Kooperative Boss-Battler gibt es viele. Die Auswahl und die dabei gegebene Komplexitätsspanne ist groß. Es muss ja nicht gleich ein Kingdom Death Monster sein, besonders wenn Ihr einfach nur ein entspanntes Spielvergnügen ohne aufwendige Detailregel-Lektüre sucht. Die SPIEL 2025 Neuheit von Pegasus Spiele hat mir außergewöhnlich gut gefallen und uns fernab des Tutorials als Vielspieler ebenso gefordert.

Am Ende stand für uns eine zweifache Niederlage gegen den Prinzen auf dem Zettel, den wir allerdings nicht benötigt hatten. In Boss Fighters QR der Autoren Lukas Zach und Michael Palm wird die komplette Buchhaltung per App geregelt und durch Lebenspunkteanzeiger, Counter und Karten ergänzt. Diese ausgetüftelte Kombination finde ich gut, denn so fallen viele umständliche und Spielzeit raubende Verwaltungsaufgaben weg, um den einen Gegner zu simulieren, der von uns gemeinsam besiegt werden soll und will. Zudem haben wir noch ausreichend viel haptisches Spielmaterial in den Fingern, damit der kooperative Boss-Battler noch als Brettspiel verstanden werden kann. Die App hilft, dominierte für mich aber nicht das Spielgeschehen.

Dennoch sitzen wir um das elektronische Endgerät. Das liegt bewegungslos auf dem Tisch. Niemand hat somit sein eigenes Smartphone in der Hand und ist damit isoliert und abgelenkt. Gefällt mir, denn so fokussiert sich das Spielgeschehen von Boss Fighters QR auf die Mitte des elektronisch-interaktiven Spielbrettes. Das geleitet uns perfekt durchs Spiel. Das geführte Tutorial ließ bei uns nur eine Frage offen, die aber durch einen Boss Fighter QR erfahrenen Mitspieler vom Nebentisch geklärt werden konnte. Es ging um ein Boss-Symbol neben den Lebenspunkten. Entweder haben wir diese Passage in der gedruckten Anleitung überlesen oder die war an dieser Stelle noch gar nicht wichtig genug, um angesprochen zu werden.

Wer sich als Erstspieler per gedruckte Anleitung durch das Tutorial leiten lässt, kommt bestens ins Spiel, ohne irgendwelche Vorerfahrungen haben zu müssen. Für mich im Zweitkontakt und mit einer neuen Spielrunde, habe ich die Informationen der Anleitung nur überflogen und viele Beispiele weggelassen, die sowieso direkt durch die App erklärt werden. Nur eben nicht zwingend dann, wenn die Mitspieler dazu nachfragen. Deshalb hätte ich mir eine Kurzübersicht der wichtigsten Regeln zum Wiedereinstieg gewünscht.

Die App moderiert sozusagen das Spielgeschehen. Allerdings sollte die Spielrunde auch dazu bereit sein, sich leiten zu lassen. Aus Übereifer kann es ansonsten passieren, dass wir Aktionsschritte schon längst selbständig erledigt haben, bevor uns die App dazu auffordert. In Folge wissen die Mitspieler dann nicht mehr, ob der Einzelne das jetzt schon gemacht oder an dieser Stelle doch überspringend vergessen hat. Bringt also ein wenig Geduld auf und passt Euer Spieltempo an Eure Spielrunde an, dann steht Eurer entspannten Partie nichts im Wege.

Boss Fighters QR ist sowieso ein kooperatives Spielerlebnis. Kommunikation ist ein Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg. Denn wenn einer stirbt, ist die Partie an dieser Stelle für alle vorbei. Genau deshalb ist Absprache wichtig, wobei ich es gut finde, dass jeder seinen eigenen Charakter spielt und auf ein ganz eigenes Kartendeck in Kombination aus Held und Klasse zurückgreift. So hatte ich einen Zwergen-Krieger gespielt, der mächtig austeilen konnte, aber mit Magie recht wenig am Hut hatte. Dazu allerdings mit ein paar Spezialfähigkeiten im Kartendeck glänzen konnte, die ich gezielt und abgesprochen einsetzen sollte. Hat nicht immer geklappt, war aber dann auch ein Lerneffekt, wie ich es besser machen sollte. Wir spielen zusammen, aber niemand kann aufgrund der eigenen Kartenhand für die anderen bestimmen, was die komplette Gruppe bitte machen soll. Alphaspieler haben hier zum Glück schwere Zeiten. Gut so.

Lerneffekte und Überraschungen hat mir Boss Fighters QR in ausreichender Anzahl geboten. Das ist gewollt. Wir haben eben kein perfektes Wissen und auch keine perfekte Kontrolle über die Situation. Stattdessen sind wir aufgefordert, viele Karten-Wirkungen in ihren Details in der Spielpraxis selbst herauszufinden. Dabei ist unser Gegner, der große und mächtige Boss, anfangs ebenso ein kleines Mysterium für uns gewesen. Warum hat der nun wie reagiert? Erkennen wir ein Muster im Verhalten oder bleibt das für uns scheinbar chaotisch? Auch das gefällt mir, erfordert allerdings auch ein wenig Frusttoleranz, wenn Aktionen unerwartet ins Leere laufen. Egal, beim nächsten Anlauf gegen den Boss sind wir erfahrener, wissender und klüger. Diese Anläufe, einen Boss gemeinsam zu besiegen, konnten wir (bisher, weil wer weiß, was noch kommt?) beliebig oft wiederholen.

Meine Motivation, diesen Prinzen endlich besiegen zu können, war ungebrochen. Nach zwei gescheiterten Anläufen auf dem zweithöchsten Schwierigkeitsgrad, da wir uns natürlich als Profis im Genre sahen, hat uns leider mein altersschwacher Smartphone-Akku ausgebremst. Ohne Ladekabel vor Ort mussten wir die Partie vertagen. Und wer sich bis hierhin durch meine Spielerfahrungen gelesen hat, wird zudem bemerken, dass ich über die Technik noch so gar nicht geschrieben habe. Die funktioniert einfach und problemlos und stand nie im Mittelpunkt, sondern hat das Spielgeschehen nur unterstützt und begleitet. Was will man mehr?

Oh ja, da gibt es doch noch so ein paar Punkte, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Boss Fighters QR ist für mich gut, aber noch nicht perfekt, denn besser geht es fast immer. Mein Samsung Note 9 Smartphone von 2018 hat gut funktioniert, könnte aber gerne vom Display und damit von den Texten etwas größer sein. Wenn Ihr Zugriff auf ein Tablett hat, das mit Android oder iOS läuft, dann nutzt bevorzugt das.

Eine optionale Sprachausgabe, welche die Rückmeldungen und Hinweise der App vorliest, wäre schön und hilfreich. Auch weil nicht alle bis kein Spieler so zum digitalen Gerät auf dem Tisch sitzen, dass die Texte in gewohnter Leserichtung eingeblendet werden. Nicht jeder kann oder mag auf dem Kopf oder seitwärts lesen. Eventuell wäre es schon eine Verbesserung, wenn die Texte, die einen einzelnen Spieler betreffen, anhand der vorab angegebenen Sitzposition gedreht wären und nicht starr in eine Richtung angezeigt würden. Alles optional natürlich.

Die App ist zudem arg hungrig nach Akkukapazität. Mein überaltes Smartphone hat neben meiner Tagesnutzung drei Boss Fighters QR Partien durchgehalten. Danach war mein Akku auf 9 % und das Gerät, auf dem Tisch liegend, gut warm geworden. Somit solltet Ihr den Rat in der Anleitung, einen Stromanschluss in der Nähe zu haben, durchaus ernst nehmen. Bei modernen Endgeräten, die nicht schon sieben Nutzungsjahre auf dem Buckel haben, sieht das eventuell ganz anders aus. Boss Fighters QR war für uns aber problemlos bis gut spielbar. Mit Tablett und damit größerem Bildschirm und ohne Sorge um die Akkuleistung wäre es aber ein schöneres Spielerlebnis gewesen.

Persönlich habe ich für mich noch nicht entschieden, wie ich die laufende Kampagne weiterspiele. Zumal wir bisher nur das Tutorial erfolgreich beendet haben und noch dem ersten Boss-Gegner gegenüberstehen. Denn zu Spielbeginn wählen wir einen Gruppennamen und bestimmen die Anzahl der Mitspieler und welche Helden-Klassen-Kombination der Einzelne wählt. Daraus ergibt sich das Startkartendeck. In Folge und das ist sicher kein Spoiler, kommen Karten dazu. Wann und in welcher Form und ob es dabei auch Entscheidungen zu treffen gibt, das muss sich alles noch zeigen.

Nur ob und wann ich genau mit dieser Dreier-Runde weiterspielen werde und ob daneben nicht noch andere Mitspieler Boss Fighters QR gerne kennenlernen möchten, mit meinem Exemplar, das alles ist noch völlig offen. Und das möchte ich für mich auch flexibel halten, da ich in so vielen verschiedenen Spielrunden unterwegs bin. Wie das mit Boss Fighters QR möglich ist und wie ich die Karten und Gegenstände dann zurücksortiere oder fürs Weiterspielen in Erinnerung halte, das weiß ich noch nicht. Die Anleitung bietet zwar eine Rücksetz-Anleitung, beschreibt aber nicht, wie man am besten mehrere Kampagnen abwechselnd spielen kann. Mehrere Spielrunden in der App gespeichert, sind allerdings möglich.

Das ist allerdings ein Sonderfall und wenn Ihr sowieso in einer festen Runde spielt, stellen sich für Euch diese Fragen erst gar nicht. Im Zweifel übernehmen neue Spieler einfach den Stand der aktuellen Charaktere, denn so kompliziert stellte sich das Spielgeschehen nicht dar. Es ist eben kein zweites Kingdom Death Monster und das finde ich gut. Denn wenn ich KDM spielen will, dann spiele ich KDM.

Boss Fighters QR sitzt im Anspruch auf Familienspiel-Niveau und das ist gut so, weil ermöglicht spontane und entspannte Zwischendurchpartien. Wem es dabei zu einfach scheint, der dreht den Schwierigkeitsgrad einfach hoch und lernt dann auch, was Scheitern bedeutet. Ein Durchmarsch gegen die zehn Boss-Gegner wäre auch keine wirkliche Herausforderung gewesen. So weiß ich, dass auf dem Profi-Schwierigkeitsgrad das gemeinsame Scheitern durchaus eine Option ist. Für mich ist das ein Motivationsschub, es im nächsten Anlauf dann zu schaffen. Wer zu verzweifelt ist, kann sich zudem von der App mehrstufige Tipps holen. Und ja, einen davon haben wir schon genutzt. Geholfen hat es uns hingegen (noch) nicht, aber auch das finde ich gut, weil eben nicht zu viel verraten und vorgekaut wird.

Was bleibt als mein erstes Spielfazit nach zwei Tutorialpartien in verschiedenen Runden und zwei gescheiterte Anläufe gegen den ersten richtigen Boss-Gegner? Für mich hat Boss Fighters QR genau das eingelöst, was ich mir von dem Spiel versprochen habe. Es ist einsteigerfreundlich, es funktioniert auf der technischen Ebene, das eigentliche Brettspiel steht weiterhin im Vordergrund und es macht Spaß und ist herausfordernd. Passt für mich. Wenn ich jetzt nur noch die zu lockeren Drehräder der Lebenspunktanzeiger etwas strammer bekommen kann, ist fast alles gut. Dazu hoffe ich noch, ein Sortiersystem mit dem beiliegenden Boxen zu finden, in der die allgemeine Counterbox nicht komplett überquellt und im Counter-Chaos versinkt. Eventuell besorge ich mir doch noch ein Tablett, dann aber nicht nur für und wegen Boss Fighters QR.

BTW: Fotos von meinen beiden Spielpartien habe ich leider nicht, eben weil mein Smartphone als interaktives Spielbrett auf dem Tisch lag und mir somit nicht für Fotos zur Verfügung stand. Zudem habe ich die Fotos schlicht vergessen, weil ich so vom Spielgeschehen eingenommen war. Deshalb hier Fotos von der SPIEL 2025 und von der Neuheitenschau dort, ergänzt durch offizielle Pressefotos von Pegasus Spiele. Noch ein Grund mehr, mir ein Tablett zu kaufen, um mein Smartphone griffbereit zur Foto-Dokumentation zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert