Nebenwirkungen, Entzauberung, fehlende Motivation und dann noch eine Erweiterung, die übereilt gekauft gar nicht in der eigenen Spielsituation nötig gewesen wäre. Dabei wollte ich hier in meinen Grundsätzen doch stets entspannt-positiv auf alles schauen, frei von Hass und Häme. Hat in der eigenen Selbstdarstellung dann nicht wirklich geklappt. Warum eigentlich?
Im eigenen Überfluss und aus der Situation, sich nicht nur neue Brettspiele leisten zu können, sondern aus dem Vollen zu schöpfen, hat sich mein Blick in den letzten Wochen merklich getrübt. Weil was bringen mir all die Neuheiten, wenn die eigentlich viel zu selten auf dem Tisch kommen? Und was bringen mir dann Spielrunden, die nicht das einhalten konnten, was ich mir davon versprochen habe?
Klar kann ich die Gründe bequem bei den Spielen selbst suchen und dabei auf die negativen Seiten fokussieren. Ebenso ist es arg einfach, den falschen Mitspielern die Schuld zuzuschieben, weil die zu lange nachdenken, überfordert sind oder schlicht nicht so spielen, wie ich mir das alles ausgemalt hatte. Wer falsche Rahmenbedingungen propagiert, braucht sich nicht wundern, wenn Spielzeiten sich mal locker verdoppeln. Wer nicht eindeutig benennt, was ein Spiel auszeichnet und wo die Herausforderungen im Erstkontakt liegen, braucht sich auch nicht nachträglich beschweren, wenn Mitspieler in der laufenden Partie lieber etwas anders spielen möchten. Wer zu hohe Erwartungen setzt und meint, dass jede Spielpartie bitteschön optimal entspannt laufen soll, der sollte das nächste Mal lieber solo spielen.
Blöd nur, wenn dieser „Wer“ man selbst ist und ich mich ganz fest an meine eigene Nase packen muss. Also ist die Zeit gekommen, sich Zeit zum Durchatmen zu gönnen und den eigenen Blickwinkel aufs Brettspiel zu reseten. Und sich selbst fragen, was ich überhaupt will und ob dieses Wunschkonzert überhaupt realistisch in einem Umfeld ist, das beim gemeinsamen Brettspiel auf ganz andere Erwartungen trifft.
Die Lösung dazu kann heißen, bereit zu sein, Kompromisse zu schließen und bewusst unter selbstdefiniert nicht optimalen Rahmenbedingungen mitzuspielen. Dabei mehr Freude aus dem Erlebnis an sich ziehen und sich nicht daran aufziehen und selbst nerven, was alles dann doch nicht so läuft, wie vorab überzeichnet ausgemalt. Oder eben in Zukunft wesentlich selektiver Brettspiele mit kompatiblen Mitspieler-Freunden zu kombinieren, mit denen ich auch gerne Zeit verbringen möchte, selbst wenn ein Spiel nicht begeistert. Im Zweifel auch mal eine Chance auslassen, ein eigenes Spiel auf den Tisch zu bringen und lieber einfach das mitspielen, was neue Mitspieler von sich aus vorschlagen.
Mal sehen, wohin mich das bringt. Hoffentlich in eine Zeit, in der ich das Brettspiel wieder uneingeschränkt hochleben lassen und dann auch mit einem positiveren Blick darüber erzählen kann. Fürs Jammern und verbale Nachkarten ist Eure wie auch meine Zeit dann doch viel zu schade.