Was kam in meinen Spielrunden im vergangenen Monat auf den Spieltisch? So ein Rückblick ermöglicht mir auch immer ein wenig eine Neubewertung und Manöverkritik sowie Einsichten, ob ein Spiel generell was taugt und die Spielrunde dafür passend war. Denn zu einem guten Spielerlebnis tragen ganz viele Faktoren bei, damit das entspannt für alle werden kann.

Mit Blick auf meinen Kalender zähle ich nur sechs Spieletreffs im September und auch nur 13 verschiedene Spiele, die zu Gast auf den Spieltischen waren, an denen ich Platz genommen habe. Somit eher Klasse statt Masse könnte man meinen. Allerdings gehen da die Meinungen und Wahrnehmungen stark auseinander, wie ich inzwischen weiß. Was der eine als tolle Spielpartie empfunden hat, war für mich eher anstrengend, wenn es zum überlang betreuten Spielen wurde. Als Konsequenz habe ich auch nicht mehr alle möglichen Termine mitgemacht und zudem verstärkt die Spielvorschläge von Mitspielern mitgespielt und weniger meine eigenen Neuheiten mit Nachdruck auf die Tische gebracht. Deshalb sind auch etliche meiner Neuheiten bisher noch ungespielt geblieben, weil sich schlicht keine passende Gelegenheit dafür ergab oder ich schlicht die Mitspieler-Neuheiten vorgezogen habe. Im Gegenzug dazu sind andere Titel in ungewohnter Häufigkeit von mir gespielt worden.

Wroth: Kam mehrmals auf den Tisch und während es die einen als konfrontative Klopperei feierten, war es für andere hingegen schon zu interaktiv. Zudem schreckt der Mechanismus Area-Control teilweise ab, sodass die Zielgruppe für dieses Spiel eher klein bleibt. Innerhalb einer Stunde gespielt und ebenso zügig erklärt. Die Besonderheiten sind die asymmetrischen Fraktionen, die mit ihren Fähigkeiten aufeinander prallen, und das Dice-Drafting, das einem einen Blick in die Zukunft der Mitspieleraktionen ermöglicht.

Rebel Princess: Ein kleines und einfaches Stichspiel, bei dem wir Stiche mit Prinzen oder Fröschen vermeiden wollen. Die Erfolgsstrategie ist, einfach so gar keine Stiche zu machen und alles ist gut. Die eigentliche und einzige Würze kommt durch die in jeder Runde wechselnde Sonderregel ins Spiel. Da werden die Zahlen in ihrer Wertigkeit mal auf den Kopf gestellt oder wir spielen verdeckt unsere Karten aus. Dazu kommen Sondereigenschaften jeder Prinzessin, die uns besondere Fähigkeiten geben. Durchaus solide.

WitchDraft: Wir draften quadratische Karten, die wir in unser persönliches Raster auslegen. Vorab haben wir zwei geheime Zielkarten bekommen, die uns anzeigen, welche Kategorien wir für uns stark oder schwach werten. Jeder hat zudem ein Lieblingstier, das uns Punkte gibt. Zusammengesetzte Symbole bringen ebenso Punkte und Edelsteine in den Ecken auch. Nach zwei Drafting- und Ausspielrunden folgt die Endwertung. Grafisch eher düster gehalten, aber zeitgleich niedlich-mystisch. Eher glückslastig und in Summe ok als Absacker.

Civolution: Ich habe schon flotte Partien in entspannten zweieinhalb Stunden gespielt und ebenso Erstspielerrunden, die einen ganzen Spieltag für sich beansprucht haben. Auch wenn ich diesen Sandkasten der vielen Aktionsmöglichkeiten weiterhin als eines meiner Lieblingsspiele bezeichne, brauche ich solch überlangen Spielrunden mit mir fremden Mitspielern, die kein einziges Mal in ihre Spielübersicht schauen und stattdessen überfordert betreut werden müssen oder trotz Unlust einzelne Züge zerdenken, absolut nie wieder.

Terrorscape: Auch so ein Spiel wie Wroth, das bei Gefallen direkte Revanchen provoziert und durch die übersichtliche Spieldauer auch ermöglicht. Das waren alles atmosphärisch tolle Spielpartien voller Kopfkino-Momente, bei denen erstmalig auch das Schreckgespenst als Killer zum Einsatz kam. Aufbau der Villenkulisse und das spätere Verstauen des Spielmaterials muss ich mir allerdings noch mal genauer anschauen, weil da hakte es aus meiner Erinnerung etwas. Im Zweifel lieber die Anleitung zu Rate ziehen und alles passt.

Stille Post Extreme: Ein Dauerbrenner in meinen Spielrunden und ein Garant für Lachkrämpfe. Auf die überflüssige und überkomplizierte Wertung verzichten wir schon immer und stellen stattdessen nur die Bild- und Begriffsfolgen reihum vor. Schon erstaunlich, wie sich ein Begriff von der Vorgabe entfernen kann und durch Umwege dann doch wieder dorthin zurückfindet. Wenige meiner Malspiele kommen an diesen Spielspaß-Faktor heran und deshalb besonders in großen Runden ab 5 Spieler ein absoluter Absacker-Tipp mit Wiederholungen.

Steam Power Deluxe Edition: Gleich zweifach gespielt und meine Erfahrung in der kommenden Partien umgesetzt und mich vom letzten auf den ersten Platz gespielt. Ob es in weiteren Spielrunden ebenso gut läuft, bleibt aber abzuwarten, denn jede Spielkarte und Mitspielerkonstellation bietet durch die Varianz der Ausgangslage und der Aktionsfolgen eine neue Herausforderung. War jederzeit spannend, weil mich die lieben Mitspieler gehörig unter Aktionsdruck setzen und ich nicht überall zeitgleich agieren kann. Ein Monatshöhepunkt.

Aeterna: Eigentlich sind wir vermögende Familien im alten Rom, trotzdem mangelt es uns an allen. Die Ressourcen sind knapp, die Bürger ebenso und dann drohen auch noch Unruhen, die uns von der Endwertung ausschließen können, sofern wir nicht zeitig dagegen arbeiten. Ein konfrontatives Spiel, bei dem man seinen Mitspielern gehörig die Suppe versalzen kann – zum eigenen Vorteil. Allerdings auch ein Spiel, bei dem mir die Erstpartie nur die Möglichkeiten gezeigt hat, wie man es nicht erfolgreich spielt. Deshalb gerne wieder.

Point of View Spooky Festival: Rund zwei und eine halbe von vier Episoden sind in unterschiedlichen Runden derweil gespielt. Ich habe leider immer noch keine Ahnung, wie ich die kooperativ-kommunikative Wimmelbild-Rätselsammlung auf entspannter Weise in einem Zeitrahmen spielen kann, der nicht anstrengend wird oder frustriert. Auch wenn die Spielanleitung ein paar Tipps dazu gibt, wie es gehen soll. Finde ich weiterhin von der Idee toll, in der umgesetzten Spielpartie aber schwierig, dort den Spielspaß zu finden.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft: Das Pandemie-Prinzip ist mit der Fantasywelt von Tolkien kollidiert. Wir haben durch Szenarien vordefinierte Herausforderungen, die wir kooperativ mit unseren Charakteren bestehen sollen. Sauron und seine Schergen haben allerdings etwas dagegen und unsere schwindende Hoffnung wird auch noch zum Problem. Atmosphärisch gut, allerdings durch die Kartendecks mit viel Zufallsfaktoren für eine doch etwas ausufernde Spielzeit, die trotzdem stets spannend war.

Flip 7: Zum Kennenlernen des Kartenspiels ist eine Zweierrunde ok, aber fernab davon bevorzuge ich für das „beste Kartenspiel aller Zeiten“ dann doch eine höhere Anzahl an Mitspieler. Weil nur dann ist die Würze des Spielablaufs mit Schadenfreude, neckisches Anlocken und Überzocken lassen sowie triumphale 7er-Auslagen umso euphorischer am Tisch gefeiert. Meine Kartenhüllen von Gamegenic in matt lassen mich das Spiel zwar gut mischen, sind aber arg rutschig, sodass ich den Nachziehstapel zweiteile – aus Erfahrung.

Odin: Lässt sich erstaunlich taktisch in entspannter Zweierrunde zocken. Zum Zählen der Minuspunkte habe ich zudem immer mein Tray von Kings & Queens Pokerchips mit dabei, weil so hat jeder direkt im Blick, wie der Spielstand aussieht. Schon erstaunlich, wie aus zwei neuen Ideen aus einem bekannten Kartendeck ein völlig neues Spielerlebnis werden kann. Oder kennt Ihr noch andere Kartenspiele, in denen wir uns mit Zahlen aus Kartenziffern überbieten und anschließend eine vorab ausliegende Karte auf die Hand nehmen müssen?

Shake the City: In kleiner Spielrunde kann das Städtebauspiel mit seinem genialen Klötzchenportionierer so herrlich gemein gespielt werden. Ein Blick auf die dringend benötigten Stadtplättchen und schon macht Ihr Euch allerbeste Freunde und könnt selbst Nehmerqualitäten zeigen. So hatte ich mich mit vier Geschäften in der punkteträchtige Mitte breit gemacht und gerade als der perfekte Straßenzug fiel, hatte ich nicht das erste Auswahlrecht. Hoch gepokert und ebenso niedrig gepunktet. Trotzdem immer wieder gut.

Im September noch nicht auf den Tisch gekommen sind folgende Neuheiten: Dune Imperium Bloodlines, Dead Cells, Botanicus mit Erweiterung, Kingdom Legacy und taufrisch Skitter, das mir eine eigene Story wert sein wird. Während in der Warteschlange zudem Vantage, Arcs, Townsfolk Tussle, Fate und Men-Nefer warten. Und dann kommt im Oktober auch noch die SPIEL 2025 in Essen mit ihren unüberschaubar neuen Spielen. Davor ist allerdings noch meine Galactic Cruise „All-in“ Vorbestellung bei mir eingetrudelt und drängt darauf, zeitnah gespielt zu werden. Die Auswahl ist also gegeben, zu welchen Gelegenheiten wird sich dann noch zeigen müssen.

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