Wir erleben und gestalten die Epochen des Römischen Königreiches, der Römischen Republik und des Römischen Imperiums. Dabei streben wir nach Macht für unsere Familie, indem wir die Eroberung von Provinzen unterstützen, über die Sieben Hügel Roms herrschen und unseren Teil zum Bau von Monumenten und Gebäuden beitragen. Wäre da nicht das blöde Volk, das zu Unruhen neigt, für Verwüstungen sorgt und unser Ansehen schädigt.
Allerdings ist das gemeine Volk in Æterna, wie das konfrontative Eurogame offiziell geschrieben wird, nicht unser einziges Problem. Da sind noch bis zu drei Mitspieler-Familien, die ebenfalls nach ihrem Kuchenstück an der Macht greifen und uns das Leben schwer machen. Ressourcen wie Steine und Weizen sind dauerhaft knapp und Goldmünzen sowieso. Trotzdem haben wir über die drei Epochen der 2025er-Neuheit von Martin Wallace so einiges vor und das passiert einerseits auf dem gemeinsamen Spielplan mit seinen Sieben Hügeln (bitte als Eigenname immer großschreiben, um deren Bedeutung zu untermauern!) und ebenso durch die Karten, die wir von unserer Hand spielen.
Die Ewige Stadt wurde eben nicht an einem Tag erbaut. Wir helfen dabei kräftig mit. Natürlich nur zu unserem eigenen Vorteil. Leider sind uns etliche räumliche und zeitliche Grenzen gesetzt. Wir wollen viel machen, werden aber durch begrenzte Ressourcen, zu denen auch unsere Bürgerfiguren gehören, arg eingeschränkt. An allen Ecken und Enden, die auch nur ein wenig Überfluss versprechen, lauert die wachsende Unruhe der Bevölkerung. Diese will so gar nicht wertschätzen, wenn wir Bürger zur Eroberung von fernen Provinzen auf Nimmerwiedersehen wegschicken. Dabei bauen wir mit den geplünderten Ressourcen doch die allerschönsten Bauwerke und Monumente wie die berühmte Cloaca Maxima. Das erinnerte mich an die Judäische Volksfront von Monty Python: Denn was haben die Römer jemals für uns getan – abgesehen von den sanitären Einrichtungen, der Medizin, der Bildung, dem Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, den Straßen, dem Frischwassersystem und der öffentlichen Gesundheit?
Undankbarkeit führt zu Unruhen und die wollen befriedet werden oder kosten uns am Spielende etliche Prestigepunkte oder führen gar zum Ausscheiden, wenn wir es zu sehr übertreiben in unserem Größenwahn. Der so bezeichnete „Doom Track“ ist dafür verantwortlich, der am oberen Ende die Verdammnis und die persönliche Niederlage bedeutet. Die deutschsprachige Übersetzung vom Schwerkraft Verlag spricht hier abgeschwächt von Unruhe-Schaden, aber „Doom“ trifft es viel anschaulicher. Und genau dieses Schwert der Verdammnis schwebt uns die ganze Zeit über den Kopf. Aeterna ist ein Strategiespiel, das uns gerne bestraft und unsere Mitspieler nutzen das schamlos aus. Diese herausfordernde Negativität breitete sich wie ein Nebel über uns aus, als ob ein Stefan Feld in seiner Frühphase zu Zeiten von Notre Dame und Im Jahr des Drachen hier mitgewirkt hätte. Das muss man als Mitspieler aushalten wollen und zu seinem eigenen Vorteil nutzen.
Mich selbst traf es mehrfach arg hart und so sah ich mich am Spielende zwar nicht ausgeschieden, aber mit ordentlichem Prestigepunkte-Abzug auf dem letzten Platz wieder. Allerdings gebe ich eine Teilschuld meinen lieben Mitspielern, weil die setzten ständig ihre Bürger zu mir auf meinen eben genutzten Hügel Roms, sorgten dort für Unruhepotential und schoben mir als Erster dort die Verantwortung zu. Ok, dafür bekam ich auch die meisten Siegpunkte ab, aber so richtig ging die Rechnung für mich trotzdem nicht auf, wie meine Platzierung mir allzu deutlich machte.
Aeterna ist in seiner Interaktion auf dem Spielbrett schon unscheinbar konfrontativ. Da habe ich erst eben mühsam die Unruhe gegen mich senken können, schon bekomme ich wieder welche dazu. Und ernährt werden wollen meine Bürger ebenso. Wer viel auf den Sieben Hügeln unterwegs ist, muss entsprechend viel Weizen bevorratet haben, denn ansonsten steigt die Unruhe in mächtigen Schritten an. Wer will das schon? Niemand und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das Spielgeschehen.
Für uns Vier am Tisch war das unsere Erstpartie und somit standen wir zum Epochenbeginn vor der Aufgabe, einen Mix aus Monument- und Provinzkarten reihum zu draften – also eine davon für sich auszuwählen und den Rest weiterzugeben und niemals mehr wiederzusehen. Das alles im Unwissen, was sonst noch so zur Auswahl stehen wird und wie wir unser kleines Wirtschaftssystem der knappen Rohstoffe mitsamt der drohenden Unruhen ins Laufen bekommen können. Deshalb kann so eine erste Spielpartie auch nur ein typisches Kennenlernen der Möglichkeiten und Zusammenhänge sein. Und das war für mich völlig ok. Hat mir durchaus auf einer fordernden Art Spaß gemacht, auch weil sich das eigentliche Regelwerk recht geradlinig dargestellt hat.
Allerdings machen wir in den drei Epochen wiederholt das Gleiche, nur eben mit anderen Monument- und Provinzkarten, die ihre ganz eigenen sofortigen bis dauerhaften Vorteile bieten. Manche Vorteile können wir sogar selbst auslösen und damit asymmetrisch unsere Möglichkeiten erweitern. So verbrauchen wir über Provinzkarten unsere Bürger, bekommen dafür aber Rohstoffe und müssen Unruhe hinnehmen. Mit Monumentkarten geben wir Geld und Steine wieder, bekommen Bürger zurück und uns werden Vorteile gewährt. Auf dem Spielplan setzen wir unsere Bürger ein, um Prestigepunkte auf den Sieben Hügeln zu bekommen und Sonderaktionen auszulösen – zum Beispiel die Unruhe zu senken oder Weizen zu bekommen. Persönlichkeitskarten wollen mit viel Gold angeworben werden und bringen weitere Vorteile.
Das alles gilt es, zu einem funktionierenden Räderwerk zu kombinieren. Gut so, aber leider fiel in der letzten Epoche der Spannungsbogen zu sehr ab, da immer weniger Prestigepunkte auf dem Spielplan möglich waren und sich arg vieles durch die Karteneffekte, die wir uns bis dahin erspielt hatten, umgesetzt wurde. Mal eben zwei Punkte hier oder alternativ drei Punkte dort machen, hatte dann nicht mehr so eine Bedeutung auf den finalen Spielausgang.
Somit fällt mein Ersteindruck nicht eindeutig aus. Aeterna ist durchaus ein forderndes Spiel. Zudem eines, was mit Spielerfahrung wachsen kann, weil man zunächst seine Balance zwischen Rohstofferträgen und Unruhe finden muss und sich aus den Karteneffekten eine Maschinerie aufbauen sollte, die wirksam ist. Weil was nützen Euch dauerhaft tolle Effekte, die teuer erkauft waren, wenn Ihr die in Folge kaum bis gar nicht anwendet? Ich kann da ein Lied von singen, hake das aber als Nebeneffekt einer Erstpartie ab. Der ständige Druck, an Rohstoffe zu kommen und im ständigen Mangel zu agieren, fühlte sich für mich hingegen anstrengend und ermattend zugleich an. Positive Interaktion gibt es hier nicht, denn jede Aktion Eurer Mitspieler schadet und behindert Euch auf die eine oder andere Weise. Das müsst Ihr ertragen können und bestenfalls ebenso kontern.
In Summe ein Spiel, das mir zu viele Aufgaben und deshalb zu wenige Freiheiten gegeben hat. So kann ich keine Handkarten für die nächste Epoche aufheben. Alles muss innerhalb einer Epoche geregelt werden und wer da ohne Geld und Rohstoffe startet, für den kann so eine Epoche arg mühsam werden. Wer zudem zuerst passt und damit nichts mehr macht, wird mit Siegpunkten belohnt, welche die Mitspieler erst einmal aufholen müssen. Das setzte für mich den falschen Anreiz, schnell mit seinen Aktionen durch sein zu wollen. Wie sich das alles in Folgepartien ergibt und wie sich dann mein Fokus eventuell verschiebt, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Ein gutes Spiel, mit durchaus vorhandenen Ecken und Kanten, an die man sich stoßen kann.
Ach übrigens, das hier abfotografierte Münzgeld gehört nicht zum Spiel. In Aeterna gibt es nur Goldmünzen-Marker aus Pappe, was mir allerdings völlig ausgereicht hätte. Auch die restliche Ausstattung war auf einem guten und hohen Niveau. Nichts daran hat mich gestört, allerdings auch wenig begeistert. Zweckmäßig und gefällig trifft es wohl ganz gut. Bleibt die Frage, ob „nur gute“ Spiele gegen herausragende Spiele auf Dauer bestehen können, um wiederholt auf den Tisch zu kommen? Deshalb kann ich nur empfehlen, Euch in einer eigenen Erstpartie eine eigene Meinung zu bilden. Wer Eurogames mit negativ ausgerichteter Interaktion und fordernden Rahmenbedingungen mag, liegt bei Aeterna richtig. Lieb und nett und entspannt ist hingegen woanders, aber auch das kann ein Argument auf der positiven Seite sein.



















