Eine Spielpartie soll Spaß machen. Das hoffe ich zumindest immer. Wenn ich allerdings eine Neuheit auf den Tisch packe, ist das auch immer eine Wundertüte für sich, die einige Überraschungen mit sich bringen kann, wie meine Mitspieler darauf reagieren.
Da mag die Neuheit an sich in ihren Spielmechaniken durchaus solide sein und mir selbst bestens gefallen, wie es allerdings bei meinen Mitspielern ankommt, das wird sich schlicht zeigen müssen. Je nach Mitspielertyp habe ich da schon die verschiedensten Verhaltensweisen erlebt und genau davon möchte ich Euch anonymisiert, in verdrehter Perspektive und in Details bewusst überzeichnet und dramatisiert erzählen. Was also geht meinen Mitspielern wohl so durch den Kopf?
Können wir bitte hier abbrechen: Eine ehrlich gemeinte Bitte, weil die drückt klar aus, dass ich nicht weiterspielen möchte. Eben, weil mir das Spiel nicht gefällt und ich mir etwas anderes davon erhofft habe. Man kann ja mal fragen und wenn die Mitspieler zustimmen, brauche ich meine Zeit nicht weiter mit diesem Spiel zu verschwenden. Dass mit so einer Frage den Mitspielern der eigene Spielspaß genommen wird, weil ab sofort klar ist, dass ich nur noch aus scheinbarer Gunst weiter mitspiele und das eher widerwillig, ist dabei zweitrangig. Aussteigen möchte ich hingegen auch nicht, weil dann hätte ich ja keine Mitspieler für das, was ich stattdessen lieber spielen würde.
Ach, ist doch egal, was ich mache: Mir sagt das Spiel nicht zu und deshalb lasse ich einfach den Zufall entscheiden, was ich mache. Aktionskarten mischen und blind ausspielen ist dafür perfekt. Aber bitte so, dass alle meine Mitspieler meine Unlust mitbekommen, denn warum sollten die bitte schön ihren Spielspaß haben, wenn ich den selbst nicht haben kann? Dass ich dabei die Spielbalance zerstöre und den Spielablauf beliebig bis sinnlos mache, das ist mir doch egal.
Wie kann ich das Spiel beenden: Eine scheinbar harmlose Frage, hier allerdings ohne Fragezeichen, die in Folge nicht mehr so harmlos bleibt, wenn ich alle meine Aktionen dem Ziel unterordne, die Spielpartie so schnell wie möglich zu beenden. Völlig egal, ob ich dabei gut abschneide. Hauptsache, dieses Spiel ist endlich zu Ende, denn eigentlich war mir schon nach meinem ersten Zug klar, dass es mir so gar nicht gefällt. Also dieses Elend für mich schnellstmöglich beenden.
Ich verstehe immer noch nichts: Ich fühle mich überfordert und bin es sogar auch. Anstatt motiviert zur Selbsthilfe zu greifen und in die Spielübersicht während der Mitspielerzüge zu schauen, gefalle ich mir allerdings in dieser Rolle. Zumal mich meine Mitspieler schon auffangen werden, meine ständigen und wiederholten Rückfragen beantworten und mich taktisch beraten. So kann ich ein für mich angenehm betreutes Spielen erleben. Die zunehmend genervten Gesichter der Mitspieler kann ich derweil prima ignorieren.
Ich habe keinen Plan, was ich machen soll, gewinne aber trotzdem: So viele Optionen und alle scheinen nicht gut zu sein. Genau das äußere ich auch lautstark und wiederholt, sodass mich meine Mitspieler unterschätzen und in Folge nicht mehr so wirklich als Konkurrent beachten. Eventuell bekomme ich sogar noch Tipps, an die ich selbst nicht gedacht habe. Die Grenze zum offenen Jammern überschreite ich allerdings nie. Damit kann ich mich unbemerkt an die Spitze setzen und mit Abstand gewinnen. Der Spielsieg ist mir sowieso wichtiger als das gemeinsame Spielerlebnis.
Eventuell geben meine Mitspieler ja auf, wenn ich möglichst lange denke: Das Gegenteil von unmotiviert ist übermotiviert. Alles soll in einer Erstpartie bitteschön optimal laufen und dazu braucht es Bedenkzeit. Schließlich wollen alle Optionen durchgerechnet werden, selbst wenn ich das Spiel in seinen Möglichkeiten aus fehlender Spielerfahrung noch gar nicht überblicken kann. Trotzdem zerdenke ich das Unmögliche, weil dann habe ich wenigstens die meiste aktive Spielzeit gehabt, egal wie lange das Spiel dadurch dauern wird. Meine Mitspieler müssen da halt durch, weil ich kann und will auch nicht anders.
Oh mein Gott ist das Spiel schlecht und diese Abneigung sollen bitte alle mitbekommen: Von leisen Seufzern bis eine bewusst ablehnende Körperhaltung und Blitzzüge, damit der eigene Spielzug dafür sorgt, die benötigte Spielzeit möglichst zu begrenzen, meine Möglichkeiten sind vielfältig und eher unterschwellig. Schließlich möchte ich nicht als schlechter Mitspieler gelten. Trotzdem ist und soll meine Abneigung offensichtlich sein. Im Spiel halte ich mich mit Kritik noch zurück, aber danach folgt meine große Abrechnung mit dem Spiel. So deutlich, dass niemand mehr wagen wird, dieses Machwerk nochmals in meiner Nähe auf den Tisch zu bringen.
Zum Glück sind die allermeisten meiner Spielpartien entspannt und machen möglichst allen am Tisch auch Spaß. Negative Ausreißer gibt es allerdings immer mal wieder. Eventuell habt Ihr Euch auch selbst wiedererkannt, obwohl wir noch nie zusammen gespielt haben oder ich Euch sicher nicht direkt gemeint habe. Denn diese aufgelisteten Erfahrungen sind nicht aus einzelnen Personen entstanden, sondern sind eher eine Mixtur aus negativen Erfahrungen, die ich zudem ganz bewusst überdramatisiert habe – um zu verdeutlichen und in der Übertreibung zu unterhalten. Bei einigen davon halte ich mir zudem auch selbst den Spiegel vor, denn auch ich bin nicht immer der allerbeste Mitspieler. Kommt gelegentlich vor, versuche ich allerdings abzustellen, weil es niemanden weiterbringt – auch mich nicht.
Hinweis: Das Beitragsbild ist KI-generiert und stellt keine reale Spielsituation und auch keine realen Menschen dar. Die Wirklichkeit ist hingegen auf subtile Art viel extremer und nicht darstellbar.