Eine Auszeichnung schützt nicht davor, als Serie verramscht zu werden. Denn was in der Theorie nach einem spaßbringenden Turnierspiel mit Event-Charakter klingt, dass man mal eben in 45 Minuten veranstalten kann, kam nur sehr gemischt in meinen Spielrunden an. Schade eigentlich. Trotzdem habe ich zum Schnäppchenpreis bei der eigenständigen Fortsetzung zugeschlagen. Warum eigentlich?
Lasst Euch eine Geschichte erzählen. Auf der SPIEL 2022 in Essen wurde erstmalig „Challengers!“ vorgestellt und war im Laufe der Messe direkt ausverkauft. Der Hype war riesig. Jeder wollte den brandneuen Mix aus Deck-Management und Auto-Battler erleben. Bis zu acht Spieler konnten antreten, um die Krone des Capture-the-Flag-Turniers für sich zu gewinnen. Ein einfaches Regelwerk ermöglichte einen schnellen Spieleinstieg. Die Präsentation und die Illustrationen schwankten zwischen comichaft und kindlich verspielt. Wer genauer hinschaute, der entdeckte zudem eine ungewohnte Diversität der Charaktere – endlich mal keine Supermodels und Superhelden, die stereotyp aussahen.
In Summe konnte die Optik schon irritieren. Wie ernst oder augenzwinkernd wollte und sollte „Challengers!“ verstanden werden. War es am Ende doch nur ein Gimmick ohne spielerischen Wert? Zumal der Zufall gehörig mitspielte, denn die Reihenfolge des eigenen Decks wurde zu Rundenbeginn gemischt. Welche Karte wann kam oder eben auch nicht, das war nie klar. Nur ganz wenige Karten konnten daran etwas ändern und mehr Kontrolle in die eigenen Hände legen. Manche nannten das spannend, andere hingegen trivial oder gar banal. Wo bitteschön sollte da das eigentliche Spiel sein?
Die Taktik war hingegen in der Verbesserung des eigenen Decks versteckt. Zwischen den Spielrunden galt es, sorgsam seine Karten auszudünnen und zeitgleich bessere davon nachzuziehen. Und auch da schlug der Zufall zu, denn die Karten wurden verdeckt und damit zufällig gezogen. Manchmal passte es oder eben auch nicht. So oder so, die Überraschung spielte stets mit. Auch das mochte nicht jeder.
Neu oder zumindest seltenst so in einem Kartenspiel gesehen, war der eigentliche Spielmodus. Der war eine Serie von Duellen gegen wechselnde Mitspieler. Wir spielten zeitgleich und am besten mit vier oder sechs oder acht Spieler, denn bei ungeraden Spielerzahlen musste ein eher langweiliger Bot mitspielen. Wirklich viel haben wir also von den parallel laufenden Partien nicht mitbekommen. Einzig am Stapel der gesammelten Siegerpokale konnten wir sehen, ob wir da einem eher schwächlichen oder starken Herausforderer gegenübersaßen. Und dann schlug der Zufall zu, unsere Karten kamen mehr als ungünstig, während die unseres Gegenübers in perfekter Reihenfolge gezogen wurden.
Nach gut 40 Minuten war alles vorbei und mündete ins große Finale der beiden punktbesten Spieler. Die Anderen sollten dem Finale zuschauen, im Idealfall das Geschehen bestaunen und bejubeln und schlicht mitfiebern. Soweit die Theorie. In meiner Spielpraxis in diversen Spielrunden habe ich hingegen eher erlebt, dass die Finalisten eher einsam am Tisch saßen und ihr Finale bestritten. Die ausgeschiedenen Mitspieler waren derweil längst abgewandert, zur Toilette, zum Plausch am Nachbartisch oder sich einen Kaffee holend. Die Turnieratmosphäre war längst verpufft. Passiv zuschauen, wie zwei Spieler ein Kartenspiel spielten, das wollte niemand.
Einmal mitspielen, das reichte den meisten Mitspielern aus. Andere Spiele wurden hingegen bevorzugt. Auch weil nur ein Miesepeter im Turniergeschehen von „Challengers!“ ausreichte, der lautstark verkündete, wie unsinnig und lachhaft dieses Nicht-Spiel doch sei, in dem man ja so gar keinen Einfluss hat. Da könnte man ja auch gleich die Mitspieler bitten, für einen selbst weiterzuspielen. Leider mehrmals erlebt. Klar darf jeder für sich meinen, dass er dieser Art von Spielen nicht mag. Nur dann bitte nicht mitspielen und wenn doch, dann erwarte ich zumindest soviel Fairness, den Mitspielern ihren Spaß zu lassen und nicht madig zu machen.
Was ich damals für 40 Euro zum Vollpreis gekauft hatte, das kam immer weniger aufm Tisch. Irgendwann habe ich dann auch selbst die Hoffnung aufgegeben, noch Mitspieler dafür zu finden. Zwar wurde „Challengers!“ im Frühjahr 2023 als Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet, da war der Hype in meiner Umgebung aber schon längst wieder vorbei. Das „neue, frische Konzept, das den Spieleabend zum Event werden lässt – spannend und turbulent bis zum letzten Duell zwischen den beiden Besten.“, wie die Spiel des Jahres Jury begründete und sich wohl auch die Autoren Johannes Krenner und Markus Slawitscheck erhofft haben, kam in meinen Spielrunden leider nicht wie erhofft an. Akzeptiert.
Im Folgejahr auf der SPIEL Essen 2023 gab es dann noch die obligatorische Fortsetzung mit „Challengers! Beach Cup“ von 1 More Time Games. Eigenständig spielbar oder auch mit dem Grundspiel kombinierbar, um so Turniere mit bis zu 16 Spielern auszutragen. Eine einzige Beach Cup Partie habe ich mitgespielt, zu einem 16er-Turnier kam es allerdings nie. In der Folge fiel der Verkaufspreis und kam im Dezember 2025 schließlich bei 8,99 Euro an. Das Spiel und die Fortsetzung wurden verramscht zum Viertel des Originalpreises.
Was also sollte ich bei so einem Schnäppchenpreis schon falsch machen? Letztendlich soll sich Beach Cup etwas anspruchsvoller durch die komplexeren Charaktere in den Decks spielen. Ich bin gespannt, habe somit für zusammen und damit schön gerechnete 48,99 Euro mein „Challengers!“-Paket komplettiert und hoffe auf eine kleine Renaissance des außergewöhnlichen Mixes aus Deck-Management und Auto-Battler. Denn mir hat das Spielprinzip stets gefallen, weil mal was anderes. Jetzt muss ich nur noch ebenso denkende Mitspieler finden. Was interessieren da schon Halbwertszeiten?







Mit Blick auf mein Grundspiel von Challengers habe ich bemerkt, dass ich die Karten damals alle in UltraPro Deckprotector clear mit dem eingestanzten Hologramm gepackt habe. Blöd, dass ich von dieser Hüllensorte nur noch Restbestände von rund 150 Hüllen habe, für die Beach Cup Fortsetzung allerdings 353 brauche. Also rund 200 Hüllen nachkaufen, die Erweiterung in andere Hüllen packen oder alles wieder entsleeven? Da (wie mir auch bestätigt wurde) die Karten des Grundspiels und die von Beach Cup gemischt werden können, ist die Hüllensorte somit nicht egal. Rechnet diese Mehrkosten auf den Schnäppchenpreis mit ein.