Konfrontative Klopperei um Gebietsmehrheiten und Siegpunkte. So kompakt lässt sich Wroth von Chip Theory Games zusammenfassen. Die gespielte Wirklichkeit zeigt sich allerdings etwas komplexer. Zwar teilen wir alle dieselben Grundregeln, überbieten uns aber gegenseitig in übermächtigen Elite-Einheiten und Fraktions-Fähigkeiten. Da hilft nur, Ruhe zu bewahren.
Aktionismus ist in Wroth kein gutes Rezept. Zwar kann ich damit zwar spektakuläre Aktionen auffahren, nur wenn danach der direkt anvisierte Gegner genauso wie ich selbst vom Spielfeld geblasen bin, dann freuen sich nur die anderen Mitspieler. Deshalb gilt es stattdessen mit kühlem Verstand an die konfrontative Sache zu gehen. In vier Partien konnte ich aus der erlebten Erfahrung heraus, meinen letzten Schlagabtausch gewinnen. Zwar nur knapp im Tiebreak mit 31 Siegpunkten und mehr kontrollierten Gebiete, aber immerhin ein Sieg. Was also waren meine Erfolgsrezepte?
Wenn Zwei sich streiten, dann halte Dich raus: Wenn schon zwei Mitspieler um die Vorherrschaft in einem Gebiet streiten, dann macht es für mich keinen Sinn, da auch noch mitmischen zu wollen. Warum auch? Lassen wir die sich lieber dort austoben und gegenseitig Aktionen verbrauchen, bei denen wir selbst nicht das Angriffsziel sind. Wenn sich der Kriegsnebel gelegt hat, können wir immer noch überlegen, ob wir die geschwächten Rest-Truppen eliminieren wollen.
Manche Kämpfe lohnen nicht, bestritten zu werden: Der Draftmechanismus der Aktionswürfel macht es möglich und Wroth damit besonders. Ich sehe vorab, was meine Mitspieler in der aktuellen Spielrunde machen können. Wenn jemand Schaden über Kampfwürfel machen kann und ich in seinem wertvollsten Gebiet stehe, dann bin ich auch das bevorzugte Angriffsziel. Entweder weiß ich, dass ich diese Verluste hinnehmen kann und trotzdem die Mehrheit behalte oder ich agiere lieber anderswo.
Meide nachtragende Mitspieler: Wroth kann je nach Mitspielertyp sehr kurzfristig und durch Rachegelüste getrieben sein. Wenn ich angreife und dann merke, dass ich nun das Lieblingsziel Nummer 1 bin, obwohl andere Mitspieler-Aktionen weitaus mehr Siegpunkte gebracht hätten, dann suche ich mir lieber andere Gebiete. Weil mich in ein ewiges Hin und Her von Angriffen zu verstricken, während die anderen ihre Siegpunkte scheffeln, lässt mich nur ebenso auf die Verliererstraße abbiegen.
Gönne niemanden die Dominanz: Ein Gebiet zu kontrollieren, ohne dass eine fremde Truppe dort vorhanden ist, bringt einen Bonussiegpunkt. Hört sich wenig an, kann sich aber über die typischen fünf Spielrunden einer Wroth-Partie hübsch aufsummieren. Hat ein Mitspieler zwei solche Gebiete, ist das schon ein Drittel der erforderlichen Siegpunkte, um das Spiel zu gewinnen. Deshalb lohnen sich vor allem Exodus-Aktionen, um so seine Einheiten breit gestreut zu Störenfrieden werden zu lassen.
Unscheinbare Gebiete lohnen sich trotzdem: Wie viele Kontroll-Siegpunkte eine Region einbringen, das schwankt von Partie zu Partie und variiert von 1 bis 3 Siegpunkten. Klar, dass um die wertvollsten Gebiete gekämpft wird. Im Schatten davon kann ich allerdings ordentlich Siegpunkte abräumen, während anderswo die gegnerischen Truppen geballt in die eine Schlacht geschickt werden. Auch 1er-Siegpunkt-Gebiete sind mit Dominanz einen Extrasiegpunkt wert und wenn das mit minimalem Einsatz ist, dann umso besser.
Bringe Deine Elite-Einheiten ins Spiel: Einzelne Elite-Einheiten können je nach Fraktion bis zu 2 Bonuspunkte einbringen. Ein Blick auf die ausgedruckte Fraktionsübersicht schafft da Klarheit, denn jede Fraktion ist dort unterschiedlich aufgestellt. Zusammen mit den Siegpunkten für die Gebietskontrolle und Dominanz kann sich das auf 6 Siegpunkte aufsummieren. Die Elite-Einheiten bringen zudem ihre Sondereigenschaften mit und darauf solltet Ihr niemals verzichten, weil das ist Eure Stärke.
Vernichtete Truppen können nicht zuschlagen: Wenn ich die Chance habe, meinen Mitspieler in einer Region zu vernichten und der auch nicht angrenzend stationiert ist, dann sollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Denn ein erneuter Aufmarsch und ein Angriff sind schon zwei Mitspieler-Aktionen und eventuell habe ich mich so komplett aus der Schusslinie genommen. Also nicht zögern, sondern zuerst handeln, um für sich ein Gebiet zu sichern.
Ob ich aus diesen ersten sieben Handlungsempfehlungen eine universelle Siegstrategie basteln kann, das werden meine zukünftigen Wroth-Partien noch zeigen müssen. Zumal ich erst selbst zwei der möglichen sieben Fraktionen gespielt habe und dabei jeweils nur zwei verschiedene Fraktionen-Fähigkeiten zum Einsatz kamen. Es gibt also noch viel Varianz in Wroth zu entdecken und genau darauf freue ich mich.












