Es gibt viel zu erzählen, weil wir eine ganze Menge in der nicht nur optisch ansprechenden Welt von Valheim am Brettspieltisch erlebt haben. Auch spielerisch auf entspannten Bier- und Brezel-Niveau kam Valheim gut an. Meine Erwartungen wurden erfüllt. Kritik habe ich nur in Details.

Ab nach Valheim. Ab ins Abenteuer. Was wie ein billiger Werbespruch klingt, fasst die von mir erlebte Stimmung bei meiner ersten Mehrspielerpartie gut zusammen. Eine angenehm entspannte Atmosphäre am Spieltisch mit einer ebenso angenehmen Denktiefe, die nicht überfordert. Klar könnt Ihr Euren Charakter auch je nach bevorzugter Spielweise auf optimale Effektivität trimmen. Ebenso könnt Ihr auch einfach losspielen und Euch durch das Abenteuer treiben lassen und dabei eine ganze Menge erleben. Einfach mal machen und schauen, was so passiert.

Und da ist eine ganze Menge in rund 2 1/2 Stunden Spielzeit in unserer Dreierrunde passiert. Alles Erstspieler von Valheim, aber erfahrene Brettspieler, die sich zusammen mit mir an das erste von insgesamt 14 Szenarien versucht haben. Ich selbst kannte Valheim schon von meiner Demosession auf der SPIEL Essen 2025 und einer simulierten Viererpartie mit dem Tutorial. Ich fühlte mich also bestens zur Regelerklärung gerüstet. Valheim hat in Summe viele Regeln, die im Einzelnen aber alle recht einfach gehalten sind. Zum Spieleinstieg hilft ein wenig die doppelseitige Übersichtskarte der möglichen Aktionen und eine Auflistung der möglichen Möbelstücke, die wir im Spiel herstellen können. Würfel, Effekte, Ressourcen und das Warenangebot von Haldor dem Händler sind ebenso aufgelistet.

Was allerdings fehlt, das sind die ganzen Details. Details, die ich allzu schnell mal gerne bei der Erklärung übersehe und meine Mitspieler schlicht nicht wissen und deshalb auch nicht nachfragen können. Zwar gibt es eine etwas ausführlichere Aktionsübersicht zu den möglichen Aktionen im Regelheft, nur eben nicht als Übersicht. Die Rückseite der Anleitung zeigt nur diverse Icons im Spiel und den groben Ablauf eines Spielzuges. Die in der Anleitung per QR-Code verlinkte FAQ gibt es, Stand heute, leider nicht. Der Link führt ins Nichts. Im Valheim-Regelforum auf Boardgamegeek findet Ihr allerdings eine offiziell vom Autor Ole Steiness gepflegte FAQ (auf Englisch) und im Files-Bereich sinnvolle Spielerübersichten in deutscher Sprache zum Download und Selbstausdruck. Die kann ich Euch und mir nur empfehlen.

Im Eifer des Gefechts und im Unwissen der Detailregeln haben wir es uns anfangs ein wenig schwerer gemacht. So haben wir gegen mehrere Gegner-Kreaturen gleichzeitig gekämpft und die uns alle ebenso gleichzeitig summiert angegriffen. Stattdessen wirft immer nur der stärkste Gegner seine Schadenswürfel – schön nach der Reihe. Das macht das eigene Überleben gegen Gegner-Horden wesentlich einfacher. Zeitgleich und ich werte das einfach mal als kleinen unbewussten Ausgleich, haben wir bei der Herstellung von Ausrüstung die einfach ins Lager abgelegt. Richtig wäre gewesen, die im eigenen Inventar zu platzieren und dann mit einer weiteren Aktion diese für unsere Mitspieler ins Lager abzulegen.

Auch können wir mit einer Aktion nur eine Nahrung konsumieren, selbst wenn wir dank eines gebauten Tisches immer zwei Nahrungskarten auf Vorrat kochen können. Aber bitte schön mit zwei Aktionen. Nur weil da ein Tisch steht, kochen wir nicht doppelt effektiv. Das sind alles Details, die der Regelerklärer im Kopf haben sollte. Oder eben ausgedruckt als erweiterte Spielübersicht griffbereit.

Kommen wir zur Tischpräsenz von Valheim. Die ist enorm und sieht optisch wirklich toll aus, auch weil die Welt eher atmosphärisch farbenfroh statt nur grau-grün düster gehalten ist. In den Graslanden von Valheim möchte ich gerne meinen Urlaub verbringen. Valheim braucht allerdings auch enorm viel Platz auf dem Tisch. Angrenzend zum Spielbrett, auf dem wir die zu erkundende Landschaft verdeckt aufbauen, sind auf der einen Seite zusätzlich die Boards für den Ereigniskartenstapel, dem Bossgegner und unsere Feinde in Person der Kreaturen angedockt. Auf der anderen Seite steht unser Haus – in Form eines dreidimensionalen Bausatzes aus verstärkter Pappe zusammengebaut.

Unser Haus ragt am Spielfeldrand eindrucksvoll in die Höhe. Deshalb empfehle ich, das eigene Charaktertableau nicht neben dem Spielplan anzuordnen, sondern davor. Einfach um zu verhindern, dass die Spieler auf der Hausseite sich selbst die Sicht auf den Innenraum des Hauses nehmen und die ständige Drohung in der Luft liegt, dass unsere Behausung beim Übergreifen aufs Spielfeld aus den Angeln gehoben wird. Das braucht dann einen Tisch mit rund 90 cm Breite.

Dazu kommen noch zwei Plastikinlays, die Ihr aus der Schachtel einfach auf den Tisch links und rechts neben Eurem Haus stellt. Klingt gut und einfach, hat in meiner Spielpraxis aber nur teilweise überzeugt. Das Plastikinlay für die Ressourcen ist ok, weil in der Deluxe-Version die Ressourcen aus bedrucktem Holz gefertigt sind und sich dementsprechend griffig aus den etwas kleinen Inlayfächern fischen lassen. Die Papp-Plättchen für Schatztruhen und Honigwaben sind allerdings eher ungünstig im zweiten Inlay aufgehoben. Denn die haben eine unterschiedliche und geheime Rückseite und lassen sich nicht wirklich im Inlayfach mischen und noch weniger blind da herausziehen. Wir haben die Plättchen dann kurzentschlossen auf dem Spielplan gelagert. Ausreichend Platz ist da sowieso vorhanden.

Und wie spielt sich nun Valheim? Gut und atmosphärisch und durch die Ereigniskarten und die zu entdeckende Landschaftsplättchen auch überraschend. Ihr müsst Euch nur mit Amitrash-Elementen anfreunden können. Der Zufall spielt vielfältig mit und ist bei den Ereigniskarten durch das Szenario und den Bossgegner vorgegeben. Bis zu 20 Ereigniskarten haben wir Zeit dafür, unseren Endgegner zu beschwören. Im zu Ende eines Spielerzuges wird so eine Ereigniskarte aufgedeckt, deren Reihenfolge zufällig ist, weil vorab gemischt.

Kurz mal nachgerechnet: Sind wir zu dritt unterwegs, dann hätte jeder gerade mal sechs Spielzüge. Klingt wenig, aber in der erlebten Spielpraxis gab es einige Ereignisse wie Schlechtwetter, die über einen einzigen Spielzug im Spiel bleiben und so die maximale Spielzeit verlängern. Zudem sammeln wir anfangs auch erstmal unsere auf dem Ereignisstapel ausliegenden Geschenke ein, die uns das Szenario gemacht hat.

Somit blieb Zeit genug, um uns für den finalen Kampf vorzubereiten. Da gibt es auch eine Menge zu tun: Die Gegend erkunden, gegen Monster kämpfen, Rohstoffe sammeln, Gegenstände und Ausrüstung herstellen und sich Schritt für Schritt besser auszurüsten. Wir hatten noch ein paar Ereigniskarten übrig, bis wir uns an unseren Endgegner Eikthyr getraut haben. Eventuell haben wir uns zu viel Zeit gelassen und waren deshalb zu gut ausgerüstet und vorbereitet, sodass unser Endgegner keine wirkliche Herausforderung war. Oder die übersehenen Regeldetails haben uns das Überleben doch leicht gemacht als vom Spiel vorgesehen.

Durch Bonuswürfel und starke Waffen, eine taktisch kluge Kampfaufstellung und auch etwas Würfelglück dauerte es nur wenige Züge, bis wir unseren Spielsieg im Finale feiern konnten. Wie effektiv und stark der Endgegner ist, das bestimmt vor allem der Zufall. Denn die besonderen Ereigniskarten für Eikthyr ziehen wir nur, wenn ein Ausrufezeichen bei den drei Schadenwürfeln fällt. Wir durften nur eine einzige Ereigniskarte im Finale ziehen und haben so arg wenig von den vielfältigen Möglichkeiten von Eikthyr gesehen.

Dafür haben wir eine ganze Menge von den möglichen Gegenständen gesehen und benutzt, die wir im Spielverlauf bauen können. Zwar hatten wir nur Bronze und kein Eisen oder Silber zur Verfügung, was uns ein wenig begrenzte in unseren Bauvorhaben. Aber gefühlt haben wir so 80% der Vielfalt schon in unserem ersten Szenario gesehen. Ich hoffe mal, dass die kommenden 13 Szenarien noch ausreichend Überraschungen und Abwechselungen bringen.

Unser Durchmarsch in entspannten 150 Minuten durch das erste Szenario war auch dem wandernden Händler Haldor zu verdanken. Mit dem für 3 Münzen gekauften Hirschbrecher ausgestattet und in Summe zwei Bonusschaden bei einem Treffer durch die Waffe und meinem ausgelernten Beruf als Schmied, waren die Kämpfe schlicht zu einfach. So konnte ich selbst den Troll alleine und nach zwei glücklichen Kampfrunden besiegen. Auch die eigentlich herausfordernden Belagerungen gegen eine Gruppe von Monstern war ein Spaziergang, da der Hirschbrecher Flächenschaden gegen alle versammelten Gegner austeilen konnte. So konnten wir unsere von Odin verliehene Mächte auf wenige Würfel fokussieren und verstärken.

Zwar war besonders unsere Anfangsphase durch etliche Niederschläge geprägt, weil wir noch ohne ausreichend vorhandene Waffen und Ausrüstung in die Kreaturen-Kämpfe gezogen sind oder von denen wir beim Sammeln von Ressourcen überrascht wurden. Aber in der Folge haben wir zügig die Kochstelle und den Tisch errichtet und konnten uns so schnell durch Nahrungsaufnahme wieder stärken, um unser Abenteuer fortzusetzen. Auch da hoffe ich für die kommenden Szenarien auf Varianz, weil uns relativ schnell klar war, was wir für einen effektiven Start alles brauchen. Valheim als Bettspiel ist eben kein Hexenwerk und auch kein Komplexitätsmonster. Zumindest im ersten Szenario. Hoffentlich kommt da noch mehr und auch größere Herausforderungen.

Nicht falsch verstehen, unsere erste Mehrspielerpartie war durchaus spannend, aber auch weil alles neu und aufregend war. Wenn sich in Zukunft davon zu viel wiederholen sollte, könnte es schwierig werden, den Spannungsbogen weiterhin hoch zu halten. Das alles ist aber nur Spekulation. Die kommenden Spielpartien werden mir schlicht zeigen müssen, wie lange sich Valheim am Spieltisch trägt. Ich bin gespannt und freue mich auf meine kommende Partie. Im zweiten in sich abgeschlossenen Szenario geht es dann gegen einen anderen Bossgegner mit eigenem Ereignisstapel. Ich halte Euch informiert, wie es meiner noch nicht geplanten Spielrunde so ergehen wird.

Kein Wort über das Solo-Spiel? Schliesslich ist Valheim für 1 bis 4 Spieler. Stimmt, weil ich Valheim bisher noch nicht solo mit nur einem einzigen Charakter gespielt habe. Allerdings gibt es keinerlei Extra-Regeln. Ihr benutzt einfach die Standardregeln des Spiels. Einzig bei den geschenkten Gegenständen passt Valheim die Anzahl an die Summe der Charaktere ein, egal ob Ihr die alle selbst spielt oder jeder einen eigenen spielt. Somit wird eine Partie mit weniger mitspielenden Charakteren schwieriger, weil Ihr eben nur eine einzige Leiste an Lebens- und Ausdauerpunkten habt und Euch im Kampf weniger bis überhaupt nicht gegenseitig unterstützen könnt. Auch der Endgegner wird in seinen Lebenspunkten nicht angepasst. Wer so bezeichnet „True solo“ spielt, alleine mit nur einem Charakter, der wird die besondere Herausforderung lieben müssen. Das ist aber eine ganz andere Brettspiel-Geschichte für einen anderen Tag.

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