewonnen. Dabei ist mir der Sieg durch meine Fraktionseinschaft geradezu zugeflogen und hat sich fast schon aufgedrängt, weil ich diese durch bewusst konfrontative Spielweise befeuert habe. Was bleibt, das ist ein interessanter Mix aus Eurogame mit heftig zufälligen Würfelschlachten, die dann doch nicht so viel Schanden anrichten, wie zunächst gedacht. Eher was für Aufbau- und Leisten-Fans.

Café: Ein für mich zu solitäres Spielvergnügen, bei dem wir gemeinsam am Tisch, aber jeder getrennt für sich, eine sich überdeckende Kartenlandschaft aus Anbaufeldern und Abnehmern auslegen. Viel Berührungspunkte haben wir dabei nicht, dazu umso mehr Optimierungsmöglichkeiten, die alle vorab durchdacht werden wollen und die Spielzeit zerdehnt. Da wir nacheinander am Zug sind, überwiegten leider die passiven Wartepausen. Trotz netter Idee, spielmechanisch eher ein Solospiel.

Voidfall: Ein durchrechenbares Eurogame im stylischen Science Fiction Gewand und toller Ausstattung, das eine ordentliche Tischpräsenz erzeugt. Im gespielten Dreier-Szenario waren wir vor allem mit uns selbst und der Voidfall-Bedrohung beschäftigt und zudem die ganzen Icons verstehen und in ein sinnvolles Spielgeschehen umzusetzen. Ganz klar ein Spiel, das es verdient, öfters auf den Tisch zu kommen, um die Einstiegshürde zu durchbrechen und zum spielerischen Kern vorzudringen.

Terrorscape: Noch so ein Spiel mit grandioser Tischpräsenz. Verströmt viel Slasher-Atmosphäre und auf der Gegenspieler-Seite kann es durchaus einsam werden, wenn auf der anderen Seite des wuchtigen Schichtschirms sich die Mitspieler ins Fäustchen lachen. Ein Spiel mit Potenzial, sofern ein Killer am Werk ist, der sein Handwerk versteht und nicht so wie ich, gleich in zwei Partien versagt hat. Bisher ist mein Wunsch nach Erweiterung gestillt, denn das Grundspiel bietet mir mehr als genug.
Gerne gespielt, aber weiterhin dann doch nicht auf den Tisch gebracht: Fate, Men-Nefer, Townsfolk Tussle