Ravensburger veröffentlicht zur SPIEL 2025 in Essen eine zunächst unscheinbare Neuheit, die sich in meiner mitgespielten Erstpartie allerdings als überraschend trickreiches Spielerlebnis präsentiert hat. Ein modular-variables Spielprinzip im Familienspiel-Gewand, das etliche Kombinationsmöglichkeiten bietet, Kartensets erfolgreich auszuspielen.

Die Tore von Buttonville stehen Euch offen. Deshalb hereinspaziert zur Parade allerlei skurriler Wesen des versammelten Königreiches. Für uns gilt es, in Person des Gildenmeisters, die besten Kombinationen von Charakteren anzuwerben und diese bei uns mit ihren einzigartigen Fähigkeiten willkommen zu heißen. Auf dass unsere kleine Stadt aufblüht und uns zu Ruhm und Siegpunkten verhilft. Bis zu vier Spieler können dabei teilnehmen, was sich die Autoren Christian Kudahl und Erik Andersson Sundén für uns ausgedacht haben und als Ravensburger Neuheit zur SPIEL 2025 in Essen das Licht der Brettspiele erblicken wird. Mit etwas Glück könnt Ihr das Familienspiel schon vorab im Fachhandel finden – etliche Versender nennen Anfang Oktober als Auslieferungsdatum.

Ich konnte an einer entspannten Dreierrunde teilnehmen, weil eine Mitspielerin Die glorreichen Gilden von Buttonville auf der SPIEL 2025 für Ravensburger erklären wird. Das war sozusagen eine Premiere und Vorbereitung für die Messe zugleich. Dabei ist das Kartenspiel-Regelwerk flott verinnerlicht. Die Anleitung braucht dafür nur eine Seite, während der Rest dem Spielaufbau und der Endabrechnung vorbehalten ist.

Im Kern geht es um den Set-Collection-Spielmechanismus. In der Spieleschachtel sind 25 Wesen mit ihren jeweils 12 Karten vorhanden. Davon wählen wir nach Vorgabe der Anleitung oder nach unserer Entscheidung von jeder der ersten fünf Gilden ein Kartenset aus und ergänzen dann durch 4 der 10 sogenannten Sets der Getreuen. Damit bestimmen wir zugleich den Charakter unserer Spielpartie zwischen einfach oder komplexer und friedlich oder konfrontativer. Ganz wie Ihr passend zu Eurer Laune und den Vorlieben Eurer Mitspieler wollt. Laut Verlag sind damit mehr als 50.000 Kombinationen möglich, wir haben uns hingegen mit der Empfehlung für die Erstpartie begnügt.

Aus diesen Sets, mit ihren versammelten und sortierten Wesen, gilt es nun mittels kräftigen Mischen einen gut durchmischten Nachziehstapel zu erschaffen. Genau an dieser Stelle würde ich für mein eigenes Exemplar Kartenhüllen verwenden, weil ich damit wesentlich schneller die vorsortierte Ordnung zerstören kann, ohne aufgrund meiner begrenzten Fingerfertigkeit die Karten zu verknicken und zu vermacken. Allerdings haben die Karten alle einen weißen Rand auf beiden Seiten, sodass die üblichen unschönen Spuren bei randlosem Druck sowieso vermieden werden. Somit ganz Eure Entscheidung, ob Ihr Kartenhüllen dazukaufen wollt oder eben nicht. Mit Blick auf das Inlay der Schachtel, in dem alle Sets schon sortiert aufrecht stehen, sollte dafür ausreichend Platz sein. Zumindest hatten die ungesleevten Karten ausreichend Platz zu allen Seiten. Fast schon zu viel, denn wenn Ihr die Spieleschachtel hochkant transportiert, poltert alles durcheinander. Im Zweifel empfehle ich Euch eine Lage Schaumstoff oder Noppenfolie, um den Hohlraum auszufüllen. Zwingend notwendig ist diese optionale Bastelarbeit allerdings nicht.

Zum Ende der Spielvorbereitung separieren wir noch einen Teil des durchgemischten Nachziehstapels als Finalstapel für die letzte Spielrunde ab. Die Pappstatue von Buttonville leistet uns dafür wertvolle Dienste und trennt als Messlatte drangehalten rund 20 Karten ab. Schönes Detail, weil erspart uns das Abzählen der Karten. Für den Rest der Partie dient uns dieser Pappmarker nun als Startspieler-Markierung, denn wir spielen den Nachziehstapel leer und sorgen dann mithilfe des Finalstapels dafür, dass jeder von uns gleich oft am Zug war. Danach wird abgerechnet und bis dahin sollten rund 30 Spielminuten vergangen sein. Die glorreichen Gilden von Buttonville spielt sich also ebenso flott wie die Vorbereitung und die Regelerklärung kurz ist. Gefällt mir in seiner bewusst reduzierten Form.

Zweierlei Sachen passieren in unserem Spielzug. Zunächst ziehen wir zwei der im Markt ausliegenden Karten auf unsere Hand und spielen dann beliebig viele Karten aus. Allerdings mit der Einschränkung, dass diese von einem Set sein müssen. Je mehr Karten einer Setsorte wir also sammeln, desto besser. So könnte man meinen, denn am Spielende bekommen wir für ausliegende Sets gestaffelte Punkte – je mehr Karten pro Set, desto mehr Punkte. Im Idealfall haben wir mindestens 7 von potenziell 12 im Nachziehstapel vorhandenen Karten eines Sets in unserer Auslage vor uns liegen, die uns mal eben 17 Ruhmespunkte einbringen.

Allerdings dürfen wir keine ausliegenden Sets einfach so ergänzen, sondern müssen dazu die Karteneffekte eines ausgespielten Sets nutzen. So können wir Mützel dem Magier bis zu drei Handkarten an einem unserer Sets anlegen. Oder wir spielen mehr als drei von Marty der Zeitreisende aus, um noch einen zusätzlichen Zug zu haben. Um dann schließlich Ferdinand der Kutscher auszuspielen, um ein anderes Set zurück auf die Hand zu nehmen und zeitgleich zwei Knöpfe zu bekommen. Ach ja, die Knöpfe sind sozusagen unsere Währung, die wir für meine Set-Fähigkeiten bezahlen müssen oder als Belohnung bekommen und am Spielende für uns Extraruhmespunkte wert sind. Manche Setsorten geben zudem Zusatzpunkte, wenn wir am Spielende eine bestimmte Anzahl von Setkarten vorweisen können.

Die Möglichkeiten sind vielfältig und in jeder Spielpartie sind immer neun verschiedene Sets und damit neun verschiedene Fähigkeiten dieser Sets vorhanden. Für uns gilt es nun, diese taktisch so geschickt zu kombinieren, dass wir möglichst eine ruhmreiche Kartenauslage am Spielende vorweisen können. Tja und genau das möchten unsere Mitspieler auch, weshalb es wohl wenig Sinn ergibt, zur gleichen Zeit, genau dieselbe Setsorte zu sammeln, denn die wird garantiert nicht oder nur zufällig in der Markt-Kartenauslage in der Tischmitte für uns übrig bleiben.

Das Timing ist also entscheidend und ebenso der Blick auf die Mitspieler. Wobei völlig offen ist, ob und wann die 12 Karten eines Sets überhaupt in der Kartenauslage auftauchen und ob wir dann zugreifen können. Komplett planbar ist Die glorreichen Gilden von Buttonville also nicht. Einen Plan solltet Ihr dennoch verfolgen und erkennen, was aus den Sets dieser Spielpartie möglich wäre in Kombination. Erschwerend kommt dazu, dass Ihr am Ende Eures Spielzuges auf sieben Handkarten abwerfen müsst. Also ewig auf der Hand sammeln und dann erst ausspielen, das funktioniert nicht und wäre auch zu einfach.

Die konfrontativen Karten und auch die komplexeren Karten hatten wir in unserer Erstpartie nicht im Spiel, weshalb ich deshalb hier nichts dazu sagen kann. Aber auch so hat mir Die glorreichen Gilden von Buttonville trotz des überlangen und umständlichen Spieletitels nach nur einer Partie gezeigt, welches Potenzial in dem zunächst unscheinbaren Kartenspiel steckt. Diesen Besucher lade ich gerne öfter als Gast an meinen Spieltisch ein. Auch, weil ich je nach Setauswahl vorab das Spiel an meine Mitspielervorlieben anpassen kann.

Der Spielablauf ist zudem so einfach und verständlich, dass selbst Wenigspieler damit problemlos zurechtkommen sollten. Allerdings nicht so banal, dass wir Vielspieler dadurch abgeschreckt werden. Ein gutes Spiel, weil es schlicht Spaß macht und unnötigen Ballast komplett weglässt. Gerne mehr davon und deshalb meine Empfehlung zur SPIEL 2025, das auch Ihr mal ausprobieren solltet. Ihr könnt am Messestand gerne sagen, wer es Euch empfohlen hat – freut mich, auch wenn ich weiterhin keinerlei Rezensionsexemplare von Verlagen annehme. Spiele, die ich selber mag, kaufe ich mir auch selber. Somit bleibe ich nur mir selbst in meiner Meinung verpflichtet.

Eine kleine Bitte hätte ich an die Redaktion von Ravensburger allerdings schon: Solltet Ihr jemals über eine Deluxe-Version nachdenken, so packt zu jedem der 25 Sets eine Übersichtskarte bei. Sodass man nach erfolgter Spielvorbereitung direkt diese neun Karten auslegen kann, um auf einen Blick zu sehen, welche Sets diesmal im Spiel sind und welche Fähigkeiten man planvoll kombinieren kann. Für die anvisierten Familenspieler nicht notwendig, für uns Vielspieler allerdings eine willkommene Bereicherung, so meine ich.

Zudem wäre ein Neopren-Platzdeckchen für die Auslage der Marktkarten toll, damit man die Karten bequemer von dort von zu glatten Tischen aufnehmen kann. Wenn dann noch die Münzen in Knopfform ihren Wert aufgedruckt hätten, damit ich mir nicht merken muss, dass die großen Knöpfe drei kleine Knöpfe wert sind, dann wäre das prima. Und als letzter Wunsch wäre eine Siegpunkte-Zählleiste toll, um die Endabrechnung nicht im Kopf oder auf einem Schmierzettel durchführen zu müssen. Auf diesem noch theoretischen Neopren-Platzdeckchen wäre doch dafür ein idealer Platz am Rand, oder nicht? Bis dahin basteln wir uns das einfach selbst und nehmen das Platzdeckchen als willkommene Kartenabdeckung mit in der Spieleschachtel, damit nichts auf dem Weg zum nächsten Spieletreff durcheinander purzelt.

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