Reingeschaut und aus der Ferne verglichen. Frosted Games hat ihre deutschsprachige Version des asymmetrischen Chip Theory Games Area-Control-Kloppers vorgestellt. Die Anleitung sowie ein erstes Let’s-Play-Video ist online verfügbar. Ich wage mich an einen Vergleich und erzähle Euch, warum es sich durchaus lohnt, jetzt schon vorzubestellen.
Auf Boardgamegeek ist der Versuch von Chip Theory Games, mit preiswerteren Spielen den Massenmarkt zu erobern, eher kritisch beäugt worden. Auch wenn die Spielzeit gerade mal bei nur einer Stunde liegt und in diesem Zeitrahmen durchaus realistisch ist, so klappt es mit der Einsteigerfreundlich dann doch nicht so wie angedacht. Dabei ist Wroth kein kompliziertes Spiel, eher das Gegenteil. Nur schafft es die Anleitung in ihrer Version 1.0 leider nicht, die bewusst reduzierten Spielmechanismen ausreichend gut und verständlich zu vermitteln.
Dazu kommt eine doppelseitige Spielhilfe, die Informationen des kompetiven Grundspiels mit der kooperativen Variante mixt und uns dazu zwingt, für den Rundenablauf und die Aktionserklärungen ständig die Seite zu wechseln. Bei den Aktionswürfeln hat sich der Verlag zudem für eher uneindeutige Symbole entschieden und eine den Spieleinstieg erleichternde Fraktionsübersicht mussten Fans zum Selbstausdruck beisteuern.
So gesehen keine glücklichen Rahmenbedingungen für ein durchaus faszinierendes Spiel. Das wurde von den Käufern auch abgestraft und Wroth mit einer 7.6er-Wertung mit Tendenz zur 7 als nur mittelgutes Spiel einsortiert. Trotzdem halte ich Wroth für eine Empfehlung, sofern Ihr bereit seid, die Einstiegshürde mit viel Eigeninitiative und Detailklärungen durch die FAQ zu meistern, um Euren Mitspielern den konfrontativen Klopper vermitteln zu können. Für Frosted Games also die Chance, es mit ihrer Lokalisation weitaus besser zu machen. Die soll zwar erst Anfang 2026 veröffentlicht werden, die preisreduzierte Vorbestellung ist aber schon gestartet, während alle Druckdaten an Chip Theory Games übergeben worden sind. Somit konnte ich mir anhand der online verfügbaren Anleitung (folgt dem Link und dann weiter unter „Downloads“) und dem ersten offiziellen Let’s-Play-Video von Groll, wie Wroth in der deutschsprachigen Version heißen wird, einen ersten fernen Eindruck verschaffen.
Die englischsprachige Version von Chip Theory Games konnte ich schon mehrmals auf den Tisch bringen und das in unterschiedlichen Spielrunden. Darauf begründe ich meine vergleichende Einschätzung und was ich bisher von Groll gesehen habe, das sieht gut aus. Alle Texte auf den Spielmaterialien sind übersetzt und klingen für mich frei von Stirnrunzlern. Gefällt mir. Die Anleitung ist um vier Seiten angewachsen und um wichtige Details und Erläuterungen aus der FAQ ergänzt worden, die zudem durch ein optimiertes Layout mit farbigen Hervorhebungen und informativen Infoboxen weitaus lesbarer geworden ist. Eine eindeutige Verbesserung, die ich mir so direkt in der Originalversion gewünscht hätte.
Die Übersichtskarten orientieren sich leider am Original, sodass die strikte Trennung nach Spielmodi weiterhin nicht gegeben ist. Mein Tipp: Kopiert Euch die fürs kompetitive Spiel relevanten Seitenabschnitte zusammen auf eine Seite – ein einfaches Grafikprogramm und ein Farbdrucken sollten dafür ausreichen. Dann könnt Ihr auch direkt die fehlenden Aktionsbezeichnungen ergänzen, um zu wissen, wie denn die Würfelsymbole richtig benannt werden.
Fraktionsübersichten liegen auch hier nicht bei, sollen aber im Laufe der Vorbestellphase als Download zur Verfügung gestellt werden. Die solltet Ihr auch nutzen, um in Euren Partien die Besonderheiten der gegnerischen Fraktionen im Blick zu behalten. Denn ein großer Reiz des Spiels geht von den asymmetrischen Elite-Einheiten und Manövern aus, die Ihr für eine kontrollierte Spielpartie wissen solltet oder hier nachschauen könnt. Hätte ich mir persönlich als Ausstattungsmerkmal gewünscht, aber es wird seine Gründe haben, warum die lokalisierte Version dieses eigentlich unverzichtbare Extra nur als Download anbieten kann. Immerhin mehr als Chip Theory Games geleistet hat, denn von denen gibt es keine offizielle Fraktionsübersicht. Dazu müsst Ihr auf dem Fanservice auf BGG ausweichen. Für mich leider ein Anzeichen, dass CTG ihr eigenes Spiel und die Zielgruppe dafür nicht verstanden hat.
Bleibt die Frage, ob 69,95 Euro plus 6,90 Euro für innerdeutsche Versandkosten als Basisversion für Euch ausreichen oder Ihr Euch lieber das 120 Euro versandkostenfreie Gameplay-Bundle mit den beiden Fraktions-Erweiterungen Paldeyn und Venna gönnen wollt? Wer noch weitere 57,77 Euro bis zum 30. September drauflegen mag, bekommt mit dem Deluxe Bundle zusätzlich noch vergünstige Metall-Truppenmarker.
Da die Basisversion schon fünf verschiedene Fraktionen enthält und Ihr mit maximal vier davon in einer Partie spielen könnt, ist sowieso schon die Auswahl gegeben. Und da sich alle Fraktionen unterschiedlich spielen, wird es auch erstmal fünf Partien brauchen, bevor Ihr alle davon selbst einmal gespielt habt. Packt nochmal dieselbe Anzahl darauf, um die wirklich in ihren Möglichkeiten und Besonderheiten zu begreifen und Ihr seid schon bei zehn Spielpartien. Was macht es da schon für einen Unterschied, ob Ihr noch zwei weitere, Euch ebenso unbekannte Fraktionen, zur Auswahl habt? Diese Entscheidung könnt Ihr locker vertagen und erst einmal schauen, ob Euch Groll überhaupt zusagt.
Die Metall-Truppenmarker sind einfach nur die Nachbildungen der Plastik-Truppen, die dem Spiel sowieso schon beiliegen. Nur eben aus Metall und damit haptisch wuchtiger. Allerdings waren für mich die Plastik-Versionen vollkommen ausreichend, da ist keine umgefallen oder wurde weggeweht und auch von keinem meiner Mitspieler als zu leichtgewichtig empfunden. Spielerisch somit kein Vorteil, sondern ein reiner Luxus für alle, die sich diesen Luxus leisten wollen. Auf BGG gehen die Meinungen dazu auseinander. Durchweg wird das Gewicht gelobt, während die Farbgebung des eloxierten Metalls teilweise als zu blass im Direktvergleich beschrieben wird. Ein Farbunterschied auch zu den Elite-Einheiten in Form ihrer Plastikwürfel ist durchaus vorhanden. Mir persönlich waren die damals zu teuer und mit den Standard-Plastik-Truppen konnte ich bisher bestens spielen.
Viel schwerwiegender in der Entscheidung sehe ich hingegen, ob Ihr für Euch meint, mit der lokalisierten Version die Einstiegshürde für Euch niedriger und die Sprachbarriere für Eure Mitspielerrunde gar nicht erst entstehen zu lassen. Wer das alles nicht sieht, greift zur verfügbaren englischsprachigen Originalversion. Ansonsten empfehle ich Euch, auf die lokalisierte Version zu warten.
Das offizielle Let’s-Play-Video zeigt dazu für mich eindrucksvoll, was man bei einem eigentlich recht einfachen Spiel alles übersehen kann: Ein nicht genommener Corra-Kristall macht einen erheblichen Unterschied aus. Ebenso, wenn man seine Elite-Einheiten auf dem Schlachtfeld nicht wertet. Oder nicht beachtet, dass die Elite-Truppen unterschiedliche Einsetzbedigungen haben und nicht jede davon in der Einsatzzone starten muss. Auch muss man den Bonus-Angriff in der Beute-Phase nicht zwingend am oder vom Ort des Kontroll-Chips starten. Seine Corra-Kristalle darf man auch flexibel vor und nach seiner Aktion einsetzen und damit direkt neue Elite-Truppen aufs Feld bringen.
Alles kein Beinbruch, denn Groll wie auch Wroth ist ausreichend robust, um solche Unachtsamkeiten wegstecken zu können. Lasst Euch allerdings von der scheinbaren Einfachheit des Spiels nicht irritieren, es sind die Details, die es besonders machen und da ist es immer gut, wenn Ihr nicht durch eine fremde Sprache zusätzlich abgelenkt seid. Deshalb meine Empfehlung aus der Ferne für die Lokalisation von Frosted Games.






