Da liegt er gemeinsam vor uns aus, der vor sich dahinplätschernde Fluss mit Stromschnellen und ganz viel Lebendbeute, die wir im Wettstreit mit unseren Mitspielern dort rausziehen wollen. Wir sind halt Angler und könnte ein Spannungsbogen oder gar Interaktion nur störend wirken.

Freshwater Fly ist beim Verlag Bellwether Games und lokalisiert bei Spielefaible schon 2019 erschienen. Der Autor Brian Suhre kennt sich halt in seinem Metier gut aus und das sind leider nicht die Brettspiele, sondern der Angelsport. Dabei sind die zugrunde liegenden Mechanismen mit Dice Drafting, Push your Luck und Set Collection durchaus grundsolide, nur leider in der Summe nicht wirklich spannend kombiniert. Stattdessen quellt aus allen Ecken der Spielmechanik das Glück. Sei es bei der Auslage der verfügbaren Fische im Fluss, den gewürfelten Werten oder beim Ziehen der Fangkarten. Dabei dachte ich bisher, dass Angeln etwas mit Können zu tun hat.

Für ein kurzweiliges Spielvergnügen wäre das alles für mich ok gewesen, nur meine erste und auf Lebzeiten sicherlich einzige Partie Freshwater Fly zog sich in unserer Vollbesetzung von vier Spielern. Auch, weil eigentlich immer nur einer zeitgleich agiert, während die anderen Spieler gebannt oder gelangweilt zuschauen können. Eingreifen ist sowieso nicht und die Vorausplanung beschränkt sich darauf, zu hoffen, dass ein bevorzugter Würfel oder Fisch noch für einen selbst übrig bleibt. Ein Grund für unsere überlange Spielzeit war auch die nicht wirklich gelungene Ikonografie. So schwer verständlich und dauerhaft unklar, dass wir jedes einzelne Symbol in der Anleitung nachschlagen mussten. Übersichtskarten dafür? Fehlanzeige.

Allerdings und das halte ich dem Spiel zugute, ist Freshwater Fly ein optisch wirklich schönes und grafisch stimmungsvolles Spiel. Fast könnten wir meinen, eben noch Robert Redford und Brad Pitt aus dem Kinofilmklassiker „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ begegnet zu sein, als wir uns mitten hinein in die Strömung gewagt haben, um den besten wie auch spektakulärsten Angelspot zu erwischen. Dazu passt dann auch, dass wir unsern Fang stilecht aus dem Wasser kurbeln und starke Fische sich dementsprechend mehr wehren, aus ihrem Element gerissen zu werden.

Nur für mich reichte das alles nicht, um mich in und über die Partie hinaus zu begeistern. Freshwater Fly habe ich als arg solitär und spannungsarm und glückslastig und überlang erlebt. Vier Eigenschaften, die nicht recht zu einem tollen Spielerlebnis passen. Und genau deshalb werde auch ich passen, wenn jemand aus Neugier nochmal Freshwater Fly vorschlägt. Eventuell in kleinerer Runde und unter Fliegenfischen-Fans gespielt, könnte das alles schon ganz anders aussehen. Nur ich kann nur das für mich bewerten, was ich erlebt habe, und das war ein thematisches Eurogame, das spielmechanisch auch 2019 schon angestaubt wirkte.

2 Gedanken zu „Freshwater Fly: Realistisch unspannend wie Fliegenfischen“
  1. Wie mir aus Leserkreisen mitgeteilt wurde, ist das Spiel durchaus im Mini-Kamapgnen-Modus interessant. Ansonsten aber maximal zu zweit gespielt. Somit hatten wir wohl die schlechtesten Rahmenbedingungen, auch weil keiner von uns aktiver Angler ist oder war. Meine Eltern hatten zu Kinderzeiten nur mal Guppys im Aquarium – die haben aber ihren Nachwuchs gefressen. Heutzutage wüsste ich es besser und lehne sämtliche Tiere in Gefangenschaft ab. FCK ZOOs!

  2. Zu Viert eine ähnliche Erfahrung gemacht. War allerdings die Erstpartie mit zwei Wenig-Spielern. Das hätte bei Folgepartien sicherlich schon anders ausgesehen. Wir fanden das Spiel zumindest so hübsch und thematisch, dass wir es uns dann selbst gekauft haben. Und zu Zweit und mit ein bisschen Übung läuft es auch gleich besser. Aber ja, es ist schon ein bisschen wie Angeln am Spieltisch. Viel Aufregung entsteht nun nicht. 😉

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